Musikschule

Musikschule will Spielmannszügen aus der Krise helfen

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Der NewKammer-Chor der Musikschule beim Überraschungsständchen für die Ausschussmitglieder im Ratssaal. Die älteste Sängerin ist 87 Jahre alt.  

Der NewKammer-Chor der Musikschule beim Überraschungsständchen für die Ausschussmitglieder im Ratssaal. Die älteste Sängerin ist 87 Jahre alt.  

Foto: Volker Eberts

Lennestadt.  Mit neuen Schwerpunkten startet die Musikschule Lennestadt-Kirchhundem ins neue Jahr.

20 Minuten sollte die Vorstellung der „neuen“ Musikschule Lennestadt-Kirchhundem im Lennestädter Kulturausschuss am Dienstag dauern, daraus wurden mindestens 40 Minuten. Denn all das, was Schulleiterin Christa Maria Jürgens zusammen mit Stellvertreter Andreas Regeling, vor hat, hätte sich auch schlecht in 20 Minuten pressen lassen. Zumal - ein Novum - das neue Duo damit begann, um was es eigentlich geht: Musik. So erklang von der Bühne des Ratssaals zunächst ein Posaunen-Duett, gespielt von den Berufsmusikern und Musikschullehrern Andreas Regeling und Patrick Raatz. Später durfte dann der „NewKammer-Chor ran“, zehn Damen und Herren, die sich einmal in der Woche zur Chorprobe treffen - mit anschließendem Kaffeetrinken, denn „Musikschule ist auch soziale Begegnung“, so Christa Jürgens augenzwinkernd.

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Die zwei Vorträge, die die Ratsdamen- und herren mit viel Applaus honorierten, waren kein Zufall. Die Musikschule Lennestadt-Kirchhundem will den Sektor Seniorenmusik ebenso weiter ausbauen wie die Ausbildung an Blasinstrumenten, insbesondere in Kooperation mit den heimischen Musikvereinen. Die Ausbildung an Holz- und Blechblasinstrumenten ist zwar heute schon der am meisten gebuchte Bereich hinter Gesang und Chören, aber besonders Patrick Raatz, hauptberuflich Posaunist beim Musikkorps der Bundeswehr in Siegburg und neu im Dozententeam der Musikschule, sieht hier noch Luft nach oben. Die Zusammenarbeit mit den musikalischen Vereinen sei schon besser geworden. „Das war nicht immer so“, sagt der Grevenbrücker, der auch Dirigent des Musikvereins in seinem Heimatort ist. Deshalb seien die Vereine eher auf private Ausbilder zugegangen. Das soll sich ändern. Raatz kann sich sogar vorstellen, Angebote für die Spielmannsmusik zu machen. Es ist eine Herzensangelegenheit für den Musiker, der hier einen wichtigen kulturellen Zweig der Region wegbrechen sieht. Denn viele Spielmannszüge in der Region haben mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen, einige haben bereits aufgegeben und die Corona-Pandemie, in der aktives Vereinsleben kaum möglich war, hat die Situation weiter verschärft.

Bei einem Spielleute-Gipfel im September letzen Jahres in Oberveischede, organisiert von Patrick Raatz zusammen mit dem Kreismusikverband, wurde ein Grund für das Dilemma deutlich: Größtes Problem ist, dass es an fachlich versierten Ausbildungsleitern fehlt. Mögliche Lösungswege: an die Musikschulen herantreten.

Ob und wie die Musikschule Lennestadt-Kirchhundem hier tätig werden wird oder kann, ob es konkrete Ausbildungsangebote geben wird, ist noch nicht klar. Klar ist: „Wir werden versuchen, die Tambourcorps zu unterstützen, das gab es noch nie“, so Raatz. Was sich mit dem Credo der neuen Musikschulleiterin deckt, nämlich „Eine musikalische Welt für alle“ zu schaffen.

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Bei den Stadtverordneten fand diese Idee Zustimmung, die Zusammenarbeit mit den Kulturträgern in den Dörfern kam gut an. Aber auch die Aussage von Christa Maria Jürgens, dass gute Lehrer gut bezahlt werden müssen („Qualität kostet Geld“) wurde nicht überhört.

Die Zeiten, in der Rufe nach einer Kostenbremse laut wurden, sind so lange noch nicht her. Gemeinde Kirchhundem (105.000 Euro) und Stadt Lennestadt (224.000 Euro) mussten den Betrieb schon 2019 mit satten 329.000 Euro subventionieren. Es dürften angesichts der Kostensteigerungen in allen Bereichen eher mehr werden. Andererseits sprechen die Anmeldezahlen für den großen Stellenwert dieser freiwilligen, kommunalen Leistung. Mit derzeit 980 Musikschülern (einschl. Jekits) ist die 1000. Anmeldung nicht mehr weit.

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