Rhode

Gerd Wachtel ist Modellbauer aus Leidenschaft

Gerd Wachtel aus Rhode, gelernter Bootsbauer, nutzt seinen Ruhestand dazu, Boote nach eigener Fantasie zu entwerfen. Aber auch Leuchttürme, Flugzeuge, Gitarren und Weihnachtskrippen gehören zu seinem umfangreichen Privatbestand.

Gerd Wachtel aus Rhode, gelernter Bootsbauer, nutzt seinen Ruhestand dazu, Boote nach eigener Fantasie zu entwerfen. Aber auch Leuchttürme, Flugzeuge, Gitarren und Weihnachtskrippen gehören zu seinem umfangreichen Privatbestand.

Foto: Josef Schmidt

Rhode.   Der 80-Jährige hat sein Handwerk in Ratzeburg erlernt.

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Die leuchtend rote Fokker DR I schwebt von der Decke, als ob der legendäre Jagdflieger Manfred von Richthofen gerade mit dem Fallschirm abgesprungen wäre. Naturgetreu - allerdings gerade mal etwas mehr als ein Meter groß und mit nur einer ihrer eigentlich drei Tragflächen: „Die ist noch nicht fertig, einen Namen hat sie aber schon: Der Rote Baron“: Gerd Wachtel strahlt übers ganze Gesicht, als er mir seine beachtliche Sammlung zeigt. Der Rhoder ist gelernter Bootsbauer, und einige Jahre nach seinem Renteneintritt hatte er sich dazu entschlossen, seinem Beruf sozusagen im Miniaturformat nachzugehen. In erster Linie baut er seither Schiffe nach, aber auch Flugzeuge wie den Roten Baron.

„Mittlerweile ist da einiges zusammengekommen“, grinst Wachtel. In gut sechs Jahren hat er acht Schiffchen zusammengezimmert. Zwei Leuchttürme, zwei Flugzeuge, zwei E-Gitarren und mehrere Weihnachts-Utensilien, darunter drei kleine Krippen, komplettieren seine Modell-Palette.

Dabei lässt der Bootsbauer durchaus auch mal seine Fantasie spielen, erfindet ein Schiff der Olper Wasserschutzpolizei oder spendiert der DLRG und dem DRK ebenso einen wasserdichten Untersatz wie der Olper Feuerwehr. Alle etwa im Maßstab 1:10.

Zuerst Konstruktions-Wasserlinie

„Ich zeichne die Pläne nur aus meiner Fantasie, zuerst immer die Konstruktions-Wasserlinie, und darauf baue ich alles auf“, gibt er Einblick in seine ausgetüftelten Kunstwerke. Und da er nicht nur mit Sperrholz und Leim geschickt ist, sondern schon immer ein Faible für Elektronik hatte, wundert es nicht, dass es auf Knopfdruck aus den Leuchttürmen blinkt und aus den Schiffen Alarm-Sirenen schallen. Denn neben seinem Traumberuf Bootsbauer, so räumt er ein, wäre er auch gerne Elektriker geworden. Eine schwere Knochen-Tuberkulose während seiner Kindheit habe diesen Plan aber zunichte gemacht: „Ich hätte die Strommasten nicht hoch klettern können.“

Geboren im Sudetenland

Womit wir uns so ziemlich am Anfang des bewegten Lebens von Gerd Wachtel befinden, dem 80-Jährigen, der zwar am 1. April 1939 im Sudetenland, heute das tschechische Zatec (früher Saaz) das Licht der Welt erblickt hat, aber kein Aprilscherz wurde.

1945 musste die Familie ihre Heimat verlassen und wurde im legendären Ruderboot-Mekka Ratzeburg heimisch. Kein Wunder, dass der handwerklich geschickte junge Mann im Bootsbau landete und eine Lehre in der damals berühmten Segel- und Ruderboot-Schmiede Wilhelm Kalisch machen durfte. „Den kannte damals jeder, der sich für Sportboote interessierte“, blickt Wachtel zurück.

Karl Adam ging ein und aus

Sogar der unvergessene Karl Adam, Trainer des Deutschland-Achters, der 1960 in Rom und 1968 in Mexiko Gold holte, ging bei „Kalisch“ ein und aus. Wachtel: „Bei uns wurden die Gold-Achter entwickelt und gebaut.“

Seine Lehre musste der junge Gerd allerdings unterbrechen, da der Vater 1956 beruflich in Attendorn Fuß fassen wollte. 1958 lernte Wachtel seine Anneliese, ein Rhoder Mädchen kennen, 1963 zog das Paar wieder nach Ratzeburg, und der Bootsbauer konnte seine Lehre erfolgreich beenden.

Aber schon Anfang der 70-er zog es die Familie wieder ins Sauerland. Wachtel arbeitete bei einer kleinen Bootswerft in Sondern, später noch bei einem Fensterbauer, bevor er aus gesundheitlichen Gründen den Vorruhestand antreten musste.

Mitgründer der Kapelle Beul

Jetzt hatte er endlich Zeit für seine Hobbys, neben dem Modellbau die Musik: „Ich war Ende der 50-er Jahre Mitbegründer der Kapelle Beul und spielte Gitarre.“ Aus dem Trio wurde ab Ende der 70-er der Alleinunterhalter Wachtel, bis vor einigen Jahren.

Seitdem widmet sich der Wahl-Sauerländer, bei dem hin und wieder der typisch norddeutsche Slang durchklingt, ganz seiner Bau- und Bastel-Leidenschaft.

Und ab und zu kann er auch seltene wie knifflige Reparaturwünsche erfüllen. „Letztes Jahr war der Karl-Richard Heipel aus Drolshagen hier und hat mir seine allererste Gitarre gebracht.“ Der Drolshagener Volkslieder-Papst (wir berichteten) hatte Glück. Wachtel brachte die ramponierte Klampfe wieder auf Vordermann. Und Heipel staunte nicht schlecht, als der Retter seiner Gitarre ihm seine ganz private „Boots-Werft“ im Miniaturformat vorführte. Heipel hatte spontan die richtige Idee: „Das muss in die Zeitung.“ Bitteschön.

Modelle sind allesamt käuflich zu erwerben

Gerd Wachtel bietet seine Modelle auch zum Kauf an. Wer Interesse hat, kann sich an ihn wenden - unter cdgerd@web.de oder 02761/9475735.

Sollte sich die Gelegenheit ergeben, würde er seine Modelle auch einem breiteren Publikum zeigen, in Form einer Ausstellung.

Alle seine Boote sind wassertauglich, zudem mit Elektromotor und Fernbedienung.

Die kleinen Modellschiffe bestehen weitgehend aus Flugzeug-Sperrholz und sind in etwa drei bis sechs Monaten Bauzeit entstanden. Die Arbeitsstunden hat Wachtel nie aufgelistet.

Sollte er durch den Verkauf einiger seiner Stücke wieder Platz in der Wohnung haben, will er sich einem etwa 1,50 Meter großen Segel-Zweimaster widmen.

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