Abschied

Pallottiner verlassen Olpe

Die Pallottiner feierten mit Vertretern der Diözese und Gästen aus den Ortskirchen und den pallottinischen Nachbargemeinschaften einen Gottesdienst zum Abschied. Vorne v.l.: Pater Bernd Hartwig, Weihbischof Dr. Dominicus Meier OSB, Pater Otmar Steinebach, Provinzial Pater Helmut Scharler und Pater Christoph Hammer.

Die Pallottiner feierten mit Vertretern der Diözese und Gästen aus den Ortskirchen und den pallottinischen Nachbargemeinschaften einen Gottesdienst zum Abschied. Vorne v.l.: Pater Bernd Hartwig, Weihbischof Dr. Dominicus Meier OSB, Pater Otmar Steinebach, Provinzial Pater Helmut Scharler und Pater Christoph Hammer.

Foto: Engel

Olpe.   Ein trauriger Tag, aber: In Olpe waren nie ausschließlich die Pallottiner pallottinisch

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Es war ein trauriger Tag für Olpe. „Eine Zeitenwende in der Geschichte der Stadt“, wie der Provinzial der Pallottiner, Pater Helmut Scharler, und auch Weihbischof Dr. Dominicus Meier OSB konstatierten. Vergangenen Samstag, an „Epiphanie“, nahmen die Pallottiner mit einem festlichen Gottesdienst Abschied von dem Ort, an dem sie mehr als einhundert Jahre gewirkt haben.

Viele Menschen waren in die Kirche im Osterseifen gekommen. Neben Prominenz aus Kirche, Politik, Verwaltung und Gesellschaft auch ganz normale Gläubige, Frauen, Männer, Kinder und Jugendliche. Eine große bunte Gemeinschaft als Bild dafür, wie eng und vielgestaltig die Verbundenheit der Menschen hier zu den Pallottinern ist. Oder wie Provinzial Scharler es so schön ausdrückte: „In Olpe waren nie ausschließlich die Pallottiner pallottinisch.“ Spätestens als die Hatzenbergbläser nach dem Schlusssegen „Ein Haus voll Glorie schauet“ anstimmten, hatten nicht Wenige Tränen in den Augen. „Ich bin hier aufgewachsen, habe in dieser Kirche geheiratet, meine Kinder sind hier getauft, ein Pallottiner ist Pate und schon meine Eltern waren hier aktiv“, so Kerstin Halbe und die Wehmut, die allenthalben zu spüren war, machte sich auch bei ihr bemerkbar. Eine andere Besucherin erzählte: „Für mich ist es ganz schrecklich. Es ist die einzige Kirche zu der ich wirklich einen Bezug habe.“

Menschen Heimat geben

Dass die Pallottiner den Dreikönigstag für ihren Abschied wählten, hat seinen Grund. Seit jeher ist dieses Fest für die Gemeinschaft etwas ganz Besonderes und hat eine lange Tradition. Der heilige Vinzenz Pallotti feierte es mit seiner Gemeinschaft 1836 zum ersten Mal in Rom. „Die Gemeinschaft der Pallottiner und ihre vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hatten immer eine Ausstrahlungs- und Anziehungskraft. Sie waren eine kleine Epiphanie. Hier geschah das, was damals der Auftrag der Engel und des Sterns war: Menschen Heimat, Halt und Orientierung zu geben, Wegbegleiter zu sein in ihrem Suchen nach Spiritualität, Glauben und Lebenssinn“, sagte Provinzial Pater Helmut Scharler in seiner Festpredigt. „Ich wünsche mir, dass etwas von dem Licht bleibt, das wir Pallottiner vor mehr als 100 Jahren nach Olpe gebracht haben. Dieser Ort ist nun nicht mehr. Und das soll nicht beschönigt werden“, so Scharler und verband seinen Dank für die Treue der Olper mit einer Bitte: „Auch wenn wir Patres nicht mehr hier als Gemeinschaft sind, tragen Sie dieses Licht weiter, seien Sie Laterne, Lichtgestalt und Stern.“ Weihbischof Domenicus Meier bezeichnete die Olper Pallottiner und ihr Haus als „einen Segen für das Südsauerland, ein Stück Heimat, eine spirituelle Quelle und einen Ort, über dem wirklich ein guter Stern stand und weiter stehen wird.“

Worte des Dankes, des Bedauerns und der Hoffnung fand auch Olpes Bürgermeister Peter Weber. Er erinnerte an den hiesigen Anfang der Pallottiner mit einem Kaufvertrag mit der Stadt über ein Waldgrundstück am Osterseifen im Jahr 1915. Und er erinnerte an jenen Juni 1941, als sich hunderte Bewohner der Kreisstadt mit lauten Protesten gegen das Gestapo-Kommando und die Besetzung des Pallottinerklosters stellten. „Hier zeigte sich die Bedeutung der Pallottiner besonders deutlich“, so der Bürgermeister. „Danke für mehr als einhundert Jahre Wirken. Sie waren für Generationen von Olpern jeden Alters ein Zuhause.“

Goldener Ehrenbecher

Ein besonderes Geschenk aus den Händen von Pater Bernd Hartwig bekam Alt-Bürgermeisterin Wilma Ohly, quasi stellvertretend für alle, die sich mit den Pallottinern verbunden fühlen.

In ihre Obhut, und weiter an das Stadtarchiv oder an das erhoffte Museum, übergab der Pater den 1995 an die Pallottiner verliehenen Goldenen Ehrenbecher der Stadt.

„Als Erinnerung daran, dass wir immer noch da sind, wenn auch nicht hier.“ Man kann es ruhig betonen: Es war eine gleichsam traurige wie erhabene Stunde in der Pallottinerkirche. Provinzial Scharler gelang es, das auszudrücken, was die vielen Anwesenden bewegte.

Aus der Geschichte der pallottinischen Gemeinschaft, ihrem Sein und ihrem Schaffen und verbunden mit konkreten Gesichtern. So wie dem unvergessenen Pater Herbert Joppich oder den Patres Steinebach, Hartwig und Hammer, die bis zuletzt Stellung gehalten haben. „Trauer, die nicht lähmt, ist gut“, so Scharler. „Sie erinnert an all das Gute, das hier durch konkrete Menschen geschehen ist und daran, dass die Verbundenheit, die gewachsen ist, wie selbstverständlich zum Leben gehörte.“

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