Tag des Stotterns

Mit Offenheit die Angst vorm Stottern überwinden

Petra Weinbrenner-Dorff, Helmut Schulte, Olaf Brögger und Ulrike Bell (von links) bereiten das Treffen zum "Welttag des Stotterns" vor

Foto: Herbert Kranz

Petra Weinbrenner-Dorff, Helmut Schulte, Olaf Brögger und Ulrike Bell (von links) bereiten das Treffen zum "Welttag des Stotterns" vor Foto: Herbert Kranz

Kreis Olpe   Auch nach einer Therapie bleibt man Stotterer. Wie man damit leben kann, soll ein bunter und lustiger Welttag des Stotterns deutlich machen.

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Bei emotionaler Anspannung ist es am schlimmsten, wissen Olaf Brögger und Helmut Schulte. Sie gehören zur Selbsthilfegruppe für Stotterer mit Sitz in Finnentrop. Am Sonntag, 22. Oktober, wollen sie von 14 bis 18 Uhr in Olpe auf ihre Gruppe und die Probleme der Betroffenen aufmerksam machen. „Man muss lernen zu akzeptieren, dass man stottert“, gab sich die Gruppe bei der Vorstellung ihrer Arbeit vor mittlerweile fast zwei Jahren überzeugt. Es soll ein bunter und lustiger Nachmittag werden. Spielerisch soll deutlich gemacht werden, was es bedeutet, zu stottern. Die Geschichte der Gruppe und deren Entwicklung werden ebenfalls eine Rolle spielen.

Rückzug ins Private

„Es gibt unterschiedliche Formen des Stotterns. Aber die Ursachen sind bis heute unklar“, fasst Olaf Brögger die Problematik zusammen und sagt: „Egal, welche Therapie man macht, man bleibt immer Stotterer.“ Für manchen bedeute das so etwas wie den Ausschluss vom öffentlichen Leben. „Viele schließen sich zu Hause ein“, verweist er auf den Rückzug ins Private. Andere gehen – „so wie wir“ – offen mit der Thematik um oder machen Therapien, um ein anderes Leben führen zu können. „Manche können nach der Therapie in der Öffentlichkeit ganz normal sprechen“, erzählt er. „Aber zu Hause eben nicht.“ Und: „Jeder Stotterer hat sein ganz persönlichen negativen Erlebnisse hinter sich.“

Gerade darum soll am Welttag des Stotterns „für mehr Toleranz geworben werden“. Das ist Ulrike Bell vom DRK-Mehrgenerationenhaus in Olpe besonders wichtig. Deshalb sind vor allem Betroffene eingeladen, weil sich an diesem Tag die Gelegenheit zum Austausch mit anderen ergibt, der vielleicht dem einen oder anderen ermöglicht, künftig anders, offener, mit dem Stottern umzugehen. Für den fachlichen Austausch wird an diesem Tage auch eine Logopädin vor Ort sein.

Eingeladen sind aber auch Angehörige, die lernen müssen, mit dem Stotterer umzugehen. Das sind übrigens meistens Männer. Wenn Frauen betroffen seien, dann „oft besonders hart“.

90 Selbsthilfegruppen

Dabei kann man „niemandem ansehen, ob er stottert oder nicht und auch Rückschlüsse auf Intelligenz, Herkunft und Persönlichkeitsstruktur sind nicht möglich“, so erklärt Prof. Dr. Martin Sommer, Vorsitzender der Bundesvereinigung Stottern & Selbsthilfe in einer Pressemitteilung. Eine möglichst positive Einstellung der Betroffenen gegenüber ihrem Handicap könne den Umgang und das Leben mit Stottern günstig beeinflussen, denn „Offenheit nimmt sowohl den eigenen Ängsten als auch den Vorurteilen der Gesellschaft den Wind aus den Segeln“, schreibt Sommer weiter.

Die Stotterer-Selbsthilfegruppe Sauerland in Finnentrop hat sich als eine von etwa 90 dieses Ziel auf die Fahnen geschrieben und möchte mit der Veranstaltung in Olpe zu mehr Verständnis und mehr Offenheit werben. Natürlich gibt es auch Kaffee und Kuchen und kalte Getränke. Und hoffentlich auch viele gute Gespräche. Nur eine Bitte hat Olaf Brögger: „Man soll Stotterer ausreden lassen, auch wenn es etwas länger dauert.“

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