Serie: Familienbande

Elisas „Omchen“ Barbara aus Attendorn ist jung geblieben

Sie haben einen sehr guten Draht zueinander: Elisa Schmitz und ihre Oma Barbara aus Attendorn.

Sie haben einen sehr guten Draht zueinander: Elisa Schmitz und ihre Oma Barbara aus Attendorn.

Foto: Flemming Krause

Attendorn.   Wenn mehrere Generationen unter einem Dach wohnen, kann das schwierig sein. Oder es klappt bestens wie bei Elisa Schmitz und ihrer Oma.

70 Jahre liegen zwischen Elisa Schmitz und ihrer Oma Barbara. Die Schülerin vom St.-Ursula-Gymnasium ist 17, ihre Großmutter 87. Doch der Altersunterschied steht nur auf dem Papier. „Omchen“, wie Elisa gerne sagt, ist jung geblieben. „Ich bin keine vertrocknete Alte, ich mache noch einiges mit“, sagt die Rentnerin über sich selbst und muss dabei lachen. „Sie ist für mich mehr eine große Schwester oder beste Freundin“, fügt Elisa an. „Sie ist so lebensfroh und zeigt mir, was im Leben wichtig ist.“

Warmherzige Beziehung

Wer die beiden beobachtet, wie sie einander angucken, wie oft sie lachen und wie sie voneinander sprechen, der stellt fest: Die Verbindung zwischen Oma und Enkelin ist warmherzig und locker, schlicht besonders. Dafür gibt es eine Reihe von Gründen. Elisa und ihre Oma wohnen quasi unter einem Dach: Die Schülerin mit ihrer Mutter und ihrem Bruder, der allerdings nur selten zu Hause ist, in der einen Wohnhaushälfte, „Omchen“ in der anderen.

Attendornerin spricht über ihre Oma

Wenn Elisa die Zeit findet – aufgrund langer Schulzeiten, Freunden und dem Fußball-Hobby ist sie spärlich geworden –, dann hilft sie ihrer Oma beim Aufhängen der Wäsche, bringt ihr etwas aus dem Supermarkt mit „oder mäht bei mir im Garten den Rasen“, verrät Barbara, die seit 1960 in Attendorn lebt, „dabei springt dann auch etwas raus.“ Ein bisschen Taschengeld, versteht sich. Doch das wichtigste für Elisa: Sie kann ihre geliebte Oma jederzeit erreichen, „die Wege bei uns sind kurz.“

Schlafplatz bei „Omchen“ beliebt

Als Elisa noch kleiner war, spielte ihre Oma bereits eine große Rolle. „Wir haben viel unternommen“, berichtet die Großmutter, „Elisa war früher sehr oft bei mir. Ich habe sie in den Kindergarten gebracht, mit ihr gespielt und gebastelt oder wir sind schwimmen gegangen.“ Früher hat die Gymnasiastin nicht selten das eigene Bett gegen einen Schlafplatz bei „Omchen“ getauscht. Dort fühlte sie sich immer wohl.

Später, als Elisa in die Schule ging und die erste Fremdsprache lernte, setzten sich Oma und Enkelin an einen Tisch und lernten Vokabeln. „Sie hat mich dann immer abgefragt“, weiß die junge Attendornerin noch genau. Und sogar, wie man einen Briefkopf verfasst, hat Elisa von ihrer Oma gelernt. „Ich habe selber nie Briefe bekommen“, erzählt Elisa, „deshalb haben Oma und ich uns gegenseitig Briefe geschrieben.“

Die beiden Attendorner haben sogar dieselbe geschmackliche Vorliebe – und zwar für Schweinsöhrchen, ein süßes Gebäck aus Blätterteig. „Mittlerweile bringen wir uns das gegenseitig mit“, erzählt Elisa, und Barbara ergänzt: „Ich habe damit angefangen, doch jetzt macht Elisa das auch.“

Oma würde gerne noch Moped fahren

Dass ihr „Omchen“ jung geblieben ist, lässt sich auch daran erkennen, dass sie gerne mal mit Elisa Moped fahren würde – auch wenn das bislang noch nicht passiert ist. „Mein Mann hatte früher auch einen Roller“, erklärt die 87-Jährige, „da bin ich schon gerne mitgefahren.“ Diese Lust auf Abenteuer hat sie bis heute nicht verloren.

Ihre Oma hat zwei Jungs zur Welt gebracht – unter anderem Elisas Papa, der früh verstarb. „Vielleicht haben wir auch deshalb ein so enges Verhältnis, weil es fast nur Jungs bei uns gab“, erklärt Elisas Großmutter, „wir können uns über Sachen unterhalten, die nur uns Frauen etwas angehen.“ Dass die beiden mal Streit hatten, mag man kaum glauben, doch wenn es notwendig war, dann konnte Elisas Großmutter auch auf den Tisch hauen – und die junge Attendornerin in die Schranken weisen.

An eine ernsthafte Auseinandersetzung können sie sich allerdings nicht mehr erinnern. Und das liegt weder am Alter von Elisas Großmutter noch an einer Vergesslichkeit der Schülerin.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben