Darmkrebs

Peter Srodka will wachrütteln

Der hellbraune Beutel gehört seit der Darmkrebs-Operation zum Leben von Peter Srodka dazu. Der ehemalige Fußballtrainer hat einen künstlichen Darmausgang und will wachrütteln: „Auf jeden Fall zur Darmkrebsvorsorge gehen!“

Foto: Josef Schmidt

Der hellbraune Beutel gehört seit der Darmkrebs-Operation zum Leben von Peter Srodka dazu. Der ehemalige Fußballtrainer hat einen künstlichen Darmausgang und will wachrütteln: „Auf jeden Fall zur Darmkrebsvorsorge gehen!“

Olpe.   Der langjährige Fußballtrainer appelliert: „Zur Darmkrebsvorsorge gehen!“

Als Fußballer und langjähriger Trainer ist Peter Srodka (75) im Kreis Olpe wohl so ziemlich jedem ein Begriff, der mal mit dem runden Leder in Berührung gekommen ist. Und wer den drahtigen Ruhrpöttler einmal persönlich am Spielfeldrand kennenlernen durfte, weiß: Der Mann redet Klartext.

Genau das macht er jetzt wieder: „Ich sag’ es jedem, der es hören und nicht hören will. Geht zur Darmkrebs-Vorsorge!“ Srodka sagt das genau in dem Tonfall, in dem er seinen Spieler früher in der Halbzeitkabine die Leviten gelesen hat: Widerspruch zwecklos.

Dass er bei dem Thema eine solche Leidenschaft an den Tag legt, hat einen nachvollziehbaren Grund. Der befindet sich wenige Zentimeter neben seinem Bauchnabel: Srodka hat seit dem vergangenen Sommer einen künstlichen Dickdarm-Ausgang.

Kleiner Beutel ständiger Begleiter

„Ich will die Leute mit meiner Geschichte aufrütteln, besser noch schockieren. Denn wenn ich die Vorsorge-Untersuchung früher gemacht hätte, wäre mir das hier erspart geblieben“, wirkt er fast ein wenig wütend auf sich selbst und zeigt auf den kleinen hellbraunen Beutel, der bis an sein Lebensende sein ständiger Gefährte bleiben wird. Der Beutel nimmt die Ausscheidungen auf, für die vor seinen Operationen sein Enddarm zuständig war.

Der Leidensweg mit mehreren OP’s und Krankenhausaufenthalten in Olpe und Köln begann genau am 11. Mai 2017. Der damals 74-Jährige, durchtrainiert und topfit, macht das, was man eigentlich ab dem 55. Lebensjahr tun sollte – eine Darmkrebsvorsorge-Untersuchung. Einen Anlass dafür gibt es nicht, beteuert Srodka: „Keine Bauchschmerzen, keine Essensunverträglichkeit, keine Müdigkeit, nichts. Ich hatte im Fernsehen den Chefarzt unseres Olper Martinus-Krankenhauses, Dr. Ebert, gesehen, der für die Vorsorgeuntersuchung geworben hat. Da bin ich dann mal gegangen.“

Die Untersuchung selbst sei ein Klacks gewesen: „Am Tag vorher so eine Abführflüssigkeit trinken, jede Menge Wasser und vor der Darmspiegelung noch ‘was zur Beruhigung. Nach einer viertel Stunde bin ich aufgewacht und konnte wieder nach Hause gehen.“

Bösartige Tumor 3,5 cm groß

Was darauf folgt, ist kein Klacks mehr. Die niederschmetternde Diagnose: „Ein 3,5 Zentimeter großer bösartiger Tumor am Enddarm.“ Auch für einen, der sich ansonsten nicht so leicht aus der Bahn werfen lässt, ist das ein Schock.

Den er aber noch irgendwie gefasst getragen habe, im Bewusstsein, dass die Operation nun mal sein müsse.

Vielleicht auch deshalb, weil er nicht weiß, was kommt: „Das war ganz schön happig. Sechs Wochen Krankenhaus, drei Operationen, Schmerzen, Brechreiz und schließlich zwei künstliche Ausgänge, einer aus dem Dünndarm, einer aus dem Dickdarm. Das volle Programm.“ In Köln folgt eine weitere Operation, danach bleibt es bei einem künstlichen Ausgang. Im Fachjargon ist Srodka jetzt Stomaträger.

Selbsthilfegruppe

Der ehemalige Zeitsoldat redet nicht um den heißen Brei herum: „Da ist und bleibt immer ein Loch in der Bauchdecke.“ Und der Beutel, der sein mobiler Enddarm geworden ist.

Ab und zu finden natürlich auch Blähungen ihren Weg dorthin, weder geräusch- noch geruchlos, genau wie bei jedem anderen Menschen auch. Mit dem Unterschied, dass Srodka sie nicht kontrollieren kann. „Wenn ich in der Oper sitze und das passiert, müsste ich eigentlich ein Schild hochhalten mit der Aufschrift: Ich bin Stomaträger“, grinst er.

Wobei er ehrlich einräumt, dass ihm das Lachen in den vergangenen Monaten oft vergangen sei: „Es gab schon Phasen der Niedergeschlagenheit, und ohne meine Frau wär’ das alles nicht gegangen.“ Eine große Hilfe für ihn sei in solchen Phasen auch die ILCO-Selbsthilfegruppe gewesen, lobt er: „Da sollte jeder hingehen, der so etwas hat.“

Fitness bringt keine Gewissheit

Was dem durchtrainierten Sportler, der mit eiserner Disziplin all die Jahre sein Kampfgewicht halten konnte, noch besonders am Herzen liegt, bringt er mit wenigen Sätzen genau auf den Punkt: „Ich habe immer gesund gelebt, viel Sport gemacht, wenig Alkohol getrunken. Und gerade wir Sportler halten uns vermutlich auch deshalb für unverwundbar. Aber das ist ein folgenschwerer Trugschluss. Diesen Gegner hier kann man nur mit einer Taktik besiegen, und die heißt Vorsorge.“

Dr. Karl-Heinz Ebert informiert

Dr. Karl-Heinz Ebert ist Chefarzt in der Chirurgie am Olper St. Martinus-Hospital (Allgemein- und Visceralchirurgie) und unter anderem für Darmkrebsvorsorgeuntersuchungen und Darmoperationen zuständig. Im Gespräch mit unserer Zeitung weist er auf eine noch junge Untersuchungsmethode hin: „Es gibt einen verbesserten Teststreifen für die Stuhlproben, den sogenannten I-FOBT-Test.“ Die Abkürzung stehe für Immunologischer Fäkal Occult Blut Test. Dabei werde der für die Diagnose wichtige Gehalt an rotem Blutfarbstoff gemessen.

Ebert: „Wenn sich bei diesem Test herausstellt, dass die Probe unter 100 Nanogramm roten Blutfarbstoff pro Milliliter enthält, hat man zu über 90 Prozent Sicherheit, dass kein negativer Befund vorliegt.“ Bei über 100 Nanogramm sei die sofortige Vorsorgeuntersuchung angezeigt. Denn eine aktuelle Studie mit über 3000 Probanden habe bewiesen, dass bei mehr als 100 Nanogramm rotem Blutfarbstoff zu über 40 Prozent ein ernster Befund vorliege.

Bei den 50- bis 54-Jährigen sei dieser neue Test sinnvoll, ab 55 sei die Darmspiegelung alternativlos.

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