Geschichte

Oedingen: Der Kardinal hat seine Herkunft nie vergessen

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In der Oedinger Kirche ist eine Erinnerungsplakette angebracht.

In der Oedinger Kirche ist eine Erinnerungsplakette angebracht.

Foto: WP-BILD / WP

Oedingen.  Vor 150 Jahren erblickte Kardinal Karl Joseph Schulte, Erzbischof von Paderborn und Köln, bei Oedingen das Licht der Welt - ein Porträt.

Eine Gedenktafel in der Oedinger Pfarrkirche erinnert an ihn, eine Straße in seinem Heimatort ist nach ihm benannt. Und dennoch ist Karl Joseph Schulte über seinen Heimatort in der Stadt Lennestadt kaum bekannt. Vor 150 Jahren, am 14. September 1871, wurde der spätere Erzbischof von Paderborn und Köln auf Haus Valbert in Oedingen geboren. Der aus Oedingen stammende Journalist Christoph Arens hat sich mit dem Kirchenführer beschäftigt und skizziert sein Leben:

Sohn eines Gutspächters

Schulte war Sohn des Gutspächters Oswald Schulte und seiner Frau Antonette. Die ersten Lebensjahre verbrachte er in Oedingen, bevor seine Eltern nach Essen zogen, weil der Vater bei Krupp anheuerte. Noch als Kardinal zeigte Schulte seine Anhänglichkeit an seinen Heimatort: Er gratulierte zum Jubiläum des Schützenvereins, und 1936 besuchte er Kirche und Friedhof in Oedingen.

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Dass der Sauerländer 1920 zum Kölner Erzbischof gewählt wurde, war eigentlich ein Witz der Zeitgeschichte: Denn als Theologiestudent in Bonn war er in den 1890er Jahren wegen eines Wirtshausbesuchs mit Bierkonsum aus dem Theologenkonvikt geworfen worden. Der verantwortliche Leiter des Konvikts kommentierte den Rauswurf mit den Worten, dass für einen solchen Herrn keinerlei Aussichten bestünden, jemals im Bereich der Erzdiözese angestellt zu werden.

Bestnoten

Sein Studium setzte Schulte in Paderborn und Münster fort, mit Bestnoten, einem sehr breiten Interessenspektrum und einer Promotion in Tübingen.

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Sein ausgleichendes Wesen, sein sozialpolitisches Engagement und sein Wissen machten Kirchenobere rasch auf ihn aufmerksam: 1895 wurde er zum Priester geweiht, schon 1905 Professor für Kirchenrecht in Paderborn, und mit nur 38 Jahren wählte ihn das Domkapitel 1910 zum Paderborner Erzbischof. Schulte machte auch international auf sich aufmerksam: Während des Ersten Weltkriegs gründete er eine Kriegsgefangenenhilfe und einen Suchdienst für vermisste deutsche und ausländische Soldaten. Das verschaffte ihm hohe Anerkennung auch von Kaiser Wilhelm II. und dem Papst. Geprägt durch seine Jugendjahre im Ruhrgebiet, wo er die Not der Industriearbeiter miterlebte, erkannte er als einer der wenigen Kirchenführer die Bedeutung von Gewerkschaften und kämpfte auch für das innerkirchlich stark umstrittene Recht von Katholiken, mit evangelischen Arbeitern in christlichen Gewerkschaften zusammenzuarbeiten. Papst Pius XI. nannte ihn respektvoll „den klügsten von allen“.

1921 zum Kardinal ernannt

Zeitgenossen berichteten, dass Schultes Naturell durch und durch sauerländisch geprägt war: Er galt als verschlossen, zurückhaltend und öffentlichkeitsscheu. Schulte erwies sich als Förderer von Wissenschaft und theologischer Ausbildung. So gründete er das Historische Archiv des Erzbistums Köln und das Albertus-Magnus-Institut in Bonn.

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Schon besser kam da bei den Kölnern an, als Schulte im November 1924 mit der Petersglocke („Decke Pitter“) die größte freischwingende läutbare Glocke der Welt für den Dom weihen konnte.

Weniger rühmlich war Schultes Verhalten gegenüber den Nationalsozialisten. Zwar hasste er deren Weltanschauung. Doch anders als etwa der Münsteraner Bischof Clemens August von Galen verhinderte er laute, öffentliche Proteste gegen den Terror des Regimes.

Kein Protest gegen Nazis

Der Grund: Er wollte Gottesdienst und Seelsorge als den Kern kirchlichen Wirkens nicht gefährden. Möglicherweise spielte aber auch seine seit 1927 bestehende schwere Herzerkrankung eine Rolle. Seit deren ersten Auftreten mied Schulte Auftritte vor größeren Mengen.

Immerhin blieb ihm erspart, die weitreichende Zerstörung Kölns mitzuerleben: In der Kölner Bombennacht vom 10./11. März 1941 erlag Kardinal Schulte einem Herzinfarkt.

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