Trageberatung

Olperin stärkt mit gewebter Liebe die Eltern-Kind-Bindung

Ausgestattet mit einer Puppe zeigt Christina Baars die verschiedenen Tragemöglichkeiten.

Foto: Linda Sonnenberg

Ausgestattet mit einer Puppe zeigt Christina Baars die verschiedenen Tragemöglichkeiten. Foto: Linda Sonnenberg

Olpe.   Trageberaterin Christina Baars möchte ihren Kunden durch den Einsatz von Tüchern und Tragehilfen den Familienalltag erleichtern

Gewebte Liebe - ein ungewöhnlicher Name. „Ich wollte etwas, das im Kopf bleibt“, gibt Christina Baars lachend zu. Seit fünf Jahren ist die gebürtige Olperin als Trageberaterin aktiv. Doch was genau tut eine Trageberaterin eigentlich?

,,Ich zeige den Eltern, wie sie sich und ihrem Kind durch den Einsatz von Tragehilfen den Alltag erleichtern können“, erklärt Baars. Die Idee dazu kam ihr während ihrer Zeit in Stuttgart. Den Alltag in einer Großstadt mit kleinem Kind zu meistern, stellte die 32-Jährige immer wieder vor Herausforderungen: ,,Je größer die Stadt ist, desto eher ist man auf den Nahverkehr angewiesen. Aber mit einem Kinderwagen stößt man doch immer wieder an seine Grenzen.“

So reifte in ihr der Entschluss, ihre Tochter lieber tragen anstatt schieben zu wollen. Durch eine Trageberaterin in Siegen lernte sie, sie ihr Kind optimal zu binden. ,,Die Skepsis gegenüber Tragegurten und Tragetüchern hat sich inzwischen gewandelt. Und in Afrika oder Asien ist es absolut üblich sein Kind zu tragen“, weiß Baars zu berichten.

Die Vorteile des Tragens

Denn das Tragen bringt laut Baars verschiedene Vorteile mit sich. Zum einen besteht ein praktischer Nutzen: „Man hat sein Kind immer dabei, baut eine Bindung auf und hat trotzdem die Hände frei, zum beispielsweise im Haushalt noch etwas zu tun.’’ Aber auch anatomisch bietet das Tragen Vorteile: ,,Es ist gut zu tragen. Nicht nur für die Bindung, manche Kinder haben nach der Geburt noch Blockaden. Oder aber die Hüftentwicklung ist noch nicht ganz abgeschlossen. Dann verschreiben Ärzte oft Spreizhosen. Diese bringen die Kinder in die gleiche Position, die sie auch beim Tragen haben.“

Dem schließt sich auch Janina Köster an. Die Olper Hebamme rät ihren Kunden immer dazu, ihre Kinder, wenn es möglich ist, zu tragen, wie sie selbst sagt: „Es ist nicht nur entlastend für die Eltern, sondern fördert auch nachgewiesener Maßen die Bindung. Ausprobieren sollten es wohl alle einmal.“

Ablauf der Beratungsstunde

Doch wie läuft eine Beratungsstunde, bei der Christina Baars immer zu den Kunden nach Hause kommt, eigentlich ab? „In der Regel dauert eine Beratung circa anderthalb Stunden“, erklärt die 32-Jährige. In dieser Zeit erklärt die Trageberaterin den Eltern die verschiedenen Bindeweisen eines Tuches: „Es gibt mehr 50 verschiedene Arten“, so Baars, gibt allerdings lachend zu: „Für den Anfang reichen drei, sonst kommt man eher durcheinander, als dass man wirklich etwas behält.“ Doch bevor mit Tuch und Babypuppe geübt wird, ist erst einmal die Theorie dran. „Ich erkläre den Eltern, wieso es positive Auswirkungen hat, wenn man sein Kind trägt und räume auch mit Unsicherheiten auf, was zum Beispiel die Sicherheit oder Stabilität anbelangt.“

Ausnahmen gibt es auch

Aber natürlich gibt es auch immer Ausnahmen: „Niemand sollte sich dazu zwingen, das Kind zu tragen, wenn es demjenigen selbst unangenehm ist, oder schmerzt.“ Vor allem, wenn schon Rückenprobleme, wie Bandscheibenvorfälle oder Ähnliches vorliegen, sollten sich die Eltern gut informieren, ob sie sich nicht doch schaden. Und auch Sport ist untersagt, wie Baars immer wieder erklären muss: „Viele denken: Oh super. Dann kann ich mein Kind mit zum joggen oder Fahrrad fahren nehmen. Das geht natürlich nicht. Die Verletzungsgefahr ist einfach viel zu groß. Aber man kann super mit den Kindern wandern gehen, wenn man sie sich auf den Rücken bindet.“

Um einen idealen Überblick zu verschaffen, hat die Olper Trageberaterin inzwischen 15 Tragehilfen angesammelt. Einen Trend, ob eher Tücher, oder eher Tragehilfen in Anspruch genommen werden, ist aus ihrer Sicht bisher nicht nachzuvollziehen: „Das hält sich die Waage und kommt immer individuell auf die Eltern an.“ Sie selbst hat nur gute Erfahrungen mit ihrer eigenen Tochter gemacht und freut sich, diese auch an ihre Kunden weitergeben zu können: „Es ist natürlich praktisch, wenn man aus einem eigenen Erfahrungsschatz schöpfen kann.“ Und Baars ist sich auch sicher: „Durch das Tragen geht es in den Familien entspannter zu. Denn die Bindung zwischen Eltern und Kind wird intensiviert und vor allem bei Zweitkindern kommt erst gar keine Eifersucht auf, weil immer noch Hände frei sind, um sich mit diesem zu beschäftigen.“

Alle bisherigen Folgen der Serie finden Sie online unter wp.de/olpefamilie

Auch interessant
Leserkommentare (1) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik