Windradbau

Für Windpark: Archäologische Fundstellen mit Raupe planiert

Für die Mitarbeiter des Westfälischen Museum für Archäologie gestaltet sich die Arbeit auf den planierten Flächen für die Windräder nebst Zufahrten wie die Suche nach einer Nadel im Heuhaufen.

Für die Mitarbeiter des Westfälischen Museum für Archäologie gestaltet sich die Arbeit auf den planierten Flächen für die Windräder nebst Zufahrten wie die Suche nach einer Nadel im Heuhaufen.

Foto: LWL/M. Zeiler

Kreis Olpe.   Böse Überraschung auf der Rahrbacher Höhe im Kreis Olpe: Hier wurden archäologische Fundstellen mit Raupen planiert, weil Platz für Windräder geschaffen wurde.

Im übertragenen Sinne vor einem Scherbenhaufen standen die Mitarbeiter der Museums-Außenstelle Olpe der LWL-Archäologie für Westfalen auf der Rahrbacher Höhe. Denn hier kamen vor allem durch den Bau von Wegen für die geplanten Windräder wichtige archäologische Fundstellen unter die Räder.

Klägliche Überreste in der Baustraße

Es wurden mehrere frühgeschichtliche Meilerplätze einfach mit der Raupe abgeschoben und die Archäologen konnten nur noch die kläglichen Überreste in der Baustraße dokumentieren, ärgert sich Dr. Manuel Zeiler und sagt: „Wir hätten das Umfeld gern intensiver untersucht.“ Und das wäre von großer Bedeutung gewesen, denn hier geht es wohl um „das Missing Link zwischen Holzkohleanlagen des Mittelalters und der Neuzeit.“

Dazu muss man wissen, dass die technischen Entwicklungssprünge dieser Produktionsanlagen für die Archäologie von hoher Bedeutung sind. Dr. Zeiler: „Die jetzt geplanten Windräder kommen alle auf die Kuppen. Und gerade dort befinden sich wichtige Fundstellen.“ Und auch die Hauptwegeführung sei damals über die Kuppen gegangen. Zu 90 Prozent, so der wissenschaftliche Referent des Westfälischen Museums, sei beim Bau von Windrädern die Archäologie betroffen. Aber häufig „räumen wir den Ruinen hinterher.“

Dabei gehört auch das Museum zu den Trägern öffentlicher Belange und müsste vor den Baumaßnahmen in Kenntnis gesetzt werden. Das allerdings funktioniert offenbar deutlich schlechter als bei den Naturschutzverbänden. Dabei sei eben nicht nur die Natur betroffen, sondern auch das kulturelle Erbe im Boden und zahlreiche archäologisch relevante Stätten.

Besser zu funktionieren scheint es, wenn die Bauherren sich mit den Archäologen ins Benehmen setzen. So sei in Freudenberg immerhin eine archäologische Untersuchung vor der Zerstörung ermöglicht worden. Das gelte für das Beispiel Apollmicke / Rahrbacher Höhe nicht und so seien „Strukturen im Boden zu unserer frühen Geschichte unwiederbringlich verloren gegangen“.

Massive Zerstörungen

Während der Umweltschutz starke Instrumente habe, die tatsächlich sogar solche Planungen beenden könnten, stehe die Archäologische Denkmalpflege hier kaum im Fokus. Dr. Zeiler befürchtet: „Die Planungen von derzeit mehreren 10 000 Hektar Flächen als potentielle Windparkstandorte allein im Regierungsbezirk Arnsberg werden massive Zerstörungen zur Folge haben. Gerade nämlich in den entlegenen Bereichen weitab der heutigen Siedlungen, wo in der Regel Windparks geplant werden, sind archäologische Fundstellen besonders gut erhalten. Wir finden dort Lagerplätze der steinzeitlichen Jäger und Sammler, Ansiedlungen aus keltischer Zeit oder Zeugen des frühen Berg- und Hüttenwesens.“

Während eine zu große Nähe eines Windparks zu einem Rotmilanhorst in Freudenberg das Projekt ernstlich gefährde, werde der Verlust zahlreicher Kulturlandschaftselemente billigend in Kauf genommen, da nicht nur Bodeneingriffe durch die Windradstandorte selbst entstünden, sondern flächenhaft noch größere Verluste durch Stellflächen für den Kran und anderes Material sowie besonders für die meist kilometerlangen Zuwegungen.

Rettungsgrabungen sicherstellen

Besonders prekär sei hierbei, dass es oft nicht gelinge, vor der Zerstörung die vorhandene Substanz im Boden zumindest durch archäologische Grabungen zu dokumentieren. Dr. Zeiler: „Unsere Erfahrung zeigt, dass die Archäologische Denkmalpflege sehr häufig noch nicht einmal in die Planungen einbezogen wird und somit of vor geschaffene Tatsachen gestellt wird. Dies erleben wir mittlerweile täglich.“

Natürlich seien auch Archäologen nicht gegen erneuerbare Energien und ihnen sei klar, dass der Windkraft dabei eine hohe Bedeutung zukomme. Es könne jedoch nicht sein, dass die Archäologische Denkmalpflege nicht behördlich beteiligt wird. Dies müsse der kleinste gemeinsame Nenner sein, um zumindest Rettungsgrabungen sicherstellen zu können.

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