Lehrermangel

Lehrermangel: An diesen Schulen im Kreis Olpe fehlt Personal

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Mithilfe von Pappaufstellern macht die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft hier deutlich, dass zu viele Lehrerstellen unbesetzt sind. Das ist auch im Kreis Olpe zu spüren.

Mithilfe von Pappaufstellern macht die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft hier deutlich, dass zu viele Lehrerstellen unbesetzt sind. Das ist auch im Kreis Olpe zu spüren.

Foto: Lars Fröhlich

Kreis Olpe.  Michael Greve-Röben von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft bezeichnet die Lage an der Sekundarschule Olpe als regelrecht katastrophal.

In NRW fehlen rund 8000 Lehrer. Aus diesem Grund schlägt die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft eine Kürzung des Unterrichts und weniger Klassenarbeiten vor. Dabei ist dieses Schulhalbjahr mit nicht einmal 100 Schultagen extrem kurz, bereits am 22. Juni starten die Sommerferien. Wir haben uns an den Schulen im Kreis Olpe umgehört: Sind auch hier viele Stellen unbesetzt und wie stehen die Schulen zu den Forderungen der Gewerkschaft?

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Michael Greve-Röben aus Attendorn ist Vorsitzender der Gewerkschaft im Kreis Olpe. Er steht voll hinter den Forderungen, die sein Landesverband gestellt hat. Er hat einen genauen Blick auf den Kreis Olpe: „Die Situation ist hier noch nicht so schlimm wie in manchen Orten im Ruhrgebiet, aber durchaus an einigen Schulen dramatisch.“ Regelrecht katastrophal sei die Situation an der Sekundarschule Olpe, auch wenn die Zahlen der Bezirksregierung dies nicht hergäben. „Das liegt am Prinzip, dass beispielsweise langzeiterkrankte Kollegen oder Kolleginnen in Elternzeit in der Statistik mitgezählt werden, aber faktisch nicht da sind“, erklärt er. So komme eine Schule durchaus auf eine echte Lehrerversorgung von gerade einmal 80 Prozent. „Dann ist im Grunde kein geregelter Unterricht mehr möglich, es müssen Kolleginnen und Kollegen zwei Klassen betreuen und massiv Überstunden leisten.“

Attraktivierung des Lehrberufs

Durch die oft zusätzliche Belastung etwa durch Kinderbetreuung oder zu pflegende Angehörige komme es immer öfter zu Überlastungen. „Die sog. BEM-Verfahren zum Betrieblichen Eingliederungsmanagement gab es früher überwiegend bei Lehrkräften ,50 plus’, inzwischen ist das auf ,40 plus’ gesunken“, sagt Greve-Röben. Das Problem müsse einerseits langfristig angegangen werden durch eine Attraktivierung des Lehrberufs, andererseits durch zügige Ausbildung von Seiteneinsteigern und die Entlastung von Lehrpersonal etwa in der Verwaltung. „Die Landesregierung muss das schnellstens angehen. Was jetzt vorgeschlagen wurde, ist ein Anfang, aber es reicht bei weitem nicht.“

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Am stärksten betroffen vom Lehrer-Mangel sind die Grundschulen. Im Kreis Olpe sind aktuell sieben Lehrer-Stellen sowie drei Sonderpädagogik-Stellen unbesetzt, erklärt der Kreis auf Anfrage. Begründung: „Es gibt schlichtweg zu wenige Lehramtsanwärter, die sich auf die Stellen bewerben.“ Doch auch hier gibt es Unterschiede zwischen den Grundschulen. „Im Moment sind wir gut aufgestellt. Wir sind bei 100 Prozent“, sagt etwa Wolfgang Linz, Leiter des Grundschulverbunds Wendener Land mit dem Hauptstandort Wenden und dem Teilstandort Rothemühle. Es sei aber immer eine Wellenbewegung: „Wenn Kolleginnen und Kollegen in Elternzeit oder Schwangerschaft gehen, wird es eng.“ Derzeit falle kein Unterricht aus, so Linz, der zum kurzen Schulhalbjahr meint: „Es ist alles etwas dicht, aber es ist nicht so, dass uns das vor große Herausforderungen stellt.“

Unterricht fällt auch an der Grundschule in Hünsborn nicht aus. „Es passt. Im Moment haben wir genug Leute“, berichtet Leiterin Sabine Bock. Kein Verständnis hätte sie für das kurze Schulhalbjahr: „Die Eltern und ich finden das wirklich schlimm. Das sorgt für Stress, dass die Arbeiten durchgepowert werden müssen.“ Sie wünscht sich, dass nicht ständig der Beginn der Sommerferien wechselt: „Es geht darum, dass man die gleiche Menge an Zeit zur Verfügung hat.“

Ausfall durch die Grippe-Welle

„Wir haben Glück, bei uns kommt es genau hin, wir sind so bestückt, dass wir damit gut fahren können“, sagt auch Heidi Große Gehlen, Leiterin der Grundschule in Welschen Ennest. Zwar habe es in den letzten Wochen wegen der Grippewelle Unterrichtsausfälle gegeben. „Aber das ist nicht die Regel“, sagt die Leiterin. Im Moment sei eine Kraft zu einer anderen Schule abgeordnet worden. „Weil es dort brennt, aber auch das bekommen wir gewuppt.“. Es dürfe natürlich niemand aus dem 12-köpfigen Kollegium krank oder schwanger werden. Im neuen Schuljahr werden die Karten dann wieder neu gemischt. „Ab Juni wissen wir, wie viele Lehrerinnen und Lehrer wir zur Verfügung haben.“

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Traditionell mit Lehrkräften unterbesetzt sei zwar auch die Gesamtschule in Finnentrop, sagt Leiter Thorsten Vietor, zu einem echten Problem führe das aber (noch) nicht. Der Schuh drücke am meisten in den naturwissenschaftlichen Fächern. So gibt es beispielsweise keine Lehrer, die Informatik (in der Gesamtschule Pflichtfach ab Klasse 6) studiert haben. „Wir haben daher Kollegen, die geschult wurden und Informatik unterrichten.“ Weniger Klassenarbeiten würden „sicherlich Druck vom Kessel nehmen – für Schüler und Lehrer“, betont Vietor, von verkürzten Unterrichtszeiten hält er allerdings nichts. Schon aus dem Grunde, weil die Gesamtschule eine Ganztagsschule sei.

Coronabedingten „Lernstau“ aufgeholt

Die Anzahl der Klassenarbeiten zu reduzieren, mit diesem Gedanken könnte sich auch Esther Hoffmann, Schülersprecherin der Gesamtschule, anfreunden. Die 15-Jährige aus Bamenohl nennt ein Beispiel: „Im Fach Mathe müssen wir den Stoff sehr schnell durchpauken. Es wäre eine Erleichterung, wenn wir weniger Klassenarbeiten schreiben müssten und mehr Zeit zum Lernen hätten.“ Wenig hält die Zehntklässlerin davon, die Unterrichtszeiten zu reduzieren. Gerade erst hätten die Schüler den coronabedingten „Lernstau“ aufgeholt.

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Einen Lehrermangel gibt es an den Gymnasien nicht, dafür einen Lehrerstellenmangel. „Es fehlen bei uns feste Stellen“, sagt Birgitta Pieters, Leiterin des Städtischen Gymnasiums in Lennestadt. Durch den Mangel an Grundschulpädagogen habe das Land an diesen Schulen mehr feste Stellen geschaffen und gleichzeitig die Stellen an den Gymnasien begrenzt. Folge: Ausgebildete Referendarinnen und Referendare dürfen nicht fest eingestellt werden, sondern haben nur einjährige Vertretungsverträge, die Jahr für Jahr verlängert werden. Dieser Schwebezustand sei für die jungen Leute „keine tolle Ausgangsposition“, so Pieters. Das Land habe Programme aufgelegt, um ausgebildete Gymnasiallehrer zum Unterricht an Grundschulen zu bewegen. Dies könne dazu führen, dass Lehrer, die spätestens nach der kompletten Umstellung auf G 9 an den Gymnasien dringend gebraucht werden, nicht mehr da sind.

Personell voll ausgestattet ist derzeit auch das St.-Ursula-Gymnasium in Attendorn, noch am Montag begrüßte Leiter Markus Ratajski einen neuen Kollegen für die Fächer Deutsch und Chemie. Auch er hält von der Idee, Unterrichtszeiten zu kürzen, gar nichts, denn: „Regelmäßiger Unterricht ohne große Personalwechsel halte ich für einen wesentlichen pädagogischen Wirkungsfaktor.“

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