Einschulung

Olpe: Streit um große Schulklassen: „Situation katastrophal“

Die Grundschule Hohenstein nimmt nach jetzigem Stand 84 Erstklässler auf – in drei Eingangsklassen.

Die Grundschule Hohenstein nimmt nach jetzigem Stand 84 Erstklässler auf – in drei Eingangsklassen.

Foto: Heinrich Hendel / Copyright by Heinrich Hendel

Olpe.  Bis zu 28 Kinder pro Klasse: Lothar Epe beklagt sich über die Situation für Erstklässler in Olpe – und verbindet die Kritik mit einer Forderung.

20 Kinder in Dahl, 26 an der Düringerschule sowie jeweils 28 am Gallenberg, in Rhode und am Hohenstein – so groß werden nach derzeitigem Stand die Eingangsklassen an den Olper Grundschulen in diesem Sommer. Lothar Epe, CDU-Stadtverordneter und Ortsvorsteher von Oberveischede, ärgert sich über diese großen Klassen für i-Dötzchen: „Die Situation im Bereich der Eingangsklassen ist nur noch als katastrophal zu bezeichnen.“ Die Erstklässler erhielten „die schlechtestmöglichen Startbedingungen“, bemängelte er in der Stadtverordnetenversammlung am Mittwoch.

Seine Kritik richte sich ausdrücklich nicht an das städtische Schulamt. Vielmehr sei landesweit seit 2005 keine Verbesserung zu erkennen. In dieser Zeit seien die Anforderungen an die Lehrer deutlich gewachsen, erinnert Lothar Epe etwa an Digitalisierung und Inklusion. „Da sind 28 Kinder kaum noch zu führen“, verwies er auf den hohen Krankheitsstand in den Kollegien. „Mir tun die Kinder leid, mir tun die Eltern leid – und ich bedauere auch die Situation der Lehrer.“

Forderung nach Schuleinzugsbezirken

Eine Lösung könne die Wiedereinführung der Schuleinzugsbezirke sein, glaubt der Stadtverordnete. „Ja, damit geben wir die Wahlfreiheit der Eltern auf“, sagte Lothar Epe in der Versammlung, aber im Gegenzug könne die Stadt viel besser steuern, wie viele Kinder in welcher Grundschule aufgenommen werden. „Im Moment schieben wir die Verantwortung, Eltern abzusagen, doch den Schulleiterinnen zu.“

Aus Oberveischeder Perspektive komme ein weiteres Argument hinzu, erklärte der Ortsvorsteher: Bei der Entscheidung, welches i-Dötzchen aufgenommen wird, sei derzeit die Entfernung zur Schule ein wichtiges Kriterium. „Oberveischede ist aber von allen Grundschulen am weitesten entfernt“, befürchtet er eine Benachteiligung.

Die Verfahren in den Schulen seien klar geregelt, erwiderte Bürgermeister Peter Weber – und er erklärte: „Die Dramatisierung, dass hier katastrophale Zustände herrschen, kann ich nicht teilen.“ Natürlich sei es angenehmer, etwa nur 24 Jungen und Mädchen in einer Klasse zu unterrichten. „Aber ich vertraue den Lehrerinnen und Lehrern, dass das auch mit 28 Schülern funktioniert.“

NRW-Schulministerium macht Vorgaben

Die Klassengrößen könne eine Kommune ohnehin nicht beeinflussen. Bei 242 Lernanfängern in Olpe gibt das Landesschulministerium vor, dass maximal zehn Eingangsklassen an den Grundschulen entstehen dürfen. „Aufgrund der Raum- und Anmeldesituation sollen allerdings nur neun Eingangsklassen gebildet werden“, erklärt die Stadtverwaltung.

Das sei aber nur ein Zwischenstand, weil die Zuteilung zu den Förderschulen noch nicht abgeschlossen ist. Die Stadt erwartet, dass dadurch die Anmeldezahlen insbesondere am Hohenstein noch zurückgehen, so dass dort drei Klassen mit etwa 26 Schülern gebildet werden können. Bleibt es dort bei den aktuellen Zahlen, könnte eine vierte Klasse entstehen.

Gegen die Wiedereinführung von Schuleinzugsbezirken plädierte Volker Reichel (SPD). „Wir können sie einrichten, aber wir können sie nicht durchsetzen“, sagte er. Wer seine Kinder in einer anderen Schule anmelden wollte, habe auch früher über Ausnahmegenehmigungen immer eine Möglichkeit gefunden.

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