Arbeit

Olper Autozulieferer vertraut auf Flüchtlinge als Arbeiter

Die Migrantenmannschaft von Ohm & Häner im Drolshagener Werk freut sich, Teil des Unternehmens zu sein. Werksleiter Dr. Georg Dieckhues (Mitte)  und Tanja Gräve-Tillmann loben den Einsatz und die typisch deutschen Tugenden der Migranten, die hier vor Gussformen für Sportwagen-Kühlergehäuse stehen. Ohne die Flüchtlinge, so Dieckhues, sei es derzeit nicht möglich, den kräftig steigenden Arbeitskräftebedarf des Unternehmens zu decken.

Die Migrantenmannschaft von Ohm & Häner im Drolshagener Werk freut sich, Teil des Unternehmens zu sein. Werksleiter Dr. Georg Dieckhues (Mitte) und Tanja Gräve-Tillmann loben den Einsatz und die typisch deutschen Tugenden der Migranten, die hier vor Gussformen für Sportwagen-Kühlergehäuse stehen. Ohne die Flüchtlinge, so Dieckhues, sei es derzeit nicht möglich, den kräftig steigenden Arbeitskräftebedarf des Unternehmens zu decken.

Foto: Josef Schmidt

Olpe/Drolshagen.   Autozulieferer Ohm & Häner vertraut der Arbeitskraft von zahlreichen Flüchtlingen. Junge Männer aus zehn Nationen haben das gleiche Ziel.

Sie stammen aus Afghanistan, Guinea, Eritrea, Syrien oder Kurdistan, sind zwischen 18 und 42 Jahre alt und haben gleich mehrere Gemeinsamkeiten: Sie alle sind vor einigen Jahren nach Deutschland geflüchtet und momentan beim Olper Traditionsunternehmen Ohm & Häner beschäftigt. Dort ist Personal-Referentin Tanja Gräve-Tillmann voll des Lobes: „Wir sind dankbar, dass Menschen gekommen sind, die gerne arbeiten möchten. Unsere Zuwanderer sind fleißig, pünktlich, interessiert. Verkörpern eigentlich das, was man als deutsche Tugenden bezeichnet.“

Etwa ein Dutzend Mitarbeiter der 20-köpfigen Migranten-Mannschaft des Autozulieferers sind der Einladung für diesen Nachmittag gefolgt, um unserer Zeitung Rede und Antwort zu stehen. Auch Werksleiter Dr. Georg Dieckhues hat sich Zeit genommen: „Wir finden, dass man das in diesen Zeiten laut sagen muss. Wir brauchen diese Menschen und sind mit ihrer Leistungsbereitschaft sehr zufrieden.“

Flüchtlinge haben keine Angst vor harter Arbeit

Dieckhues und Gräve-Tillmann sind sich einig: Nicht nur der Fachkräftemangel drücke die Betriebe im Kreis Olpe, selbst das Angebot an ungelernten Arbeitskräften sei ein gravierendes Problem: „Wir sind ein stark wachsendes Unternehmen, wollen in naher Zukunft weiter einstellen, aber es fehlen Leute“, argumentiert Dieckhues. Nur rund 15 Prozent der Ohm & Häner-Mitarbeiter seien Fachkräfte. Vor allem für die Gießerei seien Arbeitskräfte schwer zu finden: „Hier ist es laut, es riecht nach Arbeit, manchmal ist es heiß. Es geht ja auch um flüssiges Metall.“

All das schreckt die jungen Männer, die überwiegend 2015 aus ihren Heimatländern nach Deutschland geflohen sind, aber nicht, wie sie beteuern: „Die Arbeit ist gut“, sagt Stanley Aiwasedo (31) aus Benin in Westafrika. Der gelernte Schweißer ist vor einem Monat über eine Leihfirma zu Ohm & Häner gekommen, wohnt in Hützemert und arbeitet wie die übrigen Migranten in der Produktion.

Wunsch zu Arbeiten ist groß

Auch Ferhart Yagbasan, 21-jähriger Kurde, ist mit seinem Job zufrieden, wenngleich er in seiner Heimat fünf Jahre in einer Bäckerei gearbeitet hat. Wie alle anderen auch, lässt der junge Mann keinen Zweifel an seinem großen Ziel: „Wir wollen alle in Deutschland bleiben.“

In der Sandgießerei arbeitet auch Hassan Omar Moumin (23), der im Oktober 2014 Somalia wegen des dortigen Krieges verließ. Auch für ihn gibt es nur ein Ziel: „Immer hier bleiben zu können.“

Ganz frisch beim Unternehmen sind Asef Husseini (23) aus Afghanistan und seine Landsleute Ahmad Hashemi (20) und Mahdi Hosseini (19). Die Zahl drei spielt in dem Leben des Trios eine wichtige Rolle: Sie sind vor drei Jahren nach Deutschland gekommen und seit drei Tagen bei Ohm & Häner. Wo sie ebenfalls am liebsten bleiben wollen. Hashemi ist zwar gelernter Schneider, die Umstellung auf den Job in der Industrie nimmt er aber gerne an: „Das ist überhaupt kein Problem. Ich will arbeiten.“ Einziger Wunsch: Bald in die Nähe des Unternehmens umziehen zu können. Momentan wohnt er noch in Elspe.

Studium wird nicht anerkannt

Vier der 20 Migranten haben Familie, kurz vor der Einbürgerung steht der 34-jährige Issa Sow, der mit einer Deutschen verheiratet ist und vier Kinder hat: „Das fünfte ist unterwegs“, freut sich der breit lächelnde Mann aus dem französischen Teil Guineas. Er wohnt in Schönau, hat bereits sechs Jahre bei McDonalds gearbeitet und ist seit Februar bei Ohm & Häner.

Ein Ingenieurs-Studium im Libanon hat der Palästinenser Noureddine Hamid (26) hinter sich: „Das wird hier aber nicht anerkannt“, bedauert er. Bei Ohm & Häner arbeitet er seit Mai 2017: „Ich bin hier sehr zufrieden, der Lohn ist gut, niemand wird hier in irgendeiner Form diskriminiert. Alle werden gleich behandelt.“ Ein Blick in die durchweg nickende Runde bestätigt Hamid.

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