Kultur

Lennestadt: Tina Teubner spielt Kabarett-Programm in Meggen

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Tina Teubner singt aus ihrem Programm „Wenn du mich verlässt, dann komm ich mit, sonst seh’n wir uns so selten." Ihr Mann Ben Süverkrüp begleitet sie am Klavier.

Tina Teubner singt aus ihrem Programm „Wenn du mich verlässt, dann komm ich mit, sonst seh’n wir uns so selten." Ihr Mann Ben Süverkrüp begleitet sie am Klavier.

Foto: Wilhelm Tenhaef

Meggen.  Tina Teubner und Ben Süverkrüp räumen in ihrem Kabarett-Programm mit dem Optimierungswahn auf. Das Publikum im PV Meggen ist begeistert.

„Wenn du mich verlässt, dann komm ich mit, sonst seh’n wir uns so selten!“ Damit ist im Grunde schon alles gesagt, worum es bei Tina Teubners gleichnamigem Programm geht, das sie zusammen mit ihrem Ehemann Ben Süverkrüp im PZ in Meggen am Samstagabend vortrug, vorspielte und vorsang.

Ironisch, frech, zart und lyrisch

Zunächst fällt es einem schwer herauszufinden, wo ihr Schwerpunkt liegt – bei ihrem ausgezeichneten Gesang, bei dem sich Ironie und Frechheit vor allem dann ankündigen, wenn er zart und lyrisch wird, bei ihrem Geigenspiel oder bei ihrem Wort- und Dialogwitz („Ich habe noch nie so viel gegessen wie in Zeiten, wo ich eine Diät gemacht habe“), bis man nach und nach merkt, dass ihre entscheidende Fähigkeit darin liegt, diese einzelnen Bereiche unauflöslich ineinander zu verweben. Oder anders gesagt: Kabarett ist Tina Teubner auf den Leib geschneidert. Hier kann sie in verschiedenen Ausdrucksformen rauslassen, was ihr, was uns auf dem Herzen liegt beziehungsweise ihrer Meinung nach liegen sollte.

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Ihr lag an diesem Abend vor allem eines auf der Seele oder am Herzen: Aufräumen mit unserer ständigen, durch die sozialen Medien, die Werbung beeinflussten Normierungssucht, die ihrer Meinung nach schon direkt nach der Geburt einsetzt (Tina Teubner: „Hören Sie auf, schon im Kreißsaal mit Fremdsprachenunterricht zu beginnen!“) und panische Reaktionen auslöst, weil sich das fünf Monate alte Kind immer noch nicht auf den Bauch dreht. Die gleiche Normierungshysterie sieht sie in dem, wie sie es nennt, massenweisen „Achtsamkeitswahn“ , der selbst gestandene Manager in irgendwelchen Kursen dazu brächte, ihre Konzentration auf den rechten oder linken Zeh zu lenken. Zu diesem Thema lässt sie einen fiktiven Yogalehrer sanft sagen: „Dein Atem geht von ganz allein.“ Tina Teubners Antwort: „Hätte er es nicht gesagt, hätte es vielleicht geklappt.“

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Sie behauptet, dass wir uns immer mehr von uns selbst entfernten, von unserer Natürlichkeit, einer normalen Sicht auf das Leben. „Wer in Amerika nach dem Tod seines Partners, mit dem er 50 Jahre zusammengelebt hat, länger als zwei Wochen, trauert, gilt als krank und bekommt eine Pille!“. So wie sie die Eskapaden, die wir ständig mit unserem Körper und Geist treiben, anprangert, ist sie auch keine Frau der Kurzzeitehe, womit wir wieder bei dem eingangs zitierten Lied wären.

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Ihren kabarettistischen Unmut auszudrücken hilft ihr am Klavier schon seit Jahren ihr Ehemann Ben Süverkrüp, der Sohn des Liedermachers Dieter Süverkrüp. Aber Süverkrüp begleitet nicht nur ihren Gesang, er dialogisiert auch mit ihr, gibt ihr die Stichworte, die sie braucht, ohne dabei künstlerisch selbst unterzugehen. Seine pianistischen Fähigkeiten demonstrierte er unter anderem mit einem wildkomischen Streifzug von Haydn, Smetana, James-Bond-Musik über Udo Jürgens, Beethoven oder Bach. Er ist im kabarettistischen Wörter- und Liederpuzzle von Tina Teubner ein äußerst wichtiger Bestandteil. Ohne Zugabe kamen die beiden selbstverständlich nicht zurück nach Düsseldorf.

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