Stallprojekt

Reiterhof Eickhoff baut in Kruberg einen Wohnpark für Pferde

Julian Eickhoff mit Schwester Kirsten, Mutter Melanie und Lebensgefährtin Carina Himmelrath (von links) auf der Baustelle des neuen Bewegungs- und Aktivstalls. Für Esel "Sammy" ist bereits ein Platz reserviert. 

Julian Eickhoff mit Schwester Kirsten, Mutter Melanie und Lebensgefährtin Carina Himmelrath (von links) auf der Baustelle des neuen Bewegungs- und Aktivstalls. Für Esel "Sammy" ist bereits ein Platz reserviert. 

Foto: Volker Eberts

Kruberg.  Die Familie Eickhoff erweitert ihren Hof in Kruberg um einen Aktiv- und Bewegungsstall für Pensionspferde.

Schwere LKW kippen tonnenweise Schotter ab, mit einem Radlader wird Mutterboden abgeschoben. Es ist mächtig was los auf der Baustelle am Rande des kleinen Ortes Kruberg im Rahrbachtal in der Gemeinde Kirchhundem. Aus gutem Grund, denn dort, wo sich zurzeit noch Schotterberge türmen, wird in wenigen Monaten eine besondere Stalllandschaft für rund 30 Pferde entstehen. Die Familie Eickhoff erweitert ihren Pferdehof um einen Aktiv- und Bewegungsstall. „Es wird ein Wohnpark für Pferde werden“, sagt Julian Eickhoff.

Artgerechte Haltung

Für den 32-jährigen studierten Argrarwissenschaftler und seine Lebensgefährtin Carina Himmelrath (29) ist das Projekt aber viel mehr als nur eine Betriebserweiterung bzw. ein neuer Stall. Kern des Konzepts ist die artgerechte Haltung von Pensionspferden.

Früher war die Mutterkuhhaltung die Haupterwerbsquelle des Hofes Eickhoff. 2006 baute die Familie eine Reithalle mit 27 Pferdeeinstellboxen für Pensionspferde. Das heißt: Pferdebesitzer können ihre Lieblinge hier in einer gemieteten Box einstellen, der Betrieb kümmert sich um Fütterung und andere Serviceleistungen. Die 3,5 mal 3,5 Meter großen Boxen, mit Futtertrog und Fenster ausgestattet, waren damals moderner Standard in der Pferdehaltung.

Boxen mit Terrasse

Aber die Anforderungen auch an die Pferdehaltung ändern sich. Julian Eickhoff erkannte dies und baute die Hälfte der Einstellboxen an der Außenseite in sogenannte Paddock-Boxen um. Die Fenster wurden zu Türen erweitert und die Boxen bekamen eine 4,50 mal 3,50 Meter große „Terrasse“, die sie wann immer sie wollen betreten können, nur durch bewegliche Kunststoffvorhänge vor Wind und Wetter geschützt. „Seitdem sind die Tiere deutlich ausgeglichener geworden. Es tut den Tieren gut, denn Pferde müssen und wollen raus“, erklärt Eickhoff.

Seine Mieter honorieren das, seit dem Umbau ist der Hof nahezu komplett ausgelastet. Eickhoff: „Auch bei den Menschen hat ein Umdenken stattgefunden. Tierwohl gilt ja nicht nur für Masttierhaltung.“

Vor diesem Hintergrund entschloss sich die Familie „den nächsten Schritt“, wie der 32-Jährige sagt, zu machen und den Reiterhof um ein komplett neues Stallsystem zu erweitern, einen Aktiv- und Bewegungsstall für ca. 30 Pferde in Gruppenhaltung mit moderner Technik, angepasst an die ureigenen Instinkte und Bedürfnisse der Pferde.

Pferde sind Herdentiere

„Denn die haben sich nicht geändert“, so Julian Eickhoff. Pferde sind von der Ethologie her Herdentiere mit einer klaren Rangordnung in der Gruppe. „Deshalb brauchen Pferde vor allem viel Platz“, erklärt Eickhoff. Andererseits seien Pferde auch Dauerfresser, die sich nicht genug bewegen würden.

Der neue Bewegungsstall berücksichtigt all diese Parameter: Auf 6000 qm Grundfläche entsteht eine Anlage mit zwei Liegehallen, drei Raufutterfressbereichen, Tränken, drei Integrationsboxen für Neuzugänge in der Pferde-WG, einen Wälzplatz mit Kratzbaum, etc.

Bewegung den ganzen Tag

Eine extra große 5 mal 5 Meter große Chill Out Box, deren Tür sich schließt, sobald ein Pferd sie betritt, lädt zum Zurückziehen und zum Stressabbau ein. Über ein Gangsystem sind alle Bereiche miteinander verbunden, so dass sich die Pferde auf der Fläche den ganzen Tag frei bewegen können.

Alle Tiere bekommen einen Transponder mit einem Chip am Bein, der mit dem Futtermittelcomputer verbunden ist. In diesem ist für jedes Tier ein eigenes Futterprogramm gespeichert. Nähert sich das Tier einer der drei Futterstationen, werden die Daten ermittelt und der Computer entscheidet, ob für das Tier Kraftfutter ausgegeben wird oder nicht. Julian Eickhoff, der früher als Futtermittelberater gearbeitet hat: „Man kann am PC für jedes Tier ein individuelles Tagesprogramm erstellen.“

10 Kilometer pro Tag

Zur Bewegung werden die Pferde auf den 4.000 qm großen Freiflächen durch die verschiedenen Gänge mit Schleusen, die nur in eine Richtung öffnen, animiert. Eickhoff: „Bei diesem Konzept laufen die Tiere bis zu 10 Kilometer am Tag.“ Und Bewegung ist gesund, für Mensch und Tier. Viel Bewegung und viel Platz, dazu kontrollierte Fütterung gelten in der Pferdehaltung auch aus wissenschaftlicher Sicht als besonders positiv. Studien haben gezeigt, dass die Pferde ausgeglichener und weniger anfällig für Krankheiten sind.

Die Technik für den neuen Stall stammt aus Österreich. Bis diese eingebaut werden kann, müssen das Gelände modelliert und die Gebäude aufgestellt werden. Diese werden farblich und auch hinsichtlich der Bauform typisch sauerländisch aussehen. Die Böschungen am Rande des neuen Bewegungsstalls werden begrünt. Bis Jahresende soll alles fertig sein und die vierbeinigen Bewohner können in ihr neues Zuhause einziehen.

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