Entwicklungshilfe

Lennestädter Ehepaar baut neues Gesundheitszentrum in Indien

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Christa und Karl-Josef Simon in ihrer zweiten Heimat in Indien.

Christa und Karl-Josef Simon in ihrer zweiten Heimat in Indien.

Foto: Privat

Elspe.  Indienhilfe Simon unterstützt seit 27 Jahren die kastenlosen Menschen in Indien, aber die Spenden sind rückläufig.

Es gibt Momente, die das eigene Leben urplötzlich verändern. Als das Elsper Ehepaar Christa und Karl-Josef Simon vor mehr als 25 Jahren die indischen Schwestern vom Orden „Daughters of Mary“ trafen, die damals im Elsper Seniorenheim tätig waren, war dies so ein Moment. Aus erster Quelle erfuhren sie von den Problemen und fast unlösbaren Aufgaben, mit denen der Orden in Südindien zu kämpfen hat, um für die Ärmsten der Armen Sozialarbeit, Ausbildung und Erziehung, Gesundheitsvorsorge und Krankenbetreuung leisten zu können. „Es war uns ein Anliegen, hier zu helfen“, so die Simons. 1999, nach dem ersten Besuch vor Ort, gründeten sie die „Indienhilfe Simon“. Das, was die Elsper seitdem in dem fernen Land, zusammen mit vielen Spendern, möglich gemacht haben, ist unglaublich und unbezahlbar.

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Mittlerweile war das Paar schon 15 Mal in Indien, seit 2009 jährlich, und haben so viele unbeschreibliche Situationen erlebt, „dass man ein Buch darüber schreiben könnte“, sagen sie: „Wir befinden uns meistens dort, wo selbst Angehörige niedriger Kasten einen Bogen um die Bewohner machen – bei den Kastenlosen, den Dalits. Man weiß, dass die Menschen in Indien sehr arm sind, aber es gibt immer noch Menschen, die noch ärmer sind und die in verstreuten kleinsten Dörfern leben.“ Dort gibt es keine Infrastruktur, keine medizinische Versorgung, keine Schulen. „An solchen Stellen werden unsere Ordensschwestern eingesetzt. Von dort gehen sie über Land und suchen die Menschen auf. Sie stellen fest, was nötig ist.“

An dieser Stelle beginnt die Arbeit der Indienhilfe Simon, organisiert und gemanagt aus einem kleinen Büro in Elspe. Hier werden die Projekte bewertet und entschieden. In den vielen Jahren haben sie eine Spendengemeinschaft aufgebaut und eine gemeinnützige Stiftung gegründet (Indienhilfe Simon Stiftung). Mit dem Spendengeld aus dem Sauerland konnten bisher vier große Zentren geschaffen werden, von denen tausende Menschen profitieren. Zu einem Zentrum gehört immer ein kleines Krankenhaus oder zumindest eine Krankenstation und eine „Hall“, um Kinder und Frauen zu unterrichten. „In einem Zentrum haben wir ein großes Kinderheim errichtet, in einem anderen drei Rehabilitationshäuser, ein Ausbildungszentrum für junge Mädchen zur Krankenschwester und Hebamme und vieles mehr. Wenn ein Zentrum so weit ist, dass es autark ist, wird Schwester Eucharistia, unsere Planerin, mit der wir seit fast 20 Jahren zusammenarbeiten, versetzt und die Arbeit beginnt an anderer Stelle bei Null wieder von vorn“, erklärt Karl-Josef Simon, früher Prokurist in einem Metallunternehmen.

Jedes Jahr ist dabei von Sorgen geprägt, aber die Erfolge sprechen für sich. So ist der Bau einer weiteren „Hall“ für die Ausbildung junger Mädchen zur Hilfskrankenschwester dank einer großzügigen Spende fast vollendet. Anatomie-Labor und die IT-Ausstattung sind bereits funktionsfähig, so dass die ersten Kurse bereits stattfinden können. Darüber hinaus wurden in sieben Dörfern Ausbildungszentren geschaffen und Entwicklungsprogramme für Frauen gestartet und vieles mehr.

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Obwohl das Jahr noch nicht zuende ist, stehen die Pläne für das nächste Jahr schon fest: Für eine Mittelschule im „Urwald“ muss ein neuer Bus angeschafft werden. Ein kleines Gesundheitszentrum in Ravusapattty, wo Schwester Eucharistia zur Zeit eingesetzt ist, muss komplett erneuert werden und vergrößert werden. „Wir hoffen, dass unsere Spender uns auch weiterhin helfen zu helfen“, sagt das Elsper Ehepaar, mittlerweile 75 und 78 Jahre alt. Leider sei das Spendenaufkommen in diesem Jahr rückläufig. „Aber das geht sicher allen Hilfsorganisationen so“, sagt Christa Simon, die früher als Auslandskorrespondentin arbeitete. Daran, sich zur Ruhe zu setzen, denken beide noch nicht. „Wir sind immer wieder begeistert von der Herzlichkeit, der Freude und der Dankbarkeit der uns anvertrauten Menschen – wir fühlen uns für sie verantwortlich. Und deshalb geht es immer weiter.“

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