Leukämie

Leukämie: Registrierungsaktion für junge Frau aus Attendorn

Daumen hoch, denn "Ramona will leben": Ihre Mitschüler, Lehrer, ihre Mama Nicole (2. von rechts), ihr Verlobter Benjamin Ritter (drunter stehend), Bürgermeister Christian Pospischil und viele andere stehen Ramona in dieser so schwierigen Zeit zur Seite.

Daumen hoch, denn "Ramona will leben": Ihre Mitschüler, Lehrer, ihre Mama Nicole (2. von rechts), ihr Verlobter Benjamin Ritter (drunter stehend), Bürgermeister Christian Pospischil und viele andere stehen Ramona in dieser so schwierigen Zeit zur Seite.

Foto: Flemming Krause

Attendorn.   Ramona Friesen (16) hat Blutkrebs. Möglicherweise besteht ihre einzige Überlebenchance darin, einen Stammzellenspender zu finden:

Ramona Friesen (16) will so gerne dabei sein. Doch es geht nicht, die Ärzte lassen sie nicht gehen. Zu schwach ist die junge Attendornerin, die seit einigen Wochen nahezu ununterbrochen in einer Dortmunder Kinderklinik liegt.

Mit einer unglaublich tragischen und so niederschmetternden Diagnose: Die 16-Jährige hat Leukämie. Ihre einzige Überlebenschance ist im schlimmsten Fall ein Stammzellenspender.

Also sitzen ihre Mama Nicole (39) und ihr Freund und Verlobter Benjamin Ritter am Donnerstagnachmittag ohne ihre so geliebte Ramona in einem Klassenraum der Hanseschule. Ramonas Mitschüler, Lehrer, die Schulleitung: Sie haben sich alle die Zeit genommen, um gemeinsam mit der DKMS auf eine große Registrierungsaktion unter dem Motto „Ramona will leben“ am Dienstag, 4. Juni, in der Mensa der Hanseschule aufmerksam zu machen. Und um die Werbetrommel zu rühren.

Der Aufruf

„Wir hoffen auf eine sehr große Beteiligung“, appelliert Bettina Steinbauer, Aktionsleitung der DKMS, einer gemeinnützigen Organisation, die sich laut eigener Aussage zur Aufgabe gemacht hat, für jeden Blutkrebspatienten einen passenden Spender zu finden oder den Zugang zu Therapien zu ermöglichen. Und zwar überall auf der Welt.

Wer also noch nicht registriert und zwischen 17 und 55 Jahre alt ist, wird aufgerufen, am 4. Juni zu helfen. Ramona zu helfen, aber eben auch allen anderen, denen das gleiche Schicksal ereilt ist. Aus dem Krankenhaus heraus sendet die so tapfere junge Frau nämlich folgende Botschaft: „Viele Patienten warten dringend auf einen Spender. Das erlebe ich im Krankenhaus täglich. Kommen Sie zu der Aktion. Es dauert nur fünf Minuten und sie schenken damit mir und allen betroffenen Patienten und Familien das Wertvollste, was es gibt. Die Hoffnung auf ein zweites Leben.“

Die ersten Symptome

Dass sie heute im Krankenhaus liegt und um ihr Leben fürchtet, hätte sich Ramona Anfang dieses Jahres wohl in ihren schlimmsten Träumen nicht vorstellen können. Anfang Februar verspürt sie plötzlich Erkältungssymptome, doch nichts deutet auf eine so grausame Krankheit hin. Nicole Friesen berichtet: „Es ging los mit Erschöpfung, sie hatte keine Kraft mehr und war blass im Gesicht.“ Also fährt die Familie zum Arzt, der ein Blutbild macht. Es folgt der große Schock: Ramona hat Leukämie und wird sofort von ihrem Arzt ins Krankenhaus geschickt. Zunächst nach Lüdenscheid. Erst dort erfährt sie von ihrem Schicksal. Wegen ihres Alters wird sie nach Dortmund in die Kinderklinik weitergeleitet. Den Tag der Diagnose, den wird ihre Mutter nie mehr vergessen: Es ist der 21. März.

Die Wochen der Qual

Die Wochen danach, sie werden zum Alptraum. Für Ramona und ihre Familie. Nur zwei Tage später, am 23. März, beginnt eine erste Chemo. Sie dauert acht Tage. Der jungen Frau geht es schlecht, sie kann zwischenzeitlich nichts essen, zwischenzeitlich nichts sehen. Sie muss die ganze Zeit im Bett liegen, verliert innerhalb von zwei Wochen acht Kilogramm. „Ramona hat alle Nebenwirkungen einstecken müssen, die man sich vorstellen kann“, erzählt ihre Mutter, den Tränen so nahe. „Und trotzdem hat sie ihr Lächeln nicht verloren. Sie ist so stark. Viel stärker als ich.“ Ramona, das wird mehr als deutlich, ist ein lebensfroher Mensch, die Tiere und die Natur liebt, genauso wie den Tanzsport und das Schwimmbad.

Ortswechsel. Neben Nicole Friesen sitzt Ramonas Verlobter, der erst 18-jährige Benjamin Ritter, der seit rund drei Jahren an der Seite Ramonas steht. Zu akzeptieren, dass seine Freundin an Leukämie erkrankt ist, fällt dem jungen Mann, der einen Bundesfreiwilligendienst in der Altenpflege macht, anfangs extrem schwer. Doch er kämpft. Für seine große Liebe. „Wir beide hatten drei wunderbare Jahre. Was jetzt kommt, ist nicht einfach. Aber mit guten Ärzten, vielleicht einem passenden Spender und unserer Liebe werden wir den Blutkrebs besiegen.“ Worte eines jungen, traurigen Mannes, der so stark an diesem Donnerstagnachmittag daherkommt. Und der jede freie Minute nutzt, um die Hand seiner Ramona zu halten. „Den Alltag zu bewältigen ist nicht einfach“, offenbart Benjamin Ritter und ergänzt: „Zeit für Freude oder Hobbys habe ich momentan nicht.“ Ramonas Mama geht’s genauso, ihre Arbeit lässt sie derzeit ruhen, verbringt den Großteil des Tages in Dortmund, schläft auch neben ihrer Tochter, die nur eines will: leben.

Die Zukunftspläne

Ramona plant eine Ausbildung als Kinderkrankenschwester, vielleicht auch als Altenpflegerin. Sie möchte mit ihrem Benjamin eine Familie gründen, Kinder bekommen. Sie möchte nach Paris, an einem schönen Strand mit ihrem Schatz in den Himmel gucken und endlich einen Hund an ihrer Seite haben.

Doch vorher will sie vor allem eines: Wieder gesund werden. Deswegen ihr Appell: Jeder, der am 4. Juni etwas Zeit hat, soll in die Hanseschule kommen und sich registrieren lassen. So wie Bürgermeister Christian Pospischil, der sein Kommen bereits angekündigt hat und sich überdies als Schirmherr dieser Aktion bereitstellt. Er sagt: „Ich finde das Engagement der Familie, der Mitschüler und der Schule bemerkenswert. Wenn ich einen kleinen Teil beitragen kann, dann tue ich das natürlich sehr gerne.“ Worte, die Ramona sicherlich gerne hört. Eine junge Frau, die so gerne am Donnerstagnachmittag persönlich dabei gewesen wäre in ihrer Schule.

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