Gesprächsrunde

Männergruppe im Kreis Olpe: Auch Männer wollen reden

Detlef Springob sitzt auf der Couch im Seminarhaus Treff in Mecklinghausen. Dort trifft er sich mit den Teilnehmern der Männergruppe.

Detlef Springob sitzt auf der Couch im Seminarhaus Treff in Mecklinghausen. Dort trifft er sich mit den Teilnehmern der Männergruppe.

Foto: Verena Hallermann / WP

Mecklinghausen.  Männer tuns ich häufig schwer, über Probleme zu reden. Doch das muss nicht sein. In Mecklinghausen trifft sich regelmäßig eine Männergruppe.

Es ist nicht immer leicht, über Probleme zu reden. Dem einen fällt es leichter als dem anderen. Aber vor allem Männer tun sich häufig schwer. Der Stress auf der Arbeit, der eigene Erwartungsdruck, die Familie – viele bleiben mit ihren Sorgen allein. Doch das muss nicht so sein, sagt Detlef Springob. Seit Jahren leitet er im Treff Seminarhaus in Mecklinghausen eine Männergruppe, die sich zum regelmäßigen Gesprächsaustausch trifft. „Bei uns ist jeder Mann willkommen“, sagt er. „Und wir freuen uns über jeden, der sich uns anschließen möchte.“

Detlef Springob ist 67 Jahre alt, lebt in Mecklinghausen und ist der Senior-Chef von Springob-Bürotechnik. Sein Sohn Thomas (43) hat mittlerweile die Geschäfte übernommen, sein anderer Sohn Martin (36) hat einen Reitstall in Soest. Zusammen mit seiner Frau Marita führt er das Treff Seminarhaus – und das nun schon seit zehn Jahren. Auch die Männergruppe Sauerland gibt es bereits so lange. „Wir sind mit den Jahren gewachsen“, freut sich Detlef Springob. „Wir sehen uns als offenen Gesprächskreis, wo jeder seine Themen einbringen kann.“

Vom Automechaniker bis zum Chirurgen, vom 40-Jährigen bis zum 70-Jährigen – im Treff Seminarhaus hat sich mittlerweile eine bunte Gruppe etabliert. Rund zehn Männer kommen regelmäßig. Einige von ihnen sind schon seit Jahren dabei, andere haben sich erst kürzlich angeschlossen. Doch worum geht es eigentlich? Was sind das für Themen, die die Männer unter sich besprechen? Das kann ganz unterschiedlich sein, erklärt der Büromaschinenmechanikermeister, Betriebswirt, psychologischer Berater, Meditations- und Achtsamkeitscoach sowie Gesundheitsberater. Viele haben Schwierigkeiten auf der Arbeit zu bewältigen. Andere stehen vor Problemen oder Wünschen in der Familie. Manche fragen sich einfach, wo sie gerade im Leben stehen – und wo sie überhaupt hinwollen. Im gemeinsamen Gesprächen gehen die Teilnehmer den Fragen auf dem Grund, geben sich gegenseitig Tipps, profitieren von den Erfahrungen der anderen. Ein wichtiger Bestandteil der knapp dreistündigen Gesprächsabende ist die Meditation, wo die Männer abschalten und zu sich finden können. „Wir freuen uns jede Mal, wenn wir sehen, welche Fortschritte unsere Teilnehmer machen“, sagt Detlef Springob. „Die Männer werden lockerer, entspannter, selbstbewusster, können besser auf andere zugehen und befreien sich von der eigenen Erwartungshaltung.“

Die neue Männlichkeit

Im Jahr 2008 hat Detlef Springob ein Buch geschrieben. Es trägt den Titel „Die neue Männlichkeit“. Er hat damals gemerkt, dass „die Männer nicht aus dem Quark kommen“. Anders als viele Frauen, fällt es ihnen schwerer sich zu öffnen. Und auch Anforderungen haben sich gewandelt. Begriffe wie „Softie“ oder „Alpha-Tier“ sind schon längst nicht unangebracht mit Blick auf Männer, sagt er. „Wir müssen eben nicht mehr mit Säbelzahntiger kämpfen“, sagt er. „Und auch die reinen Arbeitstiere sind nicht mehr gefragt. Männer verdienen heute durch Annäherung, Akzeptanz, Leidenschaft und Empathie.“ Und dennoch müssen viele – Männer wie auch Frauen – heute einfach immer funktionieren. Bereit sein, wenn der Chef anruft. Bereit sein für das Familienleben. Eine Dauer-Präsenz, die schnell zum Burn-out führen kann. „Das ist ein wichtiges Thema“, sagt Springob. „Burn-out entsteht durch selbst gemachten Druck. Und da arbeiten wir dran, dies meditativ abzufangen.“

Jeder ist willkommen, unterstreicht Detlef Springob. Jeder darf den Raum im Treff Seminarhaus nutzen, um frei reden zu können. Fern von gesellschaftlichen Druck. Fern vom Alltag.

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