Einzelhändler

Martin Spreemann aus Finnentrop denkt nicht ans Aufhören

In seinem Geschäft an der Bamenohler Straße fühlt sich Martin Spreemann am wohlsten. Gedanken ans Aufhören hegt der Finnentroper noch lange nicht.

In seinem Geschäft an der Bamenohler Straße fühlt sich Martin Spreemann am wohlsten. Gedanken ans Aufhören hegt der Finnentroper noch lange nicht.

Foto: Flemming Krause

Finnentrop.   Er betreibt ein Radio- und Fernsehgeschäft an der Bamenohler Straße. Trotz aller Probleme macht er weiter. Für seine Kunden und sich selbst...

Martin Spreemann muss einen Augenblick überlegen. Die Frage, wie viele Einzelhändler es in Finnentrop noch geben würde, kann er aus dem Stegreif gar nicht beantworten. Nach ein paar Sekunden sagt der Inhaber von Martin Spreemann Fernsehtechnik an der Bamenohler Straße: „Außer der Bäckerei Lennemann und Optik Beckmann fällt mir nichts ein.“ Ein paar mehr sind es doch noch. Aufklärung liefert das Gewerbeamt: Demnach gibt es noch gut ein Dutzend Einzelhändler mit eigenem Geschäft. Am grundsätzlichen Problem ändert dies aber nichts. Martin Spreemann ist mit seinem TV- und Radiogeschäft einer der letzten, der die Stellung hält. Gründe für diese Entwicklung gibt es einige, erzählt der gelernte Radio- und Fernsehtechnikermeister, der den Laden in zweiter Generation führt.

1. Der Publikumsverkehr sei schlicht und ergreifend nicht mehr da. „Fast alle Leute aus meinem Jahrgang sind mit den Jahren weggezogen“, berichtet Spreemann. Somit verlor er treue Stammkunden, zu denen er auch eine sehr persönliche Beziehung pflegte.

2. Der große Gegenspieler ist das Internet. Spreemanns Dilemma: „Einzelne Geräte, die ich über meinen Großhändler beziehe, sind im Einkauf für mich schon teurer, als wenn es sich die Leute im Internet bestellen.“ Darüber hinaus gebe es nur sehr wenige Geräte, die man im Netz nicht käuflich erwerben könnte. „Eine sehr frustrierende Entwicklung“, sagt der Finnentroper. Dabei gehe er auf seine Kunden mit einem Angebot zu, das sie im Internet nicht nutzen können: „Grundsätzlich sind alle Serviceleistungen bei einem Neugerät bei mir kostenlos“, erklärt er.

3. Der Standort ist eigentlich nicht der schlechteste. Denn der Bahnhof liegt nur wenige Meter entfernt. Dennoch sei sein Geschäft, gerade bei den ausländischen Mitbürgern, nur wenig bekannt. „Mein Glück ist, dass es hier noch Ärzte und Apotheken gibt. Meine älteren Kunden holen sich erst ihr Blutdruck-Messgerät in der Apotheke und kommen dann zu mir, um eine leere Batterie zu wechseln.“ Früher, erinnert sich Spreemann, habe es an der Bamenohler Straße viel mehr Kneipen gegeben. Davon habe auch sein Geschäft profitiert.

Rathaus ins Dorf

4. Von Seiten der Gemeinde hätte er sich mehr Unterstützung erhofft. Der Aldi sei schnell gebaut gewesen, dafür hätte man aber die kleinen Einzelhändler vergessen. Sein größter Kritikpunkt: „Das Rathaus hätte damals runter ins Dorf gebaut werden müssen.“ Somit hätte sich das Leben viel mehr auch um seinen Betrieb herum abgespielt. Die Alternative, selbst mit seinem Laden hoch ins Dorf zu ziehen, lehnte er damals dankend ab.

Trotz dieser Probleme denkt Spreemann nicht ans Aufhören. „Ich lasse meine Kunden nicht hängen und bleibe so lang, wie es geht. Außerdem kann ich mich nicht nur auf die Couch setzen, ich brauche etwas um die Hand.“ Zumal ein Nachfolger noch nicht in Sicht ist.

Veränderung des Angebots

Durchaus kritisch bewertet auch Dirk Atteln, Vorsitzender des Gewerbevereins der Gemeinde, die Situation. „Über die Jahrzehnte hinweg hat eine Veränderung des Angebotes stattgefunden. Vom Herren-Ausstatter über das Sportgeschäft oder das Fotogeschäft sind viele Angebote weggefallen.“ Die Gründe hierfür seien im veränderten Kaufverhalten der Kunden zu suchen. „Nähe, Service und schnelle Verfügbarkeit vor Ort kosten Geld. Geld für die Miete der Geschäftsräume, die Ausstattung der Räume und nicht zuletzt auch die Personalkosten“, betont er und ergänzt: „Der Händler vor Ort ist nicht mehr in der Lage mit den Amazons preislich mitzuhalten.“

Hier gelte es aber anzusetzen. Service und Dienstleistung müssen wieder Wertschätzung erfahren, Nähe und das sofort verfügbare Angebot vor Ort, ohne auf den Paketboten warten zu müssen, das muss wieder hipp werden. Dabei muss sich aber auch der Einzelhändler vor Ort modern aufstellen. „In der Regel kann der Händler viele Dinge über sein aktuelles Warenangebot hinaus kurzfristig bestellen und damit die Kundenbedürfnisse erfüllen“, betont Atteln. Das weiß auch Spreemann. Doch in der Realität sei dies nicht so einfach umzusetzen.

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