Berufung

K.o.-Tropfen-Prozess: Neuauflage am Landgericht Siegen

Foto: Thomas Nitsche

Olpe/Siegen.   Ein Drolshagener soll Frauen sexuell gefügig gemacht haben. Er wurde in Olpe zu drei Jahren Haft verurteilt. Bald beginnt die Berufungsverhandlung.

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Der Prozess gegen einen 56-Jährigen aus Drolshagen, der Frauen mit K.-o.-Tropfen sexuell gefügig gemacht haben soll, wird neu aufgerollt. Die Verteidigung hatte Berufung gegen das Urteil eingelegt. Die Verhandlung beginnt am Freitag, 20. April, vor dem Siegener Landgericht.

Es war ein spektakulärer Prozess, der für Gesprächsstoff sorgte. Für drei Jahre hatte das Schöffengericht Olpe den Angeklagten am 26. Juli 2016 ins Gefängnis geschickt. In sechs Fällen habe er Frauen K.-o.-Tropfen oder ähnliche Substanzen in Getränke geschüttet, um sie widerstandslos zu machen und anschließend Sex mit ihnen zu haben. „Der Angeklagte ist aufgrund der Angaben der Zeuginnen überführt. Die gesundheitsgefährdende Substanz lässt sich nicht ermitteln, hat aber in allen Fällen ihre Wirkung gezeigt. Es kam zu erheblichen Ausfallerscheinungen“, hatte Olpes Richter Richard Sondermann damals die Haftstrafe ohne Bewährung begründet.

„Buch der Errungenschaften“

Ermittler hatten bei der Durchsuchung der Wohnung des 56-Jährigen in Drolshagen im April 2014 ein „Buch der Errungenschaften“ mit Namen von 191 Damen sowie eine Tüte mit Damenunterwäsche, versehen mit Namen und Daten, gefunden. Über Dating-Portale hatte der Angeklagte Kontakt zu den Frauen mittleren Alters geknüpft, die ihn später in seiner Wohnung besuchten. Nachdem eine Frau Anzeige erstattet hatte, ermittelte die Polizei über die Bucheinträge fünf weitere Frauen, die dieses Trauma ebenfalls erlebt haben sollen.Vor Gericht schilderten sie, dass der Mann ihnen Substanzen in Kaffee und Prosecco gemischt habe, um sie sexuell gefügig zu machen.

Der 56-Jährige hatte zwar eingeräumt, dass es bei ihm zwischen Oktober 2012 und April 2014 „raus- und reingegangen sei wie in einem Hühnerstall“, die Vorwürfe aber abgestritten: „Ich habe nichts beigemischt. Es war einvernehmlicher Sex.“

Den Gang ins Gefängnis musste der 56-Jährige bisher noch nicht antreten. Er ist auf freiem Fuß. Der Grund: Sein Verteidiger Klaus Hesse hatte auf Freispruch plädiert, weil es keine objektiven Beweismittel gebe. Er war nach dem Urteilsspruch in Berufung gegangen. Auf der anderen Seite hatte auch die Staatsanwaltschaft Berufung gegen das Urteil eingelegt, diese aber auf die Rechtsfolge, also die Höhe des Strafmaßes, beschränkt. Hintergrund: Im Olper Gericht hatte Staatsanwältin Theresa Steiger sogar vier Jahre Haft gefordert. Wie die Pressestelle des Siegener Landgerichtes jetzt auf Anfrage mitteilte, sind sechs Verhandlungstage vor der Berufungskammer terminiert.

Nach den eingelegten Berufungen hatte das Landgericht weitere Ermittlungen veranlasst. Ein Sachverständiger wurde beauftragt, ein toxikologisches Gutachten zu erstellen. Zwei langhaarigen Frauen wurden dazu Haarproben entnommen. Diese wurden in der Rechtsmedizin Bonn auf Rückstände von Substanzen geprüft. Damit sollte geklärt werden, ob Substanzen verabreicht wurden und vor allem, um welche Substanzen es sich gehandelt hat. Nach Informationen dieser Zeitung hat das Gutachten jedoch nicht zu den erhofften weiteren Erkenntnissen geführt. Es konnte nichts nachgewiesen werden an Substanzen, die er verabreicht haben könnte.

Angeklagter bestreitet Vorwürfe

„Er bestreitet weiterhin massiv, etwas in die Getränke beigemischt zu haben“, sagte Verteidiger Klaus Hesse auf Anfrage dieser Zeitung. Auf Anregung des Olper Anwaltes werden in der Berufungsverhandlung weitere Damen gehört: „Viele andere Frauen haben bei ihm einen schönen Abend gehabt und bei der Staatsanwaltschaft bestätigt, dass es keine besonderen Vorkommnisse gegeben hat.“

Zudem sei die Anzeige erst von einer Frau erstattet worden, der sich dann fünf weitere angeschlossen hätten. „Sie haben sich aber nur angeschlossen, weil sie von der Staatsanwaltschaft angeschrieben worden waren, nicht von sich aus“, betonte Hesse. Und: „Vier bis fünf der Frauen haben auch hinterher noch Kontakt zu ihm gehabt. Viele andere haben an Polizei und Staatsanwaltschaft zurückgeschrieben, dass alles ok gewesen sei.“

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