Unwetter

Nach Blitzschlag läuft der Biggesee bei Olpe leer

Das Vorstaubecken in Olpe ist über Nacht zum Trockendock geworden

Foto: Gunnar Steinbach

Das Vorstaubecken in Olpe ist über Nacht zum Trockendock geworden Foto: Gunnar Steinbach

Olpe.   Flutwelle öffnet Klappen des Olper Vorstaubeckens. Blitzschlag stört Verbindung zum Ruhrverband. Wasser strömt ungehindert aus.

Der Obersee verdient seinen Namen nicht. Die Tret- und Ruderboote liegen im Schlick, die Fontäne fristet als trauriger Pinn ein sinnloses Dasein mitten im Dreck. Es ist, als ob das Olper Seeufer über Nacht zu einem Spielball von Ebbe und Flut geworden wäre. Die Gezeiten am Biggesee?

Kein Scherz, sondern Realität: Die Ebbe am Obersee wurde tatsächlich durch eine Flutwelle in der Nacht zu Mittwoch ausgelöst. Was genau passiert ist, konnten die Techniker des Ruhrverbandes gestern nicht sagen: „Wir prüfen noch“, sagt Ralf Stötzel, Leiter des Talsperrenbetriebs Süd.

Fest steht bisher:

Durch das starke Gewitter am Dienstagabend stiegen die Zuflüsse über Bigge und Olpebach innerhalb kürzester Zeit extrem an. Am Wehr in Eichhagen befindet sich für solche Fälle eine mechanische Vorrichtung, die die Klappen zum Biggesee automatisch öffnet, wenn eine Pegelstand von zehn Zentimeter unterhalb des Maximalstaus erreicht ist. Das ist am Dienstagabend passiert. Die Klappen öffneten sich und die Obersee wurde auf das Niveau des Biggesees abgesenkt.

Das Problem: „Eigentlich“, so Ruhrverband-Pressesprecherin Britta Balt, „hätte vom System eine automatische Nachricht über diesen Vorgang gesendet werden müssen, damit die Zentrale informiert wird. Das ist aber nicht geschehen. Vermutlich hat ein Blitzschlag die Leitungen zerstört.“

Auch Ralf Stötzel, der nach der Essener Zentrale ebenfalls hätte informiert werden müssen, bekam keine Nachricht. Ungehindert abfließen konnte das Wasser, weil die Klappen zwar automatisch öffnen („Die oberste Priorität ist die Verhinderung von Schäden am Bauwerk oder an Straßen“, so Ralf Stötzel), aber nur manuell von Mitarbeitern wieder geschlossen werden können. Wenn die nichts erfahren, bleiben die Klappen offen. „Wir hatten noch Glück“, sagt Stötzel, „dass der Biggesee derzeit einen so hohem Wasserstand hat.“ Er geht davon aus, dass der Obersee in zwei bis drei Tagen wieder als solcher bezeichnet werden kann.

Die Rekonstruktion der genauen Abläufe am Dienstagabend ist kaum möglich, da durch den Blitzeinschlag sehr viele Daten verloren gegangen sind.

Ungewöhnliches Ereignis

„Wir können nicht sagen, wie groß der Zulauf während und nach dem Gewitter gewesen ist“, so Britta Balt. Ungewöhnlich seien die Vorgänge aber schon, denn Starkregenfälle habe es in der Vergangenheit ja öfter gegeben.

Einer der ersten Olper, der die Malaise am See in Augenschein nahm, war Exbürgermeister Horst Müller, der sich an die Situation vor 15 Jahren erinnerte, als eine holländische Spezialfirma, die vom Biggefluss angespülten Sedimente per Rohrleitungen weiter in Richtung Eichhagen spülte. Eine Maßnahme, die sich angesichts der Schlammhügel im See in absehbarer Zeit vielleicht wieder empfehlen würde. „Weiter unten“, sagt Müller und weist in Richtung Eichhagen, „ist dafür noch Platz, und wenn es da voll ist, bringen wir das Zeug nach Attendorn.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik