Gesundheit

Lennestadt: Uni Siegen startet Umfrage zur Telemedizin

Mit einem Tablet lässt sich die anonyme Online-Umfrage zur unterstützenden Telemedizin mit wenigen Klicks aufrufen. Die  neun Fragen lassen sich in wenigen Minuten beantworten.  

Mit einem Tablet lässt sich die anonyme Online-Umfrage zur unterstützenden Telemedizin mit wenigen Klicks aufrufen. Die  neun Fragen lassen sich in wenigen Minuten beantworten.  

Foto: Antonio Guillem / Antonioguillem - stock.adobe.com

Lennestadt/Kirchhundem.  Videosprechstunden mit dem Arzt sind keine Utopie mehr. Im Rahmen einer Forschungsstudie ist nun die Meinung der Bürger gefragt.

Bis vor wenigen Jahren war Telemedizin noch Zukunftsmusik, aber unter dem Druck des erwarteten Ärztemangels rücken die ersten Videosprechstunden als Zusatzangebot zum Arztbesuch immer näher. Vor allem in Lennestadt, denn hier führen das Forschungskolleg (FoKoS) und die Lebenswissenschaftliche Fakultät (LWF) der Universität Siegen zusammen mit der Stadt Lennestadt seit August die wissenschaftliche Studie „DigiDocs Lennestadt“ durch. Im Rahmen dieser Untersuchung sind ab Mittwoch, 11. November, bis zum 20. Dezember, alle Bürgerinnen und Bürger gefragt.

In einer breit angelegten Online-Bürgerbefragung wollen die Wissenschaftler wissen: Welche digitalen Anwendungen der Gesundheitsversorgung könnten Sie sich persönlich zusätzlich zum Hausarztbesuch vorstellen? Und: Welche Bedenken haben Sie bei der Nutzung von digitalen Anwendungen?, und so weiter.

Alle Altersklassen gefragt

Je mehr Bürger mitmachen, umso besser. Und zwar nicht nur akut Erkrankte, sondern auch gesunde Mitbürger aus allen Altersklassen, denn der erwartete Ärztemangel wird alle betreffen. Deshalb, so Jamie Lee Harder, Doktorandin an der Uni Siegen und Leiterin der Studie, „ist es sehr wichtig, dass wir ein breites Bild bekommen.“

Denn klar ist: „Telemedizinische Maßnahmen als Unterstützung der Ärzte werden unerlässlich werden“, so Harder. „Wir steuern auf einen Ärztemangel zu, in den nächsten zehn Jahren wird sich die Zahl der Fachärzte halbieren“, bekräftigt Olaf Gaus, Geschäftsführer des Forschungskollegs der Uni Siegen (Fo KoS), angesichts des Durchschnittsalter der niedergelassenen Ärzte von 55 Jahren, von denen viele nach und nach in den Ruhestand wechseln werden. Und ausreichend Nachwuchs ist nicht in Sicht.

Ein digitalisiertes Praxis- und Behandlungskonzept in Kombination von Telemedizin und Präsenzsprechstunde könnte gerade auch für junge MedizinerInnen interessant sein, da es bessere Arbeitsbedingungen, wie z. B. Arbeiten aus dem Homeoffice, ermöglicht.

Die heute startende Bürgerbefragung ist nur ein Teil der Studie, an der elf Praxen, acht aus Lennestadt und drei aus Kirchhundem, aktiv beteiligt sind. Anhand von vier Ärzteworkshops und Experteninterviews mit den niedergelassenen Hausärztinnen und Hausärzten soll ermittelt werden, wie die medizinisch-technische Durchführbarkeit sichergestellt werden kann. Harder: „Die Interviews mit den Ärzten sind schon so gut wie abgeschlossen.“ Wichtig sei nun die Meinung und das Mitwirken der Bürgerinnen und Bürger, um die medizinische Versorgung in der Region zukünftig bestmöglich gestalten zu können.

Die Bürgerumfrage enthält neun Fragen, welche innerhalb von fünf Minuten beantwortet sein sollten. Es wird unter anderem auch abgefragt, wie wichtig es ist, immer von der gleichen Hausärztin bzw. von dem gleichen Hausarzt behandelt zu werden.

Nur zur Unterstützung

Dass ein Computer demnächst den Arzt komplett ersetzen wird, diese Sorge ist unbegründet. Der telemedizinische Einsatz in der Gesundheitsversorgung soll lediglich als unterstützende Maßnahme für die Landärzte untersucht werden, die Präsenzsprechstunde soll bleiben.

Bürgermeister Tobias Puspas appelliert an alle Bürger, sich an der Befragung zu beteiligen. „Innovationen können nur wirken, wenn sie auch genutzt werden. Es ist schön, dass wir in Lennestadt hier eine Vorreiterrolle übernehmen.“ Paradox: Gerade die Corona-Pandemie könnte helfen, die Akzeptanz der Telemedizin zu erhöhen. In der Coronazeit müssen sich viele in Job oder Freizeit gezwungenermaßen mit Videokonferenzen etc. beschäftigen. Sie erkennen dabei, wie hilfreich diese Technik sein kann.

Die Umfrage kann aufgerufen werden über lennestadt.fokos.de.

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