Prozess

Mit Medikamenten auf freiem Fuß

Am Landgericht Siegen fand der Prozess gegen den 32-Jährigen aus Olpe statt.

Foto: Hendrik Schulz

Am Landgericht Siegen fand der Prozess gegen den 32-Jährigen aus Olpe statt. Foto: Hendrik Schulz

Olpe/Siegen.   Der wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagte Olper ist schuldunfähig. Das Gericht ordnete eine Unterbringung an, aber zur Bewährung.

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Ein Aufenthalt hinter Gittern bleibt dem 32-Jährigen erspart. Die 1. Große Strafkammer des Siegener Landgerichtes hat für den wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagten Olper zwar die Unterbringung in der ­Psychiatrie angeordnet, diese aber zur Bewährung ausgesetzt. „Das wird weitere Taten verhindern. Wir können es wagen“, sagte die Vorsitzende Richterin, Elfriede Dreisbach. Für die brutale Tat am 3. November 2017 sei der Angeklagte schuldunfähig. Er hatte damals einen Olper (57) in Olpe derart zusammengeschlagen und getreten, dass dieser in Lebensgefahr schwebte. Das Opfer war der Vater einer jungen Frau, in die sich der Angeklagte verliebt hatte.

Zum Prozessauftakt war noch damit gerechnet worden, dass der Weg des 32-Jährigen im Fall der Schuldfähigkeit ins Gefängnis oder andernfalls in die geschlossene Psychiatrie führen würde. Für die Wende hatte Psychiater Dr. Thomas Schlömer gesorgt. Der unter einer schizophrenen Psychose leidende Angeklagte sei schuldunfähig, müsse aber nicht in der Psychiatrie untergebracht werden. Es sei möglich, dies durch Medikamente in den Griff zu bekommen. „Bei ihm wiederholt sich immer dieselbe Geschichte. Er verliebt sich in eine junge Frau und wird dann aggressiv, weil die Liebe nicht erwidert wird.“ Und: „Wird er entlassen und nimmt keine Medikamente, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass es zu erneuten Taten kommt. Nimmt er die Medikamente, wird das nicht der Fall sein.“ Falls der Angeklagte auf freien Fuß komme, könne er durch eine monatliche Blutkontrolle nachweisen, dass er die Medikamente einnehme, so Dr. Schlömer. Diese Kontrolle sei sicher, da die hoch dosierten Neuroleptika in Form einer Depotmedikation für drei Monate verabreicht würden.

Kein Kontakt zu den Opfern

Das Gericht schloss sich dem Sachverständigen an. Der Angeklagte sei krankheitseinsichtig, wolle sich einer Therapie unterziehen, habe jetzt einen Betreuer und verhalte sich besonnen in der Psychiatrischen Klinik in Dortmund, in der er seit sieben Monaten untergebracht sei. Auflage sei, dass er die Medikamente sein Leben lang einnehme und solange in der Klinik in Dortmund bleibe, bis er einen Platz für ambulantes betreutes Wohnen erhalte. Zu den Opfern dürfe er keinerlei Kontakt mehr aufnehmen. „Zur Tatzeit war er schon seit längerem psychisch krank, und es hat Übergriffe auf verschiedene junge Frauen gegeben. Sie haben immer noch Angst. Er hat einen Liebeswahn entwickelt, Grenzen überschritten“, so Richterin Dreisbach.

Auch Staatsanwalt Moritz Fassbender hatte für eine Unterbringung, die zur Bewährung ausgesetzt wird, plädiert. Der Gutachter habe gesagt, dass der Angeklagte mit konsequenter medikamentöser Behandlung nicht mehr gefährlich sei. „Sein Wohn- und Aufenthaltsort muss aber weit weg sein vom Kreis Olpe, wo seine Opfer wohnen“, betonte Fassbender.

„Damals fehlte die Behandlung. Er hat zunehmend erkannt, dass er krank ist. Er ist jetzt eingestellt und absolut bereit, jede Behandlung mitzumachen“, sagte Verteidiger Georg Goebel.

Gesicht total zertrümmert

Nebenklage-Vertreter Ralf Bartmeier war hingegen gegen eine Aussetzung der Unterbringung zur Bewährung. Es bestehe die Gefahr, dass er weitere schwere Straftaten begehe. „Der Beschuldigte hat auf das Opfer völlig grundlos eingedroschen. Es liegt auch ein Tötungsvorsatz nicht wirklich fern. Der Schlaghagel war ganz enorm. Der Oberarzt hat gesagt, dass sein gesamtes Gesicht zertrümmert war und von einem Totalschaden gesprochen. Er hat jetzt 12 Titanplatten im Gesicht. Seit der Tat ist er arbeitsunfähig“, so Bartmeier. Beim Angeklagten zeige sich eine negative Entwicklung: „Die Frage ist, ob es nicht in Zukunft ein Todesopfer zu beklagen gibt.“

War der Angeklagte am Morgen noch mit Justizbeamten aus der Klinik nach Siegen gekommen, konnte ihn seine Mutter nach dem Urteil nach Dortmund zurückbringen. „Es tut mir schrecklich leid. Das wird in Zukunft nicht wieder vorkommen“, versprach er.

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