Prävention

Olpe: Das gesamte Kindeswohl im Blick behalten

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Der Arbeitskreis Prävention des Pastoralen Raums Olpe/Kirchspiel Drolshagen. Von links: Michaela Vierbücher, Daniel Prinz, Aline Püttmann, Sabine Epe und Johannes Hammer.

Der Arbeitskreis Prävention des Pastoralen Raums Olpe/Kirchspiel Drolshagen. Von links: Michaela Vierbücher, Daniel Prinz, Aline Püttmann, Sabine Epe und Johannes Hammer.

Foto: Jörg Winkel

Olpe/Drolshagen.  Bisher müssen Kinder im Schnitt zu sieben Erwachsenen gehen, bis sie Hilfe erfahren. Das soll bei der Kirche in Olpe und Drolshagen besser werden.

Es ist ein Thema, das nicht nur die katholische Kirche beschäftigt. Dennoch wird beim Schlagwort „sexuelle Gewalt“ von vielen besonders an die Fälle gedacht, die unter dem Mantel der Kirche geschehen sind und oft auch verborgen wurden. Was jahrzehntelang verschwiegen wurde, hat inzwischen zu einer Vielzahl von Maßnahmen geführt, zum einen, um zu vermeiden, zum anderen, um aufzuarbeiten. Seit dem Frühjahr hat sich im katholischen Pastoralen Raum Olpe/Kirchspiel Drolshagenein Team gebildet, dass sich der Prävention gegen sexuelle Gewalt verschrieben hat.

In allen Einrichtungen und Diensten des Bistums sollen Präventionsfachkräfte als Ansprechpartner zur Verfügung stehen, die das Thema permanent wachhalten und präsent sind, auch, damit Betroffene wissen, an wen sie sich wenden können. Dabei geht es einerseits um sexuelle Gewalt in jeder einzelnen Einrichtung, aber auch um die viel häufigeren Fälle, die in Familien vorkommen. Michaela Vierbücher: „Es gibt Statistiken, dass ein missbrauchtes Mädchen erst beim siebten Erwachsenen, den es damit konfrontiert, Hilfe erfährt. Unser Ziel: Es muss schon beim ersten funktionieren.“ Sie sollen auch Multiplikatoren sein, die jeder einzelnen Kraft in allen Einrichtungen, vom Hausmeister über die Pfarrsekretärin bis zum Diakon, Hinweise gibt, wie sexuelle Gewalt auffällt und wie bei Verdachtsfällen vorzugehen ist. Pfarrer Johannes Hammer, Leitender Pfarrer des Pastoralen Raums, hat im Arbeitskreis Aline Püttmann, Sozialpädagogin aus der OT im Lorenz-Jaeger-Haus Olpe, Michaela Vierbücher, Leitung der KOT Drolshagen, Daniel Prinz, Leitung des Offenen Ganztags an der Düringer-Grundschule und bei der Präventionsarbeit auch für den Offenen Ganztag der Gallenbergschule zuständig, sowie Sozialarbeiterin Sabine Epe, Verwaltungsreferentin des Pastoralen Raums, an seiner Seite. Ziel dieses Teams ist es, das Thema Prävention im gesamten Mitarbeiterstab zu etablieren. Daniel Prinz und Sabine Epe sind über das Erzbistum bereits zu Präventionsfachkräften weitergebildet worden, Aline Püttmann und Michaela Vierbücher besuchen die entsprechende Fortbildung ab November und sind bereits Schulungsreferenten.

Hinsehen und schützen

Eines der Ziele ist, dass jede Einrichtung über ein ausgearbeitetes Schutzkonzept verfügt. Auf der Homepage des Pastoralen Raums, www.pv-olpe.de, ist eines zu finden. Die KOT Drolshagen und die OT Olpe verfügen bereits über eigene Konzepte, die beiden Ganztagsangebote der Grundschulen sind gerade dabei, Konzepte zu erstellen.

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Nach und nach werden alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geschult, auch die Honorarkräfte. Und auch ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, etwa Messdienerleiter oder Pfarrgemeinderatsmitglieder, sollen in Sachen Prävention vor sexueller Gewalt aufgeklärt werden. „Hinsehen und schützen“ steht über allem.

Pfarrer Hammer erklärt: „Das Thema an sich ist ständig auf der Tagesordnung, und nach der Bildung des neuen Pastoralen Raums aus Olpe und Drolshagen wollen wir einen neuen Impuls setzen und auf dieses Team aufmerksam machen.“ Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geht der Auftrag sogar weiter; es soll keinswegs „nur“ bei sexueller Gewalt Alarm geschlagen werden, sondern immer dann, wenn das Kindeswohl gefährdet ist. „Das reicht von Kindern, die nicht ausreichend zu essen in die Schule mitbekommen, bis zu Fällen, wo Eltern schlagen“, berichtet Aline Püttmann. Ein immer größerer Bereich ist die Medienprävention. Hier sei eine wichtige Aufgabe der Präventionskräfte, Eltern die Scheu zu nehmen, sich mit dem Thema zu befassen, denn durch Internet und Smartphones komme es hier oft zu Fällen sexueller Gewalt, die ohne persönliche Kontakte möglich seien. Hier sei besonders wichtig, auf bestimmte Anzeichen zu achten, die Anlass gäben, nachzuhaken. „In jeder Einrichtung wird präsent sein, wer zuständige Präventionsfachkraft ist, aber das Ziel ist, dass letztlich jeder einzelne Mensch, der dort arbeitet, weiß, was zu tun ist“, so Pfarrer Hammer.

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