Operation

Lennestädter Flüchtling erhält nach Odyssee neuen Ellenbogen

Paul und Birgit Esken freuen sich mit Chefarzt Dr. Oliver Weber, dass die Operation an Michael Oyes Arm so gut verlaufen ist. Jetzt folgt die Reha in Bad Berleburg.  

Paul und Birgit Esken freuen sich mit Chefarzt Dr. Oliver Weber, dass die Operation an Michael Oyes Arm so gut verlaufen ist. Jetzt folgt die Reha in Bad Berleburg.  

Foto: Volker Eberts

Lennestadt.   Chefarzt Dr. Oliver Weber setzt Michael Oyes eine Ellbogenprothese ein. Dadurch wird sein versteifter Arm wieder beweglich.

Michael Oye weiß noch nicht so recht, ob er sich freuen soll. Zu groß sind noch die Schmerzen in seinem linken Arm. Aber seine Betreuer, Paul und Birgit Esken, freuen sich dafür umso mehr. Denn sie wissen, dass der 29-jährige Flüchtling nun eine Perspektive auf ein besseres Leben hat. Denn er wird seinen eingesteiften Arm wieder bewegen können.

Möglich gemacht hat das Privatdozent Dr. Oliver Weber, Chefarzt der Chirurgie im Altenhundemer St. Josefs-Hospital. Er setzte dem aus Nigeria stammenden Flüchtling in einer vierstündigen Operation ein neues Ellenbogengelenk ein, mit Erfolg. Weber: „Wenn er Glück hat, wird Michael seinen Arm in einiger Zeit wieder beugen und strecken können.“

Mutter stirbt in brennender Kirchen

Seit 9 Jahren kann Michael seine linke Hand nicht mehr benutzen. Seit dem Tag, als er einer nigerianischen Miliz in die Hände fiel. Sie wollten ihn als Soldat rekrutieren, aber Michael, der bekennender Christ ist, wollte sich an dem Morden in seinem Heimatland nicht beteiligen. Daraufhin zertrümmerte einer der Soldaten mit dem Gewehrkolben seinen linken Ellenbogen. „Das Gelenk war total zerstört“, so Dr. Weber.

Mehrere Jahre war Michael anschließend mit seiner Mutter auf der Flucht durch Nigeria. Im Norden des Landes, wo die berüchtigte Boko Haram-Terrorgruppe ihr Unwesen treibt, ereilte ihn die nächste, vielleicht größte Katastrophe seines Lebens. Als seine Mutter in einer Kirche betete, zündeten die Terroristen das Gotteshaus an, Michaels Mutter kam in den Flammen um.

Aufenthaltstatus in Deutschland

Er beschloss das Land zu verlassen und hatte Glück. Er überlebte 2017 den Exodus über das Mittelmeer nach Italien und kam schließlich in ein Flüchtlings-Auffanglager in Arnsberg. Seitdem kümmern sich Paul und Birgit Esken, ehrenamtliche Flüchtlingsbetreuer der Caritas Konferenz in der Heilig-Kreuz-Gemeinde Arnsberg um den Afrikaner – ein weiterer Glücksfall für den 29-Jährigen, der derzeit Aufenthaltstatus in Deutschland genießt.

Die beiden Arnsberger, früher selbst als Entwicklungshelfer aktiv, merkten schnell, welch große Schmerzen Michael Oye wegen seines steifen Arms hatte. Privatdozent Dr. Oliver Weber erklärt: „Wegen der Hebelwirkung des gestreckten Arms wurde der gesamte Schultergürtel stark belastet.“

Deshalb gab es nur zwei Alternativen für Michael, eine Prothese oder die Amputation des Unterarms. Durch Zufall, in einem Fernsehmagazin, wurde Familie Esken auf Dr. Weber, der dort als Spezialist für Ellenbogen-Chirurgie vorgestellt wurde, aufmerksam. Zuvor hatten mehrere Mediziner einen Eingriff an Michaels Arm abgelehnt. Birgit Esken: „Alle Ärzte, selbst eine Spezialklinik im Ruhrgebiet, haben uns abgewiesen, weil die Verletzung zu alt sei.“

Ellbogenprothese

Der Altenhundemer Chefarzt sah die Chance, den steifen Arm mit einer Ellenbogenprothese wieder beweglich zu machen. Die Formalitäten, insbesondere die Kostenübernahme, waren schnell erledigt. In der letzten Woche wurde Michael operiert. Zunächst wurde das zerstörte Knochenmaterial entfernt, dann die Knochen für den Einsatz der Prothese vorbereitet. Schließlich wurde das künstliche Gelenk aus V2A-Stahl eingesetzt und mit Zement fixiert. „Wegen der Fehlstellung war es nicht einfach. Die Gefäße zur Hand durften nicht verletzt werden“, so Dr. Weber.

Aber es hat geklappt. Mittlerweile kann Michael Oye seinen Arm schon wieder etwas beugen und strecken. Bald kann er seine linke Hand wieder zum Mund führen.

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