Prozess

Nach schlimmer Attacke in Lebensgefahr

Wegen gefährlicher Körperverletzung ist ein 32-Jähriger aus Olpe vor dem Landgericht angeklagt.

Wegen gefährlicher Körperverletzung ist ein 32-Jähriger aus Olpe vor dem Landgericht angeklagt.

Foto: Hendrik Schulz

Olpe/Siegen.   Ein 32-Jähriger hat einen 57-Jährigen am 3. November 2017 in Olpe übelst zugerichtet. Er ist vor dem Siegener Landgericht angeklagt.

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Die Attacke auf einen 57-Jährigen am 3. November 2017 in Olpe war an Brutalität kaum zu überbieten. Ein wegen gefährlicher Körperverletzung vor der 1. Großen Strafkammer des Siegener Landgerichtes angeklagter 32-Jähriger klingelte, holte den schlafenden, ahnungslosen Mann aus dem Bett, drang in seine Wohnung ein und fügte ihm übelste Verletzungen zu.

Eine fleischfressende Pflanze

„Ich kannte ihn nicht. Er sagte, er wolle seine fleischfressende Pflanze, die er meiner Tochter gegeben habe, zurückholen. Ich fragte: Was soll das? Dann hat er sofort zugeschlagen, wie bekloppt, 15 bis 20 Mal. Am Boden hat er mich getreten. Es hat geblutet ohne Ende“, schilderte der 57-Jährige vor Gericht die schlimmsten Momente seines Lebens. In seinem Gesicht sei alles gebrochen gewesen: „Ich habe da jetzt Drähte drin und Metallplatten.“ Auch drei Rippen waren gebrochen. Dreimal musste der 57-Jährige operiert werden, er war zehn Tage im Krankenhaus und kann seit dem brutalen Überfall nicht mehr arbeiten. Mitte dieses Monats will er in seinen Job zurückkehren.

„Es ist heute schon komisch, wenn einer klingelt. Dann habe ich ein mulmiges Gefühl, aber sonst habe ich keine psychischen Folgen“, so das Opfer.

„Aufgrund der Verletzungen bestand Lebensgefahr und der Geschädigte musste ins künstliche Koma versetzt werden“, sagte Staatsanwalt Moritz Faßbender in der Anklage. Auch die Vorsitzende Richterin, Elfriede Dreisbach, meinte zu den Fotos des schwerst verletzten Mannes, die im Gerichtssaal angeschaut wurden: „Das sieht schon ganz übel aus.“

In Psychiatrie untergebracht

Der Angeklagte wurde von Justizbeamten aus der geschlossenen Psychiatrie in Dortmund in den Siegener Gerichtssal geführt. Dort ist er vorübergehend untergebracht. Die Tochter des 57-Jährigen habe er schon immer geliebt: „Ich habe dieses Mädchen geliebt von klein auf. Das war meine große Liebe. Ich bin davon ausgegangen, dass wir heiraten.“ Zur Frage von Richterin Dreisbach, warum er ihr denn die fleischfressende Pflanze gegeben habe, meinte er: „Ich habe ihr die Pflanze gegeben, weil ich Gefühle für diese Frau habe. Ich fand das irgendwie romantisch, dass sie auf meine Pflanze aufpasst, während ich in Urlaub bin.“ Es war jedoch eine einseitige Liebesbekundung. Für die 29-Jährige war es die Hölle. Ständig habe sie der Angeklagte in Olpe gestalkt.

Der 32-Jährige gestand, den Vater der 29-Jährigen am Abend des 3. November vergangenen Jahres aufgesucht zu haben: „Ich bin davon ausgegangen, dass sie dort wohnt. Ich habe mich vorgestellt und nach der Pflanze gefragt. Da hat er gesagt, ich solle seine Tochter in Ruhe lassen. Ich war erschrocken und habe zugeschlagen. Ich habe aus Affekt gehandelt. Das war eine Kurzschlussreaktion.“ Der Mann habe blutend am Boden gelegen und geröchelt. Er sei dann in eine Olper Kneipe gegangen und kurz darauf verhaftet worden.

Weitere Frauen bedrängt

Neben der 29-Jährigen soll der Angeklagte vier weitere Frauen in Olpe bedrängt haben. „Wir haben noch mehr Frauen geladen. Die haben alle Angst vor Ihnen. Warum?“, wollte Richterin Dreisbach wissen. Dazu der Angeklagte: „Ich war damals unter schwerem Drogenkonsum. Ich bin mit den Abweisungen nicht zurecht gekommen. Jetzt nehme ich Medikamente und habe einen klareren Kopf. Ich würde sagen, dass es früher krankhafter Liebeswahn war.“

Die 29-Jährige hat nach eigener Aussage erst Ruhe, seit der Angeklagte nicht mehr auf freiem Fuß ist. Der 32-Jährige habe sie bis dahin jahrelang bedrängt und ihr nachgestellt: „Stundenlang stellte er sich vor den Laden, in dem ich gearbeitet habe. Er hat mich bedroht und verfolgt über Facebook. Er versandte Sprachnachrichten, dass wir heiraten und Kinder haben werden. Es hat nie aufgehört.“ Sie habeAngst vor ihm gehabt: „Er war so aggressiv. Ich hatte damals, Angst rauszugehen. Es war schon sehr schwer. Ich habe deshalb den Job gewechselt, damit ich nicht mehr in einem öffentlichen Laden stehen muss, wo er plötzlich hereinkommen kann.“

Gutachten über Schuldfähigkeit

Das Gericht muss klären, ob der Angeklagte eine Gefahr für die Allgemeinheit darstellt und in der Psychiatrie untergebracht wird. Staatsanwalt Faßbender sagte in der Anklage, dass der 32-Jährige die Tat „im Zustand nicht auszuschließender Schuldunfähigkeit“ begangen haben könnte. Hierzu wird im Prozess ein psychiatrischer Sachverständiger Stellung nehmen.

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