Aktionstag

Olper Förderschule beteiligt sich am „Welttag des Sehens“

Mit einer sogenannten Braillezeile schreibt Lucas Bartlewski seinen Text auf. Der 18-Jährige ist Schüler an der LWL-Förderschule mit dem Schwerpunkt Sehen in Olpe.

Mit einer sogenannten Braillezeile schreibt Lucas Bartlewski seinen Text auf. Der 18-Jährige ist Schüler an der LWL-Förderschule mit dem Schwerpunkt Sehen in Olpe.

Foto: Flemming Krause

Olpe.   Tag der Begegnung in der Schuleinrichtung unter dem Motto „Mit anderen Augen sehen“. WP-Redakteur Flemming Krause wagt den Selbstversuch.

Lucas Bartlewski ist ein junger, ehrgeiziger Mann. Im Sommer kommenden Jahres wird er aller Voraussicht nach seinen Schulabschluss machen. „Danach möchte ich gerne eine Ausbildung als Kaufmann für Büromanagement in Angriff nehmen“, sagt der 18-Jährige, der in Schmallenberg zu Hause ist. So klingen Ziele eines normalen Teenagers.

Doch so normal wie seine Wünsche sind viele Situationen des Alltags für Lucas nicht. Denn der junge Mann ist aufgrund einer Augenerkrankung nahezu blind.

Der 18-Jährige besucht deshalb die LWL-Förderschule mit dem Schwerpunkt Sehen in Olpe. Am gestrigen Donnerstag, dem von der Weltgesundheitsorganisation ausgerufenen „Welttag des Sehens“, öffnete die Schule ihre Türen für die Öffentlichkeit. Dazu hatte sie auch einige Kooperationspartner und Aussteller eingeladen. „Wir würden gerne aufmerksam machen auf die Lage unserer sehbehinderten Schüler“, erklärt Schulleiterin Angela Vollmer, warum die Olper sich mit einem Offenen Tag der Begegnung unter dem Motto „Mit anderen Augen sehen“ beteiligen. Sie ergänzt: „Ich denke, es ist ganz wichtig, dass wir gegenseitig Rücksicht nehmen.“ Es sei wichtig zu wissen, dass blinde oder sehbeeinträchtigte Menschen eine schwarze Tasche auf dunklem Boden nicht erkennen können, nennt Vollmer ein Beispiel. Dafür brauche es Verständnis.

Der Selbstversuch:

Wie fühlt es sich an, in einer Klasse zu sitzen und überhaupt nicht lesen zu können, was die Lehrerin an die Tafel geschrieben hat? Und wie schreibt es sich, ohne die Buchstaben zu erkennen? Diese beiden Fragen brennen mir unter den Nägeln, als ich gemeinsam mit Vollmer die Klasse von Lucas betrete. Es wird gerade Englisch gepaukt. Doch einen kurzen Augenblick nimmt sich der 18-Jährige, um mir zu zeigen, wie er schreibt. Und zwar auf einer sogenannten Braillezeile in Kombination mit einem Notebook. Ich sehe auf dieser Zeile nur winzig kleine Punkte, doch Lucas erfühlt darauf Buchstaben und weiß somit, was er gerade zu Papier (oder bessere gesagt auf das Display) gebracht hat. Unglaublich.

Es sieht so spielend leicht aus. Doch nur wenige Minuten nach dem kurzen Besuch in der Klasse wird mir klar: Einfach ist das alles nicht. Ich sitze vor einem mobilen Bildschirm, auf meiner Nase eine Brille, die den Grauen Star simulieren soll. Die Aufgabe, die mir René Hanebeck vom Unternehmen LVI, das elektronische Hilfsmittel unter anderem für sehbeeinträchtigter Schüler herstellt und als Aussteller in Olpe zugegen ist, klingt einfach wie banal: Ich soll meinen Vornamen aufschreiben. Acht Buchstaben. Flemming. Doch es dauert einige Minuten, bis ich mich halbwegs an das Gerät gewöhnt habe. Erst als ich verstehe, wie ich mit dem Gerät näher an das Blatt Papier heranzoomen und gewisse Farbkontraste einstellen kann, komme ich meinem Ziel näher. Etwas krickelig, aber dennoch lesbar steht einige Augenblicke später mein Vorname auf Papier. Endgültig erkennen kann ich es aber erst , als ich die Brille wieder abgesetzt habe. „Das ist geistiger Hochleistungssport, den die Kinder hier betreiben“, betont Hanebeck.

Ein Zimmer weiter hat sich Thomas Krumm, Augenoptikermeister aus Hilchenbach, ausgebreitet. Er hat sich laut eigener Aussage mittlerweile zu einem großen Teil auf Spezialsehhilfen spezialisiert. Zu seinem Portfolio zählt deshalb auch die OrCam, eine sprechende Brille (das ist kein Witz!). Was sie alles können soll, klingt unglaublich: Die Brille, betont Krumm, könne gedruckte Texte lesen, die Uhrzeit erkennen, Barcodes ablesen oder auch Personen erkennen.

Das will ich testen. Also setze ich mir die gute Brille auf und schaue auf einen Flyer, der vor mir liegt. Und tatsächlich: Die Brille spricht mir Sekunden später genau vor, was vor mir auf dem Flyer niedergeschrieben steht. Nur mit der Uhrzeit, das will dieses Mal nicht so wirklich funktionieren. Vielleicht liegt es daran, dass ich gar keine Uhr trage? „Nein“, sagt Krumm, „alleine durch die Drehung im Handgelenk weiß die Brille, dass sie die Uhrzeit sagen soll. Die ist in ihr abgespeichert.“ Nur will sie jetzt gerade nicht. Der Vorführeffekt eben.

Wieder bei Lucas: Er hat seinen englischen Text fehlerfrei aufgeschrieben. Ohne etwas zu sehen.

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