Handwerk lebt

Leonie Weischer ist Frisörmeisterin in vierter Generation

Leonie Weischer im  neugestylten Frisörsalon „4 N“  in Bilstein

Leonie Weischer im neugestylten Frisörsalon „4 N“  in Bilstein

Foto: Volker Eberts

Bilstein.   23-Jährige aus Bilstein ist stolz auf Weiterführung der Familientradition. Salon „4 N“ nach Neueröffnung im nostalgischen Industrielook.

„4 N“. Was könnte das bedeuten? „Unsere Stammkunden kommen erstaunlich schnell drauf“, sagt Leonie Weischer, frischgebackene Frisörmeisterin aus Bilstein. „4 N“ steht für vier Generationen „Frisörsalon Nüschen“ in Bilstein und im Grunde genommen auch dafür, dass inhabergeführte Handwerksunternehmen „auf dem Dorf“ eine Zukunft haben.

„4 N“ ist ab sofort der offizielle Name des Salons, der bisher offiziell „family hair“ hieß, im Sprachgebrauch von den Kunden immer nur „Nüschens“ gerufen wurde. Das weiß auch Leonie Weischer (23), auf diese Tradition ist sie stolz und man kann dies in ihrem komplett, neugestylten Salon auch optisch erkennen.

Seit 1926

Die ersten Haare in dem mehr als 200 Jahre alten Haus in der Freiheit schnitt Ur-Großvater Frisörmeister Josef Nüschen, der den Betrieb 1926 gründete. 1955 übernahm dessen Sohn Franz-Josef, 1996 dann Tochter Petra Nüschen, die ihrer Tochter Leonie auch weiterhin im Salon zur Seite stehen wird.

Ebenso wie am Montag im Haus der Handwerkskammer in Köln, wo Leonie ihren Meisterbrief in Empfang nehmen konnte. Die Liebe zum Frisörhandwerk war eine Liebe auf den zweiten Blick. Denn zunächst, nach dem Realschulabschluss an der Lessing-Realschule Grevenbrück, absolvierte sie bei ihrem Onkel in Kreuztal eine Ausbildung zur Werbetechnikerin.

Mit dem Gesellinnenbrief in der Tasche stieg sie ins mütterliche Frisörgeschäft ein, absolvierte dort ihre zweite Ausbildung, holte sich im vergangenen Jahr den letzten Schliff bei einem Großstadtfrisör in Düsseldorf. Im Januar ging es dann zur Meisterschule nach Köln, um sich in nur drei Monaten die nötigen Kenntnisse von Fachtheorie bis Salonmanagement anzueignen, sich selbst „fit“ für die Meisterprüfung und den Salon „fit“ für den nächsten Generationswechsel zu machen.

Frisör- und Familienmuseum

Zusammen mit dem Bilsteiner Malerbetrieb Gabi und Michael Gernhuber, die viele Ideen mitbrachten, hat sie in den letzten Wochen das Ladenlokal grundlegend umgestaltet. Die neue Inneneinrichtung mit nostalgischen Elementen hat nichts mehr mit einem funktional durchgestylten Salon zu tun, sondern das Interieur könnte auch aus einer historischen Handwerker-Werkstatt stammen: Tische und Konsolen aus Holz mit schwarzer Metallumrandung, Wand-Deko in Industriefenster-Optik, eine klassische Werkbank als Kassentisch im Eingangsfoyer, dazu eine kleine Theke mit Barhockern und so weiter. „Die klassischen Ladeneinrichtungen gefallen mir einfach nicht“, sagt Leonie Weischer. Der Salon solle auch eine Art Treffpunkt sein, wo sich die Leute wohlfühlen.

Viele persönliche Dekoteile

Der Clou aber sind die vielen Dekorations-Elemente, die Leonie Weischen und ihre Helferinnen und Helfer in dem Salon platzierten. Es sind Dinge aus 93 Jahren Salongeschichte in der Bilsteiner Freiheit: alte Onduliereisen, die früher mit einem Spiritusöfchen aufgeheizt wurden, Scheren, Rasiermaschinen, Trockenhauben, Lampen, Spiegel von anno dazu mal, aber auch etliche persönliche Dinge, Fotos, Zeugnisse und mehr von den Großeltern Franz-Josef und Renate Nüschen, die beide erst vor Kurzem verstorben sind.

So ist der Salon heute auch ein kleines Frisör- und Familienmuseum. Man benötigt Zeit, um die gesamten Details mit dem Auge zu erfassen. Dass die Großeltern in dem Salon präsent sind, war Leonie Weischer ganz wichtig: „Es ist schade, dass Opa und Oma das hier nicht mehr erleben können.“

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