Roboter

Lennestädter Betrieb: Roboter James entlastet Mitarbeiter

Christoph Kaiser programmiert den Roboterarm, der neben seinen menschlichen Kollegen ohne Sicherheitskäfig eingesetzt werden kann. 

Christoph Kaiser programmiert den Roboterarm, der neben seinen menschlichen Kollegen ohne Sicherheitskäfig eingesetzt werden kann. 

Foto: HENSEL

Altenhundem.   Gustav Hensel GmbH & Co. KG setzt ersten kollaborierenden Roboter für Verpackungsaufgaben ein. Wettbewerbsfähigkeit nur durch Automatisierung.

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Mitarbeiter wie James wünscht sich jeder Unternehmer. James trat im Juli 2017 seinen Job bei der Firma Hensel an und arbeitet seitdem im Zwei-Schicht-Betrieb. Seitdem hat er noch keinen einzigen Tag Urlaub genommen und auch „Gelbe Scheine“ sind ihm fremd. Gibt es denn sowas? Ja, denn James ist ein Roboter.

Moderne Fertigungsanlagen gehören schon lange zum Alltag bei Hensel, Hersteller von Elektroinstallations- und Verteilungslösungen. Kollaborierende Roboter (Cobots) wie James sind dagegen neu bei Hensel. Cobots heißen Roboter, die im Produktionsprozess nicht durch Schutzeinrichtungen von Menschen getrennt sind, wie James. Der Roboter wird zur Palettierung von verpackten Kabelabzweigkästen eingesetzt, steigert dadurch die Prozesseffizienz erheblich und entlastet gleichzeitig die Mitarbeiter von der Packerei.

Menschen können mehr

„Passion for Power“ – so lautet die Devise der Gustav Hensel GmbH und Co. KG. Entscheidend sei dabei, die Belegschaft speziell für hochwertige Tätigkeiten einzusetzen, weiß Christoph Kaiser, Leiter der Kunststofffertigung bei Hensel: „Wir haben den Anspruch sowohl marktführend zu sein, als auch größtenteils am heimischen Standort zu produzieren. Das geht nur, wenn wir automatisieren.“

Bei der Herstellung von Kabelabzweigkästen fielen täglich Unmengen an Mitarbeiterstunden für die Palettierung von Verpackungseinheiten an. Hier verbirgt sich Potenzial zur Optimierung, dachte sich Hensel und wurde kurze Zeit später bei einer Fachmesse auf die Firma Universal Robots aufmerksam, einem Spezialisten für kollaborierenden Roboter. „Unser Ziel war es dabei, nicht die Mitarbeiter zu ersetzen, sondern vermehrt Kapazitäten für höherwertige Tätigkeiten zu schaffen.“

Aufgrund seiner Traglast von 10 Kilogramm und seiner Reichweite von 1,3 Metern entschied sich der Betrieb für das größte Robotermodell von Universal Robots: den sogenannten UR10. Insgesamt dauerte die Integration des UR10 in die Arbeitsabläufe bei Hensel nur wenige Tage.

Bei Hensel arbeitet der Roboter nun im Zwei-Schicht-Betrieb als letzte Komponente in einer komplexen, vollautomatischen Anlage aus Montage- und Verpackungsmaschinen zur Herstellung von Kabelabzweigkästen.

Das Stapel-Genie

In jeder Acht-Stunden-Schicht palettiert er ausgestattet mit einem Sauggreifer circa 1200 Verpackungseinheiten. Dafür stellt die Anlage dem Roboterarm die verpackten Produkte zu jeweils zwei Kartons bereit. In einem ersten Schritt greift der UR10 die beiden Pakete und setzt sie in eine Umreifungsmaschine.

Nachdem er dort ein weiteres Paketpaar zur Bündelung in eine Vierereinheit abgestellt hat, umreift die Maschine diese. Im Anschluss stapelt der Roboterarm die Kartonbündel auf einer Euro-Palette ab.

„Knapp 10 Kilogramm hebt der UR10 bei diesem letzten Vorgang, womit wir seine Traglast voll ausnutzen“, erklärt Kaiser. „Der Mitarbeiter muss dann nur noch die volle Euro-Palette rausfahren, eine nächste für den UR-Roboter bereitstellen und weiter geht’s. Damit gelingt uns insgesamt eine perfekte Auslastung der Applikation.“

Entlastung der Belegschaft

Der Roboterarm lässt sich in weniger als drei Minuten mit nur wenigen Klicks für verschiedene Paketgrößen der Anlage umprogrammieren. So bewegt er je nach Bedarf vier unterschiedliche Kartongrößen.

Die Optimierung des Produktionsablaufs vom Spritzguss bis zur Palettierung ist nur die eine Seite der Medaille. Entscheidend ist auch die deutlich spürbare Entlastung der Belegschaft durch den UR10. Kaiser: „Etwa 2,5 Tonnen Paketmasse musste pro Schicht bewegt werden. Unsere Mitarbeiter sind wahnsinnig froh, dass ihnen der UR-Roboter fortan das belastende und monotone Stapeln abnimmt.“

Kurzerhand wurde der Roboterarm von seinen menschlichen Kollegen James getauft. „Wie der britische Butler, der stets zu unseren Diensten ist“, sagt Kaiser und lacht.

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