CDU-Parteitag

Nach Merz-Niederlage lange Gesichter im Sauerland

Shakehands trotz verlorener Wahl: Jochen Ritter, Kreisvorsitzender der CDU im Kreis Olpe bedauert die Wahlniederlage von Friedrich Merz.

Shakehands trotz verlorener Wahl: Jochen Ritter, Kreisvorsitzender der CDU im Kreis Olpe bedauert die Wahlniederlage von Friedrich Merz.

Foto: CDU

Kreis Olpe/Hamburg.   Die Delegierten aus dem Kreis Olpe erlebten einen spannenden Parteitag. Wir befragten heimische Politiker

Lange Gesichter im politischen Sauerland: Der in seiner Heimat favorisierte Friedrich Merz hat den CDU-Parteivorsitz hauchdünn verpasst: 482 Stimmen reichten nicht. Wir fragten bei heimischen Politikern nach. Fazit für lokalpatriotisch motivierte Christdemokraten: Saarland vor Sauerland.

Jochen Ritter:

CDU-Kreisvorsitzender Jochen Ritter räumte kurz nach dem Wahlergebnis ein, dass Friedrich Merz am Anfang seiner Parteitagsrede einige Minuten gebraucht habe, „um auf Betriebstemperatur zu kommen.“ Auf politischem Spitzen-Niveau könne so etwas natürlich den Ausschlag geben. „Annegret Kramp-Karrenbauer war sofort da, sehr präsent, hat ihre Botschaft glaubhaft rübergebracht.“ Bei der Regionalkonferenz in Düsseldorf habe er das genau andersherum wahrgenommen. Ritter weiter: „Heute hat Kramp-Karrenbauer 100 Prozent herausgeholt, Merz eben nicht. Sie hat in ihrer Rede, anders, als man von ihr gewohnt ist, ein hohes Tempo vorgelegt. Dieser Unterschied war augenfällig.“ Der Parteitag habe gezeigt, dass solche Reden das Zünglein an der Waage sein könnten, wenn das Rennen weitgehend offen sei. Grundsätzlich habe der politische Wettbewerb der CDU gut getan und die Menschen mobilisiert.

Frank Beckehoff

Landrat Frank Beckehoff (CDU) sah sich in seiner Prognose bestätigt, dass es ein hauchdünnes Ergebnis geben würde: „Ich hätte es allerdings andersherum erwartet. Aber ich kann mit diesem Ergebnis gut leben.“ Wichtig sei für ihn, dass die Partei die Geschlossenheit nicht verliere: „Natürlich wird das Merz-Lager jetzt enttäuscht sein, aber ich glaube nicht, dass die Wahl einen Graben hinterlassen wird.“ Abzuwarten bleibe, wie sich die Personalentscheidung auf die nächsten Wahlen auswirken werde. Grundsätzlich, so Beckehoff, habe sich das Wahl-Procedere positiv auf das Erscheinungsbild der CDU ausgewirkt.

Dietmar Heß

Finnentrops Bürgermeister Dietmar Heß kann mit Strategieüberlegungen, die sich mit den politischen Rändern beschäftigen, nicht viel anfangen. „Die AfD sammelt ja nicht nur Rechte, sondern auch Bürger, die schlicht unzufrieden sind.“ Dass er nicht zum urkonservativen Flügel der Union gehöre, sei mittlerweile bekannt. Nach seinem Dafürhalten ist der wirtschaftspolitische Einfluss in der Union ausreichend, „wenn nicht sogar schon etwas zu groß. Es wäre schade, wenn der liberale und soziale Teil künftig brach läge.“

Seine Sympathien für Annegret Kramp-Karrenbauer versteckt er nicht: „Die hat beim Thema Flüchtlinge im zugegeben kleinen Saarland mindestens so viel Mumm bewiesen wie Horst Seehofer.“ Unbegleitete, angeblich minderjährige Flüchtlinge hat sie konsequent auf ihr Alter testen lassen.“

Johannes Vogel

Johannes Vogel, Kreisvorsitzender der FDP und NRW-Generalsekretär, beglückwünschte die CDU zu „einem tollen Wettbewerb, auch aus der Sicht eines Partei-Managers.“ Das ganze Verfahren, vor allem aber der Parteitag, habe großes Interesse ausgelöst: „Wir als FDP wünschen uns mehr Erneuerungs-Energie, dazu hat sich Annegret Kramp-Karrenbauer in ihrer Rede bekannt.“ Die FDP freue sich auf den Wettbewerb zum Thema marktwirtschaftliche Erneuerung in Verbindung mit gesellschaftlicher Liberalität. „Denn das ist nicht das Profil einer AKK-CDU.“

Sandra Ohm

Die CDU-Delegierte aus Drolshagen machte kein Geheimnis aus ihrem Votum: „Ich habe Annegret Kramp-Karrenbauer gewählt.“ Ihr sei bewusst, dass sie damit im Kreise ihrer Sauerländer Parteifreunde eher in der Minderheit sei. Den Ausschlag für die schwierige Entscheidung, die vor ihrer Reise nach Hamburg noch nicht endgültig festgestanden habe, sei letztlich die überzeugende Rede der CDU-Generalsekretärin gewesen: „Sie hat es geschafft, eine Aufbruchstimmung zu erzeugen.“ Wichtig sei, dass das Wahlergebnis keinen Keil in die Partei treibe.

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