Kramers Gartentipp

Lasst Blumen sprechen! Wenn die Magnolie mit der Kirsche...

Die schöne Sternmagnolie ist empfindlich gegen Frost. 

Die schöne Sternmagnolie ist empfindlich gegen Frost. 

Foto: Thomas Kramer

Wehe, der böse Frost kommt....

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Nur mal angenommen, Pflanzen könnten sprechen, dann wäre folgender Dialog durchaus denkbar: „Wieder mal Pech gehabt“, sagt die Magnolie zur Kirsche. „Kaum zeige ich mich in meiner ganzen Pracht, kommt schon der böse Frost, und meine herrlich weißen Blüten werden braun, die Blütenblätter fallen ab“. „Selber schuld“, antwortet die Kirsche. „Du musstest ja ins Sauerland ziehen. Schließlich hast du gewusst, dass es hier kalt ist. Du hättest ja im Rheinland bleiben können“! „Stimmt“, sagt die Magnolie, „aber mein Besitzer wollte auch mal so etwas Tolles wie mich im Garten haben. Im Grunde bin ich ja völlig unkompliziert, zicke nur ‘rum, wenn der Boden zu hart ist, ich im Sommer zu wenig Wasser bekomme und andere Pflanzen sich in meinem Wurzelbereich breit machen wollen. Nur mit dem Frost zu dieser Zeit komme ich einfach noch nicht klar.“ „In den Garten nur die Harten“ grinst die Schlehe. „Du bist zu ungeduldig“, meint die Kirsche. „Aber mir geht es ähnlich. Meine japanischen Cousinen in Bonn blühen schon lange, und wenn ich höre, dass tausende von Menschen dahinfahren, um sie zu betrachten, kann ich es nicht abwarten, um den Sauerländern auch etwas von dieser Pracht zu zeigen“.

„Ihr habt gut reden“, sagt die Geranie vor dem Gartenmarkt. „Bei euch geht es doch nur um die Blüten – ich dagegen kämpfe ums nackte Überleben. Wie gut hatte ich es in meinem schönen Gewächshaus. Da war es wunderbar warm, ich bekam regelmäßig was zu futtern, ausreichend Wasser. Und jetzt das. Da stellen die mich schon bei dieser Saukälte im Sauerland vor die Türe. Wissen die denn nicht mehr, dass ich echt empfindlich bin und schon die kleinste Kältewelle mein Ende sein kann? Ich sage euch, wenn ich Beine hätte, ich wäre schneller in Spanien als ihr gucken könntet“. „Stimmt“, sagt die kalte Sophie, „da komme selbst ich mit Bonifatius, Pankratius und den anderen Eisheiligen nicht hin. Aber warte es ab, wenn dich deine Besitzer nicht schützen, komme ich Mitte Mai und dann geht es dir wie der Magnolie an den Kragen“.

„Ich will endlich aus diesem dunklen Papiersack raus“, beklagt der Blumensamen, „Ich bin schließlich nicht da, um hier zu schlummern, sondern will in die Erde, wachsen, blühen und Bienen, Insekten und Menschen gleichermaßen erfreuen. Aber mein Besitzer ist Landschaftsgärtner, und der lässt mich einfach noch nicht aus der Tüte. Er faselt immer etwas von zu früh, Keimphase und Frostempfindlichkeit“.

Geduld lebenswichtig

„So ganz unrecht hat er nicht“, sagt die Magnolie, „sieh mich an. Ich bin jetzt wahrlich kein schöner Anblick mehr. Meiner kleinen Schwester, der Sternmagnolie, geht es genauso. Und auch meiner Cousine zweiten Grades, die lilablühende Magnolia liliiflora Nigra ist von der Kälte betroffen. Ganz zu schweigen von meinem Vetter aus dem Süden. Er ist sogar immergrün, trägt den großartigen Namen Magnolia grandiflora und hat sich als ein echtes Weichei entpuppt. Schon den ersten Winter hat er hier im Sauerland nicht überlebt“. „Na schön“, antwortet der Blumensamen, „dann übe ich mich eben in Geduld.“

In diesem Sinne und viel Spaß beim Gärtnern wünscht Ihnen Ihr

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