Pandemie

Corona im Kreis Olpe: Zu viele Schüler in Quarantäne?

Nichts geht mehr: Wie sehr lähmen weitreichende Quarantänemaßnahmen das Schulleben, und muss das in diesem Ausmaß sein? Das fragen sich mehrere Schulleiter im Kreis Olpe.

Nichts geht mehr: Wie sehr lähmen weitreichende Quarantänemaßnahmen das Schulleben, und muss das in diesem Ausmaß sein? Das fragen sich mehrere Schulleiter im Kreis Olpe.

Foto: Rene Traut

Kreis Olpe.  Nach Corona-Fällen an Gymnasien in Olpe und Lennestadt müssen viele Schüler in Quarantäne. Die Rektoren stellen die Verhältnismäßigkeit infrage.

Holger Köster, Leiter des Städtischen Gymnasiums Olpe und Sprecher aller sechs Gymnasien im Kreis Olpe, ist besorgt: „Ich wage zu bezweifeln, ob da die Verhältnismäßigkeit noch stimmt.“ Gemeint ist die vom Gesundheitsamt des Kreises Olpe durchgesetzte Quarantäne-Regelung an Schulen, Jahrgangsstufen weitgehend lahmzulegen, wenn nur ein Kind oder ein Jugendlicher infiziert sei. Was nicht nur Köster sauer aufstößt, sondern auch seinen Schulleiter-Kollegen.

Was ihn besonders verärgert, ist, dass das Corona-Engagement der Schulen nur eine untergeordnete Rolle spiele: „Das NRW-Schulministerium fordert zu Recht von uns, dass wir Sitzpläne erstellen sollen, damit wir im Falle einer Infektion genau wissen, wer wo im Unterricht gesessen hat.“ Dann aber sofort große Teile der Stufe matt zu setzen, halte er für nicht nachvollziehbar und auch nicht für notwendig: „Wenn ein Schüler in einem Kurs rechts vorne gesessen hat, und eine Schülerin infiziert war, die links hinten im Klassenraum saß, wo ist da ein Ansteckungspotenzial?“

Hintergrund: Der Kreis hatte Ende vergangener Woche nach jeweils einem Corona-Fall jeweils eine Jahrgangsstufe der städtischen Gymnasien in Olpe und Lennestadt weitgehend oder komplett in Quarantäne geschickt. Nur ein zufälliger Unterrichtsausfall, von dem die infizierte Schülerin betroffen gewesen sei, habe in seiner Schule, so Köster, Schlimmeres verhindert. Dadurch sei das Mädchen mit weniger Mitschülern und Lehrern in Kontakt gekommen und nur deshalb seien auch „nur“ 73 von rund 130 Jugendlichen des Jahrgangs 10 betroffen gewesen. In Lennestadt ging die komplette Stufe 11 in Quarantäne.

Hätte das Gesundheitsamt im Fall Olpe die von der Schule angefertigten Sitzpläne zugrundegelegt und nur die direkten Nachbarn des Mädchens mit Quarantäne belegt, wäre auch nur ein Dutzend Mitschüler von der Quarantäne betroffen gewesen. Eine für Köster eher nachvollziehbare Vorgehensweise.

Ein Dutzend Lehrer auf einen Schlag nicht einsetzbar

Köster macht im Gespräch mit unserer Redaktion auch deutlich, was die Quarantäne für eine komplette Jahrgangsstufe, möglicherweise für eine ganze Schule bedeuten könne: „Das betrifft ja auch die Lehrer. In unserem Fall fehlen dann auf einen Schlag ein Dutzend Lehrkräfte. Einer kleineren Schule geht dann schnell die Luft aus.“

Daran, dass eine solche Quarantäne in der jetzigen Phase den Abiturjahrgang erwischen könne, wolle er gar nicht denken: „Diese angehenden Abiturienten haben ja bereits durch den Lockdown mehrere Monate nicht den üblichen Unterricht bekommen, und jetzt auch noch eine Quarantäne, das wäre ganz problematisch.“

Der Schulleiter verweist ausdrücklich darauf, dass an seinem Gymnasium extrem penibel auf die Lüftung der Klassenräume geachtet werde. „Bei uns heißt die Devise: Lieber frieren als infizieren.“ Die Lehrer hielten Abstand, dazu komme der Sitzplan. Und darüber hinaus achte man darauf, dass immer die gleichen Arbeitsgruppen zusammenblieben.

Schule schnell gelähmt

Ähnlich argumentiert auch Kösters Kollegin Birgitta Pieters, Leiterin des Gymnasiums der Stadt Lennestadt: „Wir schreiben für jeden Kurs einen aktuellen Sitzplan. Wenn dann alle Schüler um den Infizierten herum unter Quarantäne gestellt würden, wäre das verständlich, aber doch nicht direkt ganze Jahrgangsstufen.“ Wenn die Quarantäne allein einer Jahrgangsstufe schon den Ausfall von zehn Lehrern bedeute, was passiere dann erst, wenn es nach den Ferien zu weiteren Infizierten und der Quarantäne weiterer Jahrgangsstufen komme? „Das kann dazu führen, dass eine Schule gelähmt ist“, sagt Pieters, „denn die fehlen ja auch in anderen Schulklassen.“

Und wenn ohnehin alle Schüler in Quarantäne kämen, die irgendwann in einem Klassenraum mit einem infizierten Mitschüler gesessen hätten, „können wir uns die Sitzpläne auch sparen.“

Alle 20 Minuten wird gelüftet

Das Thema Lüften nimmt beispielsweise auch das St. Ursula-Gymnasium aus Attendorn sehr ernst. Alle zwanzig Minuten würden die Fenster geöffnet. Nach den Herbstferien werde zudem in der großen Dreifachturnhalle diese Regelung durchgesetzt, wenn die Schüler wieder in der Halle Sport machten. Man werde, so Schulleiter Markus Ratajski, aus Gründen des Infektionsschutzes mit kleineren Gruppen in die Halle gehen. Ansonsten müsse er erst einmal abwarten, welche Vorgaben bis zum Schulstart nach dem Herbstferien noch vom Schulministerium eintrudelten.

Ähnlich äußert sich auch Petra Schmidt, Leiterin der Gräfin-Sayn-Grundschule in Drolshagen: Man setze die Lüftungsvorgaben genauso um wie das Tragen der Masken im Gebäude und auf dem Schulhof. „Ansonsten müssen wir einfach abwarten, was uns das Schulministerium noch mitgibt“, erklärt die Schulleiterin, an deren Schule bislang noch kein Coronafall aufgetreten ist. Dabei solle es auch bleiben – komme es doch anders, sei die Schule vorbereitet.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben