Radfahrer-Unfall

Olpe: Schranke wird zu Radfahrerfalle

Foto: Josef Schmidt

Olpe.  Der 74-jährige Willi Ochel stürzt an einer Schranke so schwer, dass er ins Krankenhaus muss. Erinnenrungen an tödlichen Unfall werden wach.

Es war eine der tagtäglichen Routine-Nachrichten: Die Pressestelle der Polizei teilt mit, dass sich ein 74-jähriger Pedelec-Fahrer am Pfingstmontag, 21. Mai, bei einem Sturz auf dem Radweg an der Bigge so schwer verletzt habe, dass er ins Krankenhaus transportiert worden sei. Ort des Geschehens: der Radweg zwischen Kessenhammer und Stade, genau an der Einmündung zum Kessenhammerweg.

Rippenbrüche und Schürfwunden

Das Unfallopfer ist der 74-jährige Willi Ochel aus Rüblinghausen, der an dem Tag mit seiner Frau Veronika zu einer Radtour aufgebrochen ist und dem das Schrankenende zum Verhängnis wird: Mehrere Rippenbrüche, Schürfwunden und Wirbelsäulen-Verletzungen. „Er hat großes Glück gehabt“, sagt seine Frau Veronika. Warum er die etwa 1,50 m breite Lücke zwischen der Schranke, die auf städtischem Gebiet steht, und dem Zaunpfahl am Wegesrand nicht „getroffen“ hat und so schwer gestürzt ist, weiß er nicht mehr und zuckt mit den Schultern: „Ich habe an die Sekunden des Unfalles keine Erinnerung mehr.“ Die Verletzungen weisen jedoch eindeutig daraufhin, dass Ochel mit der Hand oder dem Unterarm am Schrankenende hängengeblieben sein muss. Dadurch geriet er vermutlich ins Straucheln und ging wenige Meter weiter zu Boden. Veronika Ochel (67), die etwa 15 Meter vor ihm fuhr, erinnert sich: „Ich habe den dumpfen Aufschlag eines Fahrrades gehört und sofort gedacht: Der Willi ist gestürzt.“ Dabei seien beide nicht schnell unterwegs gewesen, sie mit einem normalen Fahrrad, nur ihr Mann mit dem elektronischen Pedelec. Ochel selbst versichert ebenfalls: „Wir sind nicht gerast, es war eine gemütliche Radtour über Neuenkleusheim, Engelsberg, Griesemert zum Haus am Blauen See.“ Und von dort dann Richtung Stade.

Gotthard Sperling tödlich verletzt

Ochels Unfall ist kein Einzelfall: In unregelmäßigen Abständen straucheln immer mal wieder Radfahrer an den Schrankenanlagen des Radweges entlang der Bigge. Tragischer Höhepunkt: Am 16. Juni 2010 bleibt der 73-jährige Gotthard Sperling aus Wenden auf dem Radweg in Stade genau wie Ochel am Schrankenende hängen. Der Rentner trägt damals allerdings keinen Helm, verletzt sich so schwer, dass er im Frühjahr 2012 an den Folgen verstirbt. Die Witwe Erika Sperling verklagt später den Ruhrverband, auf dessen Gebiet die Schranke steht, unterliegt aber mehrfach vor Gericht, bis hin zum Bundesgerichtshof. Grund: Dem Ruhrverband könne nicht auferlegt, für alle Eventualitäten vorzusorgen, auch Radfahrer müssten Vorsicht an den Tag legen.

Im Gespräch mit unserer Zeitung sagt Erika Sperling heute: „Ich habe nach wie vor Mühe damit, diese Urteile zu akzeptieren. Solche Schranken sind und bleiben für Radfahrer gefährlich. Es müsste doch technisch möglich sein, andere Lösungen zu finden, die für Radfahrer nicht zur Falle werden.“

Erfahrene Radfahrer

Auch das Ehepaar Ochel, das in telefonischen Kontakt zu Erika Sperling getreten ist, hält die Schranken auf den Radwegen für problematisch. Der einzige Grund, weshalb sie für eine Berichterstattung in unserer Zeitung zur Verfügung stellten, sei der, dass sie dadurch vielleicht etwas an der Situation verändern könnten.

Das Argument, ungeübte, überforderte Radfahrer müssten besser aufpassen, greift in beiden Fällen übrigens nicht: Sowohl die Ochels, als auch damals Gotthard Sperling waren geübte und erfahrene Fahrradfahrer.

Erika Sperling erinnert sich genau: „Mein Mann war gut trainiert und immer vorsichtig. Er hat lange Rad-Touren in ganz Deutschland gemacht.“

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