Bauwirtschaft

Neubau eines Eigenheims im Kreis Olpe immer teurer

Der Traum vom Eigenheim zerplatzt an immer weiter steigenden Kosten.

Der Traum vom Eigenheim zerplatzt an immer weiter steigenden Kosten.

Foto: Michael Kleinrensing

Kreis Olpe.  Der Boom in der Bauwirtschaft lässt die Preise weiter steigen. Viele Bauherren im Kreis Olpe stoßen an ihre finanziellen Grenzen.

Können sich demnächst nur noch Topverdiener ein neues Einfamilienhaus im Kreis Olpe leisten? Wenn sich die Preisspirale auf dem Wohnungsbausektor weiter dreht wie in den letzten Jahren, wird der Traum vom eigenen Heim für viele Familien ein Traum bleiben.

Denn die Preise kennen derzeit nur eine Richtung - nach oben. Die Preise für den Neubau konventionell gefertigter Wohngebäude in Deutschland lagen im November 2018 um 4,8 Prozent über dem Stand im November 2017. „Das liegt zum einen an der hohen Kapazitätsauslastung, zum anderen an der starken Nachfrage“, so das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW).

Handwerkerpreise steigen

Mit dem Bauboom verteuern sich zwangsläufig die Handwerkerpreise. Denn Handwerkerdienste sind sehr gefragt und so manches Unternehmen, dessen Auftragsbücher schon prall gefüllt sind, pokert bei Ausschreibungen mit höheren Preisangeboten. Architekt Tobias Hermes, Chef des Architekturbüros „Archifaktur“ in Lennestadt, schätzt, dass die Preise für Handwerkerleistungen in den letzten fünf Jahren um zehn Prozent gestiegen sind. Der Baupreisindex, der die Entwicklung der Preise für Neubau und Instandhaltung von Gebäuden widerspiegelt, ist seit 2013 sogar um 14 Prozent gestiegen.

Jürgen Hassler, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Westfalen-Süd, sieht aber die Handwerker nicht als alleinige Preistreiber. Nach einer Analyse der Bau-Innung habe die gute konjunkturelle Lage im Baugewerbe zwar zu einer guten Auslastung der Betriebe geführt, der Markt sei aber nicht überhitzt. Die Kostensteigerungen seien auch eine Folge des sehr hohen Lohnabschlusses in diesem Jahr (Mindestlohn plus 4 Prozent, für Facharbeiter plus 6 Prozent) und steigender Materialkosten.

Materialkosten legen

Nach Angaben des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe sind die Preise für Stahlbeton in 2018 um satte 20 Prozent gestiegen, die Holzpreise legten um 4,7 Prozent zu. Die Preissteigerungen im Material führten dann zwangsläufig zu höheren Handwerker-Rechnungen, so Dipl.-Ing. Alexander Nies aus Finnentrop, Vorsitzender der Bezirksgruppe Olpe-Siegen des BDB (Bund Deutscher Baumeister, Architekten und Ingenieure). Das heißt, die Preiserhöhungen werden an die Bauherren durchgereicht.

Preistreiber sind aber auch die gesetzlichen Anforderungen beim Neubau, zum Beispiel durch die verschärfte Energieeinsparverordnung. Und diese werden nach den jüngsten Beschlüssen der Bundesregierung zum Klimaschutz nicht niedriger werden. Tobias Hermes: „Die Auflagen werden immer höher, so dass man teurere Baustoffe einsetzen muss.“ Bis vor zwei Jahren habe der Einbau von Fenstern mit Doppelverglasung noch ausgereicht, heute werde vielfach Dreifach-Verglasung gefordert. Und auch die Anlagen für die Haustechnik würden immer teurer.

300.000 Euro

Ein Einfamilienhaus für eine vierköpfige Familie kostet heute einschließlich Bauplatz im Kreis Olpe im Schnitt rund 300.000 Euro, schätzt Alexander Nies. Was bedeutet dies alles für die Bauherren. Tobias Hermes: „Viele versuchen bei der Planung und Ausstattung abzuspecken und am Ende wollen die meisten dann doch die bessere Version.“ Die ursprünglich angepeilte Kreditsumme reicht dann aber nicht mehr aus. Mittlerweile müssen rund 80 Prozent aller Bauherren nachfinanzieren.

Folge: Viele Bauherren geben dem Traum vom Einfamilienhaus auf und werden über alternative Wohnformen nachdenken, so Hermes. Das könnte ein Mehrfamilienhaus oder ein Reihenhaus sein, weil man hier für mehrere Wohneinheiten nur eine technische Anlage benötigt. Das senkt die Kosten.

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