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Olpe: Alina Hahn zählt zu Deutschlands besten Autolackierern

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Alina Hahn bei der Arbeit: Sie bereitet ein Fahrzeug auf die Lackierung vor. 

Alina Hahn bei der Arbeit: Sie bereitet ein Fahrzeug auf die Lackierung vor. 

Foto: Privat

Rahrbach/Olpe.  Alina Hahn brach ihre erste Ausbildung ab. In der Werkstatt hat sie ihre Erfüllung gefunden – obwohl sie sich gar nicht für Autos interessierte.

Eigentlich hatte sich Alina Hahn gar nicht für Autos interessiert. Nach ihrem Fachabi wollte die heute 24-Jährige aus Rahrbach vor allem eines: Geld verdienen. Und das am besten im Büro. Sie fing eine Ausbildung zur Versicherungskauffrau an. Nach ein paar Monaten merkte sie aber, dass sie sich nicht wohl fühlte. Sie brach ab. Erfüllung fand sie etwas später genau da, wo sie es nicht vermutet hätte: in der Kfz-Werkstatt. Und als eine der besten Fahrzeuglackiererinnen Deutschlands ist sie damit auch noch ziemlich erfolgreich.

Dauerhafter Stress im Versicherungsbüro

„Ja, ich bin endlich angekommen“, sagt Alina und lacht. Der Job als Fahrzeuglackiererin gebe ihr jetzt genau das, wonach sie gesucht hatte: Abwechslung, Kreativität, Wertschätzung und Spaß. Und vor allem das Arbeitsumfeld bei Tump GmbH in Olpe hat es ihr angetan. „Wir sind ein junges Team, jeder einzelne von uns ist motiviert. Auch mein Chef ist noch sehr jung und mit ihm kann ich über alles reden. Ich gehe wirklich gerne zur Arbeit“, schwärmt Alina.

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All das weiß sie heute umso mehr zu schätzen. Denn als sie noch im Versicherungsbüro gearbeitet hat, fehlte ihr diese tägliche Motivation. Mehr noch: Die Arbeit belastete sie. „Es lag überhaupt nicht an den Kollegen, die waren alle nett und verständnisvoll. Aber ich habe mich mit der Aufgabe so unwohl gefühlt. Es hat mich sehr gestresst, weil es immer nur um Zahlen ging. Ich habe mich sehr unter Druck gesetzt gefühlt. Auch, weil ich gemerkt habe, dass ich Erwartungen an mich hatte, die ich nicht erfüllen konnte“, sagt Alina rückblickend. Irgendwann fingen auch körperliche Beschwerden an wie ein ständiges Augenzucken. „Ich war fix und fertig.“

Alina trat auf die Notbremse. Sie suchte das Gespräch mit ihrer Ausbildungsleiterin und schließlich mit der Chefin. Beide bedauerten Alinas Schritt, spiegelten ihr, dass sie ihre Aufgabe gut gemacht habe. Erst als sie offiziell gekündigt hatte, beichtete sie ihren Eltern ihre Entscheidung. „Die waren natürlich völlig geschockt. Weil ich ihnen vorher auch nie gesagt habe, wie schlecht es mir damit ging“, erzählt Alina.

Mehrere Praktika im Handwerk

Sie orientiert sich neu, macht Praktika in der Tischlerei, Gärtnerei und im Gas- und Wasserinstallationsbetrieb. In der Hoffnung, bis zum nächsten Ausbildungsstart etwas Geeignetes zu finden. Alina merkt schnell, dass sie im Handwerk mehr aufblüht als im Büro. Ihr Vater, der eine eigene Kfz-Werkstatt in Olpe betreibt, vermittelt ihr schließlich einen Praktikumsplatz als Fahrzeuglackiererin bei Tump GmbH. „Und das obwohl ich gar keine Ahnung von Autos hatte“, meint Alina und lacht. „Ich dachte, dass man mich vor Ort auslachen würde. Aber das war überhaupt nicht der Fall.“ Stattdessen wird sie mit offenen Armen empfangen.

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Nach ihrem zweiwöchigen Praktikum wird ihr schließlich ein Ausbildungsplatz angeboten. Alina nimmt an. Eine Entscheidung, die sie bis heute nicht bereut hat. Ganz im Gegenteil. Wegen ihres Fachabis kann sie die dreijährige Ausbildung um ein halbes Jahr verkürzen. „Eigentlich wollte ich nicht verkürzen, weil wir wegen Corona im dritten Lehrjahr nur ein paar Mal Präsenzunterricht hatten. Aber mein Chef hat mir das zugetraut.“ Am Ende schneidet Alina als Beste ihres Jahrgangs bei der Handwerkskammer Südwestfalen in Arnsberg ab. Und qualifiziert sich damit automatisch für den Landeswettbewerb. Mit ihren sehr guten Prüfungsergebnissen geht es für sie sogar direkt weiter zum Bundeswettbewerb.

Dreitägiger Wettbewerb in Wuppertal

Der dreitägige Wettbewerb fand im November im Wuppertal statt. Die Aufgabe: eine Gesamtpräsentation erstellen. Autotür, Werbetafel und Modellauto – frisch lackiert und gestalterisch aufeinander abgestimmt. „Ich war richtig nervös. Die Nacht davor konnte ich nicht richtig schlafen, weil solche Aufgaben nicht unbedingt alltäglich sind.“ Doch vor allem mit ihrem guten Zeitmanagement kann Alina punkten – und landet am Ende auf dem zweiten Platz. „Ich bin zwar ehrgeizig, aber damit habe ich nicht gerechnet. Ich habe mich so gefreut!“

Alina ist glücklich, dass sie den für sich passenden Beruf gefunden hat. Wenn auch auf Umwegen. Mit dem Stipendium beim Bundeswettbewerb wird ihr ein Großteil des Meisters finanziert. „Ich weiß noch nicht genau, wie und wann ich den mache. Aber ich habe auf jeden Fall Lust, mehr Verantwortung zu übernehmen.“ Für etwas, wofür sie sich ursprünglich gar nicht so sehr interessierte.

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>>> BRANCHE WIRD IMMER WEIBLICHER

  • Alina hat noch eine Zwillingsschwester, die jedoch einen komplett anderen Weg eingeschlagen hat: Sie studiert an einer Fernuni Medienwissenschaften.
  • Bislang sei die Branche der Fahrzeuglackierer in Alinas Beobachtung noch männlich dominiert. „Aber das ändert sich immer mehr. In der Berufsschulklasse war das schon viel ausgeglichener.“
  • Der Fahrzeuglackierer-Meisterkurs umfasst beispielsweise am bbz Arnsberg 650 Unterrichtsstunden und kostet knapp 5150 Euro – zuzüglich einer Prüfungsgebühr von 675 Euro.

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