Justiz

Lennestadt: 33-Jähriger wegen Hinrichtungsvideo vor Gericht

Ein 33-Jähriger aus Kirchhundem ist am Amtsgericht Lennestadt angeklagt.

Ein 33-Jähriger aus Kirchhundem ist am Amtsgericht Lennestadt angeklagt.

Foto: Roland Vossel / WP

Lennestadt.  Der Amtsrichter in Lennestadt verhandelt gegen einen 33-Jährigen. Es geht um einen rechtsradikalen Post und ein Video.

Wegen zweier Taten im Netz drückte ein 33-Jähriger die Anklagebank im Amtsgericht in Grevenbrück. Am 16. Dezember 2017 soll der in Kirchhundem lebende Hartz IV-Empfänger zunächst über sein Mobiltelefon in eine öffentlich zugänglich WhatsApp-Gruppe „Sieg Heil“ gepostet haben. Zudem geht es um die Darstellung von grausamer Gewalt gegen Menschen, so Amtsanwältin Müller-Lück in der Anklage: „Er hat ein Hinrichtungsvideo eingestellt mit einer jungen weiblichen Person, die blutig geschlagen und dann regungslos am Boden liegend verbrannt wird.“

Vor Gericht stritt der Angeklagte die Vorwürfe ab. Ihm sei übel mitgespielt worden. Aus Langeweile habe er damals bei Facebook auf den Verkaufspost einer pinken Frauenhose geklickt, die ein Pornosternchen getragen haben sollte. „Ich war auf der Suche nach Nacktbildern, weil ich da Interesse dran hatte“, so der 33-Jährige. Einem User habe er dann seine Mobilfunknummer gegeben in dem Glauben, dass dies im privaten Rahmen passiere. „Ich hatte das erste Mal Kontakt zu dem. Der konnte dann auf mein Handy zugreifen. Er hat das auf meinem Handy eingerichtet. Ich wurde in die Gruppe hereingeschmissen“, behauptete der Angeklagte.

Er habe sich an dem Abend ordentlich einen hinter die Binde gekippt, so der 33-Jährige. „Haben Sie vielleicht im Suff ‚Sieg Heil‘ gepostet?“, fragte Richter Edgar Tiggemann. Der Angeklagte hielt dies nicht für ausgeschlossen: „Ich weiß ja nicht, was ich im Suff gemacht habe, aber bei klarem Verstand bestimmt nicht. Mit Rechtsradikalismus habe ich gar nichts zu tun. Ich habe albanische und türkische Freunde, die würden mir den Kopf abreißen.“

Mit dem Hinrichtungsvideo habe er auf alle Fälle gar nichts zu tun, versicherte der 33-Jährige: „Das habe ich noch nie gesehen.“ Außerdem sei es am Morgen um 8.39 Uhr gepostet worden: „Da war ich definitiv noch am schlafen. Ich hatte mir ja einen getrunken.“ Vergeblich habe er versucht, die Gruppe zu verlassen. Irgendwann sei dann aber Ruhe gewesen: „Ich habe meine Nummer öffentlich gemacht, wo ich gedacht habe, das wäre privat. So war’s.“

Weitere Ermittlungen

Fakt sei, dass das 4:32 Minuten lange Video über seine Nummer eingestellt worden sei, so Richter Tiggemann: „Wir sind uns einig. Das ist sehr brutal.“ Allerdings reiche ihm die Beweislage derzeit nicht für eine Verurteilung aus: „Es klingt für mich seltsam, was der Angeklagte sagt, aber ich kann es auch nicht ausschließen.“

Der Richter beschloss die Hauptverhandlung auszusetzen: „Es sollen weitere Ermittlungen über das LKA erfolgen. Es soll geklärt werden, ob es technisch möglich ist, dass das Programm ohne Wissen des Angeklagten installiert werden kann und ohne Wissen und Zustimmung des Angeklagten die Nachricht und das Video von einem Dritten versendet werden können.“ Ein neuer Termin wird von Amts wegen anberaumt.

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