Interview

Martin Tillmann aus Bilstein genießt Amt als Schützenoberst

Bundesoberst Martin Tillmann (links) kurz nach seiner Wahl vor drei Jahren mit dem Ehrenvorstand seines Heimatvereins aus Bilstein, Peter Allebrodt. Heute stellt Tillmann sich zur Wiederwahl.

Foto: Privat

Bundesoberst Martin Tillmann (links) kurz nach seiner Wahl vor drei Jahren mit dem Ehrenvorstand seines Heimatvereins aus Bilstein, Peter Allebrodt. Heute stellt Tillmann sich zur Wiederwahl. Foto: Privat

Kreis Olpe.   Bundesoberst Martin Tillmann aus Bilstein stellt sich am Samstag in Attendorn zur Wiederwahl. Mit uns sprach er über die vergangenen Jahre.

Seit drei Jahren ist Martin Tillmann (55) aus Bilstein Bundesoberst des Sauerländer Schützenbundes (SSB) und damit „Chef“ von rund 147 000 Schützenbrüdern und -schwestern in Südwestfalen. Am heutigen Samstag stellt er sich in der Bundesdelegiertenversammlung in der Attendorner Stadthalle, ausgerichtet vom Schützenverein St. Margareta Ennest, zum ersten Mal zur Wiederwahl. Im Gespräch mit unserer Zeitung blickt der Bundesoberst und Ehrenoberst des Kreisschützenbundes Olpe auf die letzten drei Jahre im Amt zurück und wagt einen Blick in die Zukunft des Schützenwesens.


Herr Tillmann, drei Jahre Bundesoberst des SSB. Macht der Job noch Spaß oder haben Sie die Kandidatur 2015 schon öfter mal bereut?
Martin Tillmann: Ehrlich gesagt, der Job macht mir nach wie vor Spaß, ist sicherlich auch anstrengend, aber man wird entschädigt durch zahlreiche Begegnungen mit verschiedenen Menschen. Allein ist man gar nichts. Ich verstehe mich als Teil eines geschäftsführenden- und Gesamtbundesvorstandes, mit dem die Zusammenarbeit gut funktioniert.


Was hat Sie in den letzten drei Jahren besonders gefreut und geärgert?
Um mit dem Positiven anzufangen: Besonders gefreut habe ich mich über ein fantastisches Bundesschützenfest, das wir im vorletzten Jahr in Bad Westernkotten gefeiert haben. Negativ in Erinnerung bleibt mir dagegen die erstmalige Absage eines geplanten Bundesschützenfestes sowie die aus meiner Sicht überflüssige Diskussion über die Gemeinnützigkeit von Schützenvereinen. Das geplante Bundesschützenfest in Velmede-Bestwig wurde unter anderem wegen der hohen Auflagen gecancelt. Nach jedem Zwischenfall, wo auch immer in Deutschland, werden die Sicherheitsauflagen für Publikumsveranstaltungen erhöht. Aber Kirchhundem ist ja Gott sei Dank nicht Köln, München oder Münster. Finden Sie die Bestimmungen vor diesem Hintergrund nicht überzogen?
Gewisse Sicherheitsanforderungen sind unvermeidlich. Die Sicherheitslage hat sich in den vergangenen Jahren sicherlich entscheidend verändert. Dem müssen auch wir Rechnung tragen. Aber wir müssen klar differenzieren. Ein ehrenamtlich organisiertes und durchgeführtes Bundesschützenfest oder auch ein Kreisschützenfest ist keine professionelle Rock-Veranstaltung am Nürburgring oder in Wacken. Scheren wir alles über einen Kamm, sind ehrenamtlich organisierte Veranstaltungen wie unser Bundesschützenfest finanziell nicht mehr schulterbar.


Sie haben nach Ihrer Wahl vor drei Jahren gesagt, sie wollten den Draht zur Jugend ausbauen. Ist das gelungen, oder wird es immer schwerer, in der multimedialen Welt an die Jugend heranzukommen?
Ich denke, dass wir auch im Schützenwesen durchaus auf der Höhe der Zeit sind. Bei dem Besuch so mancher Schützenfeste fällt auf, dass viele Königspaare und deren Hofstaat recht jung sind. Viele Vereine haben beachtliche Jungschützenabteilungen, was zeigt, dass das Image des Schützenwesens so manchen Unkenrufen zum Trotz nicht angestaubt ist; das Schützenwesen erfreut sich auch unter den jungen Menschen im Sauerland nach wie vor großer Beliebtheit. Sind junge Menschen beruflich häufig auch in alle Welt zerstreut, so ist das Schützenfest nach wie vor ein Publikumsmagnet, der zu den eigenen Wurzeln zurückführt.


Das heißt für Sie, dass Traditionsbewusstsein und Heimatgefühl, für die das Schützenwesen steht, in einer immer globalisierteren und digitalisierteren Welt noch zeitgemäß sind?
Ich halte das nicht für einen Widerspruch. Gerade wegen der Anonymität und Undurchschaubarkeit unseres digitalen Zeitalters sehnen sich auch gerade junge Menschen nach einem Rückzugsort, nach Heimat, was jedoch nicht örtlich zu verstehen ist.


Was sind die größten Herausforderungen in der nächsten Wahlperiode?
Wir haben nach der Absage des Bundesschützenfestes 2019 mit den Schützen aus Medebach einen Verein gefunden, der das Bundesschützenfest nunmehr ausrichten will. Eine große Herausforderung sowohl für den Ausrichter als auch für den gesamten SSB. Weiterhin versuchen wir mit den Sorgen und Nöten der Schützen in Zusammenarbeit mit den anderen Schützenverbänden auf die Politik einzuwirken, denn die große Schützenfamilie hat mehr Bedeutung als manche glauben.


Eine Sorge der Schützen ist sicher die Tatsache, dass Vorstandsbewerber nicht mehr Schlange stehen und es immer schwerer wird, ehrenamtliche Funktionäre in den Vereinen zu finden. Was kann man gegen diesen Trend unternehmen?
Die Anforderungen des beruflichen Alltags mit ehrenamtlicher Tätigkeit in Einklang zu bringen, ist zweifellos schwieriger geworden. Ein Modell der Zukunft, das bereits praktiziert wird, könnte sein, den Vereinsvorsitz durch ein Vorstandsgremium ausüben zu lassen, um so die Belastung auf mehrere Schultern zu verteilen. Auch unter der Vogelstange herrscht manchmal Flaute, aber ohne König kein gelungenes Fest. Wie kann man den Schuss auf den Vogel wieder attraktiver machen?
Ein Patentrezept habe ich leider auch nicht! Man sollte die (finanziellen) Anforderungen an einen Schützenkönig nicht überspannen, damit ein einjähriges Königsdasein jedem möglich ist. Hilfreich kann auch die Gründung einer „Königskasse“ sein.


Kasse ist ein gutes Stichwort. Viele kleinere Vereine klagen auch über finanzielle Probleme. Besonders die Unterhaltung von vereinseigenen Hallen wird zum Kapitalfresser. Was können die Schützenvereine tun, um auch in Zukunft überleben zu können?
Die Nutzung einer Schützenhalle kann sich sicherlich nicht auf das Schützenfest beschränken. Unsere Schützenhalle sind Einrichtungen, die der gesamten Dorfbevölkerung zu Gute kommen. Daher sollten Schützenhallen auch für Karnevalsveranstaltungen, Konzerte, Trödelmärkte, Zeltlager oder ähnliches genutzt werden.


Was bei uns im Kreis Olpe auch passiert. Hallen auf dem Dorf ersetzen manchmal sogar die Dorfkneipe, etc. Sollte die öffentliche Hand die Unterhaltung der Schützenhallen mehr fördern?
Unbedingt! Wenn wir einer Landflucht entgegen wirken wollen, brauchen wir Räume, die den Dorfbewohnern als soziale Treffpunkt dienen.


Können Sie sich vorstellen, dass irgendwann mal eine Frau Bundesoberst wird?
Das Schützenwesen ist offen für beide Geschlechter. Einige befreundete Schützenverbände haben auch Frauen in ihren Vorstandsreihen. So ist es nicht ausgeschlossen, dass eine Frau an der Spitze eines Schützenverbandes steht.

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