Hundemtal

Neuer Abwasserkanal spart jedes Jahr 160.000 Euro

Harro Feckler  (rechts) und Dietmar Westpfahl (Mitte) vom Ruhrverband besichtigen die Wasserkreuzung des Kanals und der Hundem zwischen Würdinghausen und Selbecke. 

Harro Feckler (rechts) und Dietmar Westpfahl (Mitte) vom Ruhrverband besichtigen die Wasserkreuzung des Kanals und der Hundem zwischen Würdinghausen und Selbecke. 

Foto: Volker Eberts

Würdinghausen/Oberhundem.   Der Ruhrverband gibt seine intakte Kläranlage in Oberhundem auf, baut einen neuen Kanal für 1,6 Millionen Euro und spart dennoch eine Menge Geld.

Meter für Meter frisst sich die Baggerschaufel durch die Hundemaue oberhalb von Würdinghausen. Das schwere Gerät hat mit dem Wiesenboden leichtes Spiel. Im Auftrag des Ruhrverbands hat die Straßen und Tiefbau GmbH aus Kirchhundem mit dem Bau eines neuen, rund 3,5 Kilometer langen Abwasserkanals zwischen Würdinghausen und Oberhundem begonnen. Auf den ersten Blick ein Standardauftrag, gäbe es nicht allein sieben Gewässerkreuzungen und andere, besondere Herausforderungen.

„Wir müssen besonders auf den Landschafts- und Artenschutz Rücksicht nehmen“, erklärt Harro Feckler, Leiter des Regionalbereichs Süd beim Ruhrverband. Es gibt hier einige geschützte Biotope, in der Hundemaue ist der Schwarzstorch auf Nahrungssuche und vor allem könnte hier der Neuntöter brüten. Bisher hat man den geschützten Vogel noch nicht gesehen. „Aber wenn er hier brütet, können wir an der Stelle erst ab September weiterbauen“, so Projektleiter Dietmar Westphal.

Der Anschluss des neuen Kanals an den gemeindlichen Kanal in der L 553 am Ortsausgang Würdinghausen ist bereits fertiggestellt. Jetzt frisst sich der Bagger talaufwärts Richtung Oberhundem. „Unterwegs“ baut der Ruhrverband zusätzlich einen 420 Meter langen Anschlusskanal im Rinsecketal und rüstet in Selbecke ein Pumpwerk der Gemeinde in ein modernes Regenüberlaufbecken mit automatischer Drosselungseinrichtung um. Sinn des Ganzen: Durch die neuen Kanäle kann die Kläranlage in Oberhundem aufgegeben und zurückgebaut werden.

Das hat gleich mehrere Vorteile: Ohne den Kanal müsste das gesamte Kanal-Trennsystem in Oberhundem saniert werden. Außerdem müsste die 35 Jahre alte Kläranlage um ein Regenüberlaufbecken und eine neue Niederschlagsbehandlungsanlage nachgerüstet werden. „Wir müssten also nach 35 Jahren mit einem enormen Aufwand reinvestieren“, so Feckler.

Unterm Strich, berücksichtigt man alle Kostenfaktoren wie Strom und Personal etc., ist der neue 1,6 Millionen Euro teure Kanal auf Dauer gesehen viel günstiger. Harro Feckler: „Wir sparen pro Jahr etwa 160.000 Euro.“ Von dem Projekt profitieren Bürger, Ruhrverband und Gemeinde, es ist eine Win-Win-Situation für alle.

Sieben Gewässerkreuzungen

Der neue Kanal im Hundemtal kreuzt siebenmal die mäandrierende Hundem und andere Gewässer. Die Herstellung der Kreuzungen ist aufwendig. Zunächst wird der Bach verrohrt und das Wasser mit Sandsäcken durch die Rohre geleitet. Dann wird das Bachbett darunter ausgeschachtet und ca. 50 Zentimeter unter der Bachbettsohle ein Leerrohr aus Stahl zwischen den beiden Ufern verlegt. Durch dieses verläuft später das eigentliche Kanalrohr.

Wartungsarme Rohre aus besonders stabilem Kunststoff (PE-RC) mit geschweißten Rohrverbindungen sind nicht nur haltbarer, sondern können außerdem in das ausgehobene Bodenmeterial (14.500 cbm) verlegt werden.

Dadurch entfallen die üblichen Transporte von zusätzlichem Bettungsmaterial wie Kies und die Abfuhr des Bodens.

Wenn alles planmäßig läuft, soll der neue Kanal Ende September fertig sein. Nach dem Anschluss wird das Abwasser dann nicht mehr in der Oberhundemer Kläranlage gereinigt, sondern es läuft durch den neuen Kanal zur Kläranlage Lennestadt in Maumke.

2020 beginnt dann der Rückbau der Kläranlage. Das gesamte Gelände wird in den Urzustand zurückversetzt und kann wieder als Weidefläche genutzt werden. Der frühere Besitzer hat schon erklärt, dass er von seinem Rückkaufsrecht Gebrauch machen wird.

Spätestens 2021, so Harro Feckler, werde „die Wunde in der Natur“, die durch den Kanalbau entstanden ist, verheilt sein und man werde von dem Kanalprojekt nichts mehr sehen, außer vielleicht einige der 32 Kanal- bzw. Revisionsschächte.

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