Erziehung

Pflegevater Thorsten Garske: „Ich bin Papa auf Zeit“

Thorsten Garske ist Pflegevater. Seit elf Jahren kümmert er sich zusammen mit seiner Familie um zwei Jungs. Im Kreis Olpe werden dringend Pflegeeltern gesucht.

Thorsten Garske ist Pflegevater. Seit elf Jahren kümmert er sich zusammen mit seiner Familie um zwei Jungs. Im Kreis Olpe werden dringend Pflegeeltern gesucht.

Foto: Verena Hallermann / WP

Kreis Olpe.  Thorsten Garske aus Drolshagen ist Pflegevater. Zusammen mit seiner Familie kümmert er sich um zwei Teenager. Warum er das nie bereuen würde.

Es ist eigentlich nur ein Familienfoto, das die Kellerbar von Thorsten Garske ziert. Doch dem Drolshagener bedeutet es viel. Das Bild zeigt ihn zusammen mit seiner Frau und seinen drei Kindern. Ein Nachbar hat es ihm vor ein paar Jahren eingerahmt zum Geburtstag geschenkt. „Die Garskes“ hat er darüber geschrieben. Dass es sich bei den beiden Jungs um Pflegekinder handelt, spielt keine Rolle. Warum auch? Schließlich sind sie schon längst Teil der Familie geworden. „Wir wollen unser Glück weitergeben“, erklärt der Vater. „Sie gehören zu uns, genau wie unsere leibliche Tochter.“

Eine Bereicherung

Die Garskes, das sind Thorsten (50), Sabine (49), Lena (15), Felix* (14) und Benjamin* (15). Die beiden Jungs leben seit 2008 bei der Drolshagener Familie. Sie sind Brüder und stammen aus schwierigen Verhältnissen. Bei den Garskes haben sie wieder Halt gefunden, erfahren Zuneigung. „Wir würden es jederzeit nochmal tun“, sagt Garske. „Die zwei sind auf jeden Fall eine Bereicherung für unsere Familie.“

Natürlich haben sich Thorsten und Sabine Garske ihre Entscheidung gut überlegt. Ihnen ist klar, dass sie helfen können und wollen. Sie sind sie eine von rund 110 Pflegefamilien im Kreis Olpe, die in Begleitung vom Pflegekinderdienst Viento und dem Jugendamt als Vormund, Kindern und Jugendlichen ein neues Zuhause schenken. Zumindest vorübergehend. „Man muss sich bewusst sein, dass die Kinder jederzeit wieder gehen können“, erklärt Garske. „Man ist eben Vater oder Mutter auf Zeit.“

Denn wie lange die Schützlinge tatsächlich bleiben, ist unklar. Manchmal verlassen sie erst im Erwachsenenalter die Pflegefamilie. Manchmal kehren sie aber auch zu den leiblichen Eltern zurück – sofern das Wohl des Kindes gesichert ist.

Die Voraussetzungen für die Pflegeelternschaft sind überschaubar. Auch Alleinerziehende oder homosexuelle Paare, Menschen unabhängig von der Religion, können sich bewerben. Vertreter des Pflegekinderdienstes Viento führen Gespräche mit den Bewerbern, prüfen ob die Rahmenbedingungen stimmen. Zudem müssen ein Gesundheitsattest und ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis vorgelegt werden. ,„Wichtig ist, dass das Kind in ein funktionierendes Familiensystem kommt“, erklärt Walter Dreisbach, Mitarbeiter bei Viento. „Die ganze Familie, muss die Betreuung mit tragen. Es wäre beispielsweise ein Problem, wenn das Pflegekind bei Oma und Opa nicht schlafen darf, der leibliche Enkel aber schon.“

Keine Konkurrenz

Die Pflegefamilie braucht vor allem Zeit, Energie und Verständnis. Jedes Kind hat eine Vergangenheit. Möglicherweise ist es anstrengend, das Verhalten nicht immer nachvollziehbar. Auch die leiblichen Eltern müssen akzeptiert werden. Gegebenenfalls stehen regelmäßige Besuche an. So auch bei den Garskes. „Da gibt es keine Konkurrenz“, erzählt der 50-Jährige, der beim Sozialwerk St. Georg als Projektleiter arbeitet. „Die Jungs haben von Anfang an Mama und Papa zu uns gesagt. Ihre leiblichen Eltern nennen sie Mutter und Vater. Die Kinder haben selbst entschieden, wie sie mit der Situation umgehen.“ Ein sechsteiliges Seminar hat die Familie auf ihre neue Rolle vorbereitet. Viento bietet zudem Weiterbildungsangebote an. Alle sechs Monate finden „Hilfeplan-Gespräche“ mit allen Beteiligten statt, in den beispielsweise Interessenkonflikte geklärt werden. Aber auch sonst werden die Pflegefamilien mit ihrer Aufgabe nicht alleine gelassen. „Viento ist im Prinzip ein großer Bruder“, sagt Garske. „Sie unterstützen uns jederzeit.“

Und es funktioniert. In den elf Jahren haben sich Felix* und Benjamin* gut entwickelt, sind richtige „aufgeweckte Kerlchen“, wie Thorsten Garske erzählt. „Beide haben schulisch enorme Fortschritte gemacht, einer geht Richtung Abi“, sagt er. „Ansonsten sind sie halt Teenager. Und da gibt es eben die üblichen Schwierigkeiten.“

Der Familienvater möchte auch andere dazu motivieren, Pflegekinder aufzunehmen. Denn – so betont er – Glück ist besonders erfüllend, wenn man es teilen kann.

*Namen von der Redaktion geändert

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