London-Taiwan

Maximilian Halbe: Marathonflug für todkranke Patientin

Der Drolshagener Maximilian Halbe (Mitte) ist Kardiotechniker am Züricher Uni-Kliniikum und war bei einem Patienten-Transport von London nach Taiwan für die Herz-Lungen-Maschine verantwortlich.  

Der Drolshagener Maximilian Halbe (Mitte) ist Kardiotechniker am Züricher Uni-Kliniikum und war bei einem Patienten-Transport von London nach Taiwan für die Herz-Lungen-Maschine verantwortlich.  

Foto: Privat

Drolshagen/Zürich.   Der Drolshagener überwachte während eines Flugs von London nach Taiwan die Herz-Lungen-Maschine für eine schwerstkranke Frau.

Maximilian Halbe ist das, was man mit Fug und Recht einen Drolshagener Jungen nennen darf: „Ich bin da geboren, aufgewachsen und eng mit dem Fußballverein verbunden, wo ich lange gespielt habe.“ Doch schon früh machte dem heute 33-Jährigen die Gesundheit, genauer gesagt die Bandscheiben, einen Strich durch die Rechnung. Für Halbe aber kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken. Für ihn eher ein Zeichen, sein Leben in eine andere Richtung zu lenken: „Ich hab’ bis dahin nur Fußball und Party im Kopf gehabt. Aber als ich mit 18 im Krankenhaus lag, wo sie mir die Lendenwirbelsäule versteifen mussten, war es an der Zeit, ‘was zu ändern.“

Halbe änderte eine ganze Menge: Er wurde Kardio-Techniker und ist seit einigen Jahren an der Uni-Klinik in Zürich beschäftigt.

Und genau in dieser Funktion schaffte er jetzt gemeinsam mit einem vierköpfigen Pilotenteam und zwei Ärzten eine rekordverdächtige Leistung: Über 14 Stunden betreute Halbe im Flugzeug der Schweizer Rettungsflugwacht Rega eine todkranke Patientin, die nur deshalb überleben konnte, da sie an eine Herz-Lungen-Maschine angeschlossen war. Mensch und Maschine, den Tod sozusagen auf dem Rücksitz – endlose 12.712 Kilometer weit – von London nach Taiwan: „Die Ärzte haben meistens geschlafen, ich musste wach bleiben.“ Wach – und vor allem wachsam.

Patientin ist dreifache Mutter

„Das war risikoreich. Normalerweise arbeiten diese Maschinen in gut überwachten herzchirurgischen Intensivstationen. Ohne die Maschine wäre die Patientin innerhalb weniger Minuten tot gewesen.“

Eine Verantwortung, die der Drolshagener nicht mal so eben schultern kann. Bei der Patientin handelt es sich um eine dreifache Mutter, gerade einmal 52 Jahre alt. In England kann sie aus formalen Gründen nicht operiert werden, die dringend gebotene Lungen-Transplantation muss in ihrer Heimat geschehen.

Aber wie kommt der eingeschworene Sauerländer („Mein Herz schlägt immer noch für das Sauerland“) ausgerechnet in ein Schweizer Klinikum?

„Durch die Bandscheibengeschichte habe ich einen engen Bezug zur Medizin bekommen. Ich habe dann das Abitur nachgeholt, Medizintechnik studiert und mich im Studiengang „Cardiovascular Perfusion“ spezialisiert“, klärt Halbe über seinen Werdegang auf. Es folgte eine fünfjährige Beschäftigung an der Bonner Uni-Klinik und schließlich der Ruf aus Zürich: „Dort kann ich mit dem wohl besten Herzchirurgen der Welt, Francesco Maisano, zusammenarbeiten. Eine tolle Sache, sehr innovativ.“ Dafür nimmt er gerne in Kauf, dass er in Zürich in der teuersten Stadt der Welt wohnt. Weit weg von der Heimat Drolshagen.

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