Öffentlicher Dienst

Nachwuchs öffentlicher Dienst: So sieht es im Kreis Olpe aus

Die Stadt Lennestadt sucht einen Auszubildenden zum Straßenwärter. Foto: Arne Dedert/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Die Stadt Lennestadt sucht einen Auszubildenden zum Straßenwärter. Foto: Arne Dedert/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Foto: Arne Dedert / dpa

Kreis Olpe.  Nach Angaben des Beamtenbundes sind in NRW mehr als 10.000 Stellen im öffentlichen Dienst unbesetzt. Gibt es auch im Kreis Olpe ein Problem?

Nach Angaben des Beamtenbundes sind derzeit in NRW mehr als 10.000 Stellen im öffentlichen Dienst unbesetzt. Das Problem soll sich aufgrund der absehbaren Pensionierungswelle in den kommenden Jahren sogar noch verschärfen. Doch wie sieht die Situation im Kreis Olpe aus? Unsere Zeitung hat bei den Verwaltungen nachgehört.

Weniger Bewerber

Rüdiger Barteit ist Fachbereichsleiter und Kämmerer der Stadt Lennestadt. Ihm ist das Personalwesen unterstellt und er kennt die Probleme. Derzeit sei es beispielsweise schwierig, eine Fachkraft für Wasserversorgung zu finden. „Da ist der Markt wie leer gefegt“, sagt Barteit im Gespräch mit unserer Zeitung. Auch eine Ausbildungsstelle zum Straßenwärter habe man bislang nicht besetzen können, weil eben die qualifizierten Bewerber fehlten.

Probleme sieht der Fachbereichsleiter langfristig auch im Ingenieurbereich. Derzeit ist noch eine Stelle im Bereich Hochbau und Architektur unbesetzt. „Akute Nöte haben wir noch nicht“, führt Barteit aus. „Wir haben viele Azubis eingestellt, die nachrücken. Dennoch zeigt sich, dass die Zahl der Bewerber deutlich zurückgegangen ist.“

Bei der Stadt Olpe gibt es aktuell keine Probleme. Thomas Bär, Erster Beigeordneter der Stadt, betont, dass frei werdende Stellen bislang immer zeitnah nachbesetzt werden konnten. „Natürlich gibt es immer mal wieder Abgänge“, sagt Bär. „Wichtig ist, dass man das im Blick behält und vorausschauend agiert. Das ist ein Aufgabenfeld, das uns täglich beschäftigt.“

Die Stadt Olpe setzt zum einen darauf, regelmäßig selbst auszubilden. Auch in diesem Jahr haben zwei junge Leute ihre Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten begonnen. Aber auch die Anwerbung von externen Fachkräften war bislang laut Thomas Bär kein Problem. Aktuell beginnt eine Architektin im Bereich der Gebäudebewirtschaftung ihre Arbeit.

Insgesamt sind bei der Stadt Olpe rund 150 Mitarbeiter (inklusive Teilzeitstellen) beschäftigt.

Fachwissen behalten

Es sind aber nicht nur die Stellen, die nachbesetzt werden müssen. Thomas Bär hebt die Bedeutung des Erhaltes des Fachwissens hervor. Die Stadt Olpe arbeitet mit Dokument-Management-Systemen, in denen das Wissen Ämter übergreifend festgehalten wird. „Das ist eine Herausforderung“, betont Bär. „Die Kenntnisse, die die Mitarbeiter über die Jahre erwerben, müssen im Haus bleiben.“

Die Gemeinde Finnentrop hat laut Bürgermeister Dietmar Heß bislang ebenfalls keine Probleme, die Stellen im Hause zu besetzen. Dennoch sieht Heß gravierende Probleme auf die Städte und Gemeinden zukommen. „Wir sehen schon, dass sich das Bewerberfeld verändert und vor allem reduziert.“ Deshalb sei es entscheidend, die Arbeitsplätze im öffentlichen Dienst zu attraktivieren. „Es gibt ganz aktuell bei uns ein Fall, wo wir über die Möglichkeit von Home-Office sprechen“, nennt der Bürgermeister ein Beispiel. Andererseits komme man langfristig nicht drumherum, den Verwaltungsapparat zu verschlanken – mit Hilfe der Digitalisierung als ein Mittel für Einsparungen.

Nachwuchs rekrutieren

Über mangelnde Bewerber kann sich die Stadt Drolshagen derzeit nicht beschweren, teilt Rainer Lange, Allgemeiner Vertreter, mit. In der jüngsten Zeit konnten Stellen im Bauhof, in der Finanzbuchhaltung und auch im Gebäudemanagement problemlos besetzt werden. „Aus der Erfahrung heraus hat das bislang immer gut geklappt“, sagt er. „Ob das so bleibt, muss man natürlich abwarten.“

Auch Ausbildungsplätze werden regelmäßig ausgeschrieben und besetzt. Ein angehender Verwaltungsfachangestellter und ein Langzeitpraktikant unterstützen das Team in Drolshagen. „Wir haben in den nächsten Jahren altersbedingt schon einige Abgänge“, sagt Lange. „Wir schauen aber, dass wir vor allem durch eigene Ausbildungen Nachwuchs rekrutieren.“

Attraktiver Arbeitgeber

Rupert Wurm ist der Leiter der zentralen Dienste und Personalchef der Gemeinde Wenden. Auch er sieht aktuell keine Probleme. Zuletzt wurden unter anderem ein Stadtplaner, Sozialarbeiter, Tiefbau- und Hochbautechniker eingestellt. „Wir haben etwas weniger Bewerber als früher, konnten alle Stellen aber exzellent besetzen“, sagt er. „Ob das so bleibt, muss man natürlich abwarten. Ich bin da für die Gemeinde Wenden aber optimistisch, weil wir ein sehr attraktiver Arbeitgeber sind.“

Ähnliches berichtet auch Manuela Kebben. Sie ist die Leiterin des Fachbereiches 1 bei der Gemeinde Kirchhundem, zu der auch die Personalabteilung gehört. „Es ist schwieriger als noch vor Jahren, aber im Moment läuft es ganz gut“, sagt sie. Dennoch: Die Zahl der Bewerber ist zurückgegangen. Vor allem sei es problematischer geworden, ausgebildete Fachkräfte zu finden. Kebben vermutet, dass die Verwaltung im Vergleich zu freien Wirtschaft finanziell derzeit einfach nicht so interessant ist.

Technischer Bereich

Vor allem, wenn es darum geht, Spezialisten für den technischen Bereich zu finden, also beispielsweise Städteplaner oder auch Bauingenieure, dann wird es schwieriger, weiß auch Attendorns Dezernent Christoph Hesse. Trotzdem würde man immer noch genügend Fachkräfte finden.

Die Verwaltungen müssten sich intensiv mit der Frage beschäftigen, wie sie die in Ruhestand gehenden Kollegen langfristig ersetzen können. „Wir bilden daher sehr stark aus und setzen bewusst auf weiche Faktoren wie beispielsweise Sportkurse, die unsere Kollegen nicht bezahlen müssen“, erklärt Hesse.

Darüber hinaus biete die Stadt bei entsprechender Qualifikation der Mitarbeiter einen leichteren Übergang zum Beamtenstatus. „Das hat für unsere jungen Kollegen schon einen Stellenwert, das merken wir immer wieder“, sagt Hesse.

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