Hilfsprojekt

Olpe: Corona trifft die Bongaschule in Südafrika hart

Beate Bergander (rechts) hat wochenlang 550 Masken für den guten Zweck genäht. Den Erlös von 3100 Euro hat sie Dr. Gerd Reichenbach (links) für seine Bongaschule gegeben.

Beate Bergander (rechts) hat wochenlang 550 Masken für den guten Zweck genäht. Den Erlös von 3100 Euro hat sie Dr. Gerd Reichenbach (links) für seine Bongaschule gegeben.

Foto: Roland Vossel / WP

Olpe.  Der Olper Arzt Dr. Gerd Reichenbach hat die Schule aufgebaut. Viereinhalb Monate fiel der Unterricht aus. Online-Lernen gibt es nicht.

Es ist sein Lebenswerk. Seit 1999 hat sich der Olper Arzt Dr. Gerd Reichenbach unermüdlich für den Aufbau der Bongaschule im Ngodini Tal im Zululand, einer der ärmsten Gegenden Südafrikas, eingesetzt. „Dass aus einer Schulbaracke, unserem ersten Klassenzimmer, durch die Unterstützung vieler Menschen aus dem Kreis Olpe, des Städtischen Gymnasiums Olpe, dem Rotary Club Olpe und regionalen Firmen ein Schulzentrum für fast 1000 Kinder vom Kindergarten bis zum Abitur entstehen würde, hätten wir in unseren kühnsten Träumen nicht erwartet“, sagt Dr. Reichenbach, der erstmals 1973 während der Semesterferien zur Famulatur in Südafrika war, im Gespräch mit unserer Redaktion.

Doch jetzt sind die Menschen im Zululand nicht nur durch die Armut gebeutelt, sondern auch durch das Coronavirus. „Die Pandemie hat Südafrika hart getroffen. Wenn sich das Virus in den übervölkerten Townships und Armenvierteln ausbreitet, sind die Folgen unabsehbar“, sagt Dr. Reichenbach. Viereinhalb Monate bis zum 3. August waren alle Schulen geschlossen. „Für die jungen Menschen im Ngodini Valley sind die Bonga High School und die Grundschule eine große Chance, dem Teufelskreis aus Armut, Aids, fehlenden Bildungschancen und hoher Jugendarbeitslosigkeit zu entkommen“, betont der Arzt aus Olpe.

Die Bongaschule gehe sehr verantwortungsbewusst mit dem Virus um, berichtet der 71-Jährige: „Da sehe ich keinen großen Unterschied zu uns bei den Maßnahmen, die sie ergreifen.“ Seit die Bongaschule Anfang August wieder öffnete, kommen jeweils 50 Prozent der Schüler alle zwei Tage zum Unterricht. Die Klassen wurden verkleinert. Die Abiklasse erhält auch samstags und sonntags freiwilligen Unterricht. „Sie haben Maskenpflicht in der Schule und im Unterricht. Jeden Tag wird bei jedem Schüler Temperatur gemessen“, so Dr. Reichenbach. Wenn ein Verdacht besteht, gibt es einen Abstrich und die Kinder und Jugendlichen kommen in Quarantäne. Einen schlimmen Coronafall hat es an der Bongaschule bislang noch nicht gegeben.

550 Masken genäht

„Die Regierung stellt ein bissen Geld für Desinfektionsmittel zur Verfügung, aber das reicht nicht aus. Wir haben aus unseren Spenden viele Masken, Desinfektionsmittel und große Wasserkanister gekauft“, berichtet der 71-Jährige. Auch Beate Bergander (58) habe hierzu einen wichtigen Beitrag geleistet. „Ich hatte Kurzarbeit. Da habe ich direkt beim Lockdown angefangen, Masken zu nähen. Freunde haben mir dafür Sekt und Schokolade gegeben. Da mir die Bongaschule sehr am Herzen liegt, bin ich auf die Idee gekommen, hierfür etwas zu machen. Die Menschen in Südafrika sind so arm und trotzdem so nett und freundlich“, sagt die Reiseverkehrskauffrau bei Hennecke-Reisen in Lennestadt-Theten. In Kirchveischede wurde ihr der Stoff gespendet. Wochenlang nähte sie insgesamt 550 Masken. „Jeder hat in seinem Rahmen gespendet“, so die 58-Jährige. 3100 Euro kamen für die Bongaschule zusammen. „Das ist eine Superaktion, ganz herzlichen Dank“, meinte Dr. Reichenbach.

In Südafrika habe es Anfang März die ersten Coronafälle gegeben, als Menschen aus Europa das Virus ins Land brachten, berichtet der Arzt aus Olpe: „Erst blieb die Krankheit bei den Weißen und sprang dann über zu den Schwarzen.“ 15.000 Corona-Tote habe es im 55-Millionen-Land Südafrika gegeben. Die Dunkelziffer sei hoch. Dass nicht, wie befürchtet, noch sehr viele Menschen mehr sterben, liege wohl auch am niedrigen Durchschnittsalter von 26 Jahren in Südafrika.

Ein Riesenproblem sei jetzt, dass die Kinder und Jugendlichen viereinhalb Monate keinen Unterricht gehabt haben, so Dr. Reichenbach. Online-Lernen und Digitalisierung sind ein Fremdwort. Mr. Xaba, der Rektor der Bongaschule, berichtet, dass viele Schüler mutlos geworden sind. „Die Pandemie hat erhebliche Auswirkungen auf die Bildungschancen der Kinder und Jugendlichen. Sie leiden am meisten darunter“, bringt es der Olper Arzt auf den Punkt. Schon jetzt liege die Jugendarbeitslosigkeit bei 50 Prozent.

Im vergangenen Jahr besuchte Dr. Gerd Reichenbach mit Schülern und Lehrern des SGO die Partnerschule in Südafrika. Einen weiteren Besuch im Frühjahr dieses Jahres verhinderte Corona. Derzeit telefoniert er wöchentlich mit Mr. Xaba und Sister Marlene, die sich vor Ort um das Projekt kümmert. Der Olper Arzt will im Frühjahr 2021 wieder zur Schule im Zululand. Der Einsatz für sein Lebenswerk geht unermüdlich weiter.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben