Jubiläum

Rekord: Paul Wilhelm Thiel leitet seit 40 Jahren Theater der Lennestadt

Lennestadt.   Seit 40 Jahren leitet Paul-Wilhelm Thiel die Kulturgemeinde Hundem-Lenne mit großem Erfolg - ein Rückblick und Ausblick.

Nach der Theatersaison ist vor der Theatersaison. Das gilt im besonderen Maße für Paul Wilhelm Thiel, den Vorsitzenden der Kulturgemeinde Hundem-Lenne. Schon zu Beginn der laufenden Saison ist Lennestadts Kulturmanager Nummer 1 bereits dabei, die Verträge für die nächste Spielzeit abzuschließen - und das seit 40 Jahren. Am 3. Juni 1977 übernahm der heute 79-jährige die Leitung des Kulturvereins und ist sich seinem eigenen Anspruch immer treu geblieben, auch wenn es immer schwerer wird, in der Provinz ein qualitativ gutes Programm zusammen zu stellen.

Theatermarkt im Umbruch

„In den Jahren hat sich einiges getan“, sagt Paul Wilhelm Thiel. Nicht nur der gesamte Theatermarkt ist im Umbruch, der Publikumsgeschmack hat sich geändert und auch die finanziellen Rahmenbedingungen sind nicht mehr so wie früher. Aber Thiel ist ein alter Fuchs, mit besten und verlässlichen Kontakten in die Tourneetheater-Szene und so gelingt es immer wieder, die qualitative Messlatte für das Theater der Lennestadt nicht abrutschen zu lassen. Die gerade geendete Saison sei in jeder Hinsicht erfreulich gewesen, so Thiel. „Auch von den Zuschauerzahlen können wir zufrieden sein“, sagt Thiel, um im gleichen Atemzug zu mahnen, dass die Zahl der Abonnenten und damit der Mitglieder der Kulturgemeinde konstant bleiben müsse. „Die Zuschauerzahlen sind unsere Planungsbasis“, sagt er. Und die Planungen werden von Spielzeit zu Spielzeit nicht einfacher, im Gegenteil.

„Die Auswahl wird schwerer. In den letzten drei Jahren haben drei namhafte Tourneetheater geschlossen, zum Teil aus Altersgründen, teilweise aber auch aus Enttäuschung über die Verflachung des Spielbetriebs“, sagt Thiel. Die Theater Greve GmbH in Hamburg, die Theatergastspiele Kempf GmbH im München und nicht zuletzt das Ellen Schwiers Ensemble gibt es nicht mehr. „Wir haben sehr erfolgreich aus diesen Quellen geschöpft“, sagt Thiel. Mit diesen Häusern ist auch ein gutes Stück Theaterkultur verschwunden.

„Früher lag der Schwerpunkt auf literarischem Theater, heute wimmelt es von Filmvorlagen“. Und auf der Bühne ist nicht alles gut, was im Kino gut ist. „Da ich alle Stücke lese, kenne ich die Inhalte. Ein Bühnenstück ist viel intensiver, weil hier nur das Wort zählt, das ist ganz anders als beim Film“, so der Theaterprofi.

Trotz all dieser Zwänge ist es dem Vorstand der Kulturgemeinde unter Leitung von Paul Wilhelm Thiel gelungen, für die kommende Spielzeit wieder ein hochkarätiges Programm zu bauen, Thiels 40. und damit ein Jubiläumsprogramm, das diesem Anspruch auch gerecht werden wird. Die Zahl der Vorstellungen wurde von 27 auf 31 aufgestockt.

MoZART Group zum Auftakt

Die Saison startet mit einem Frühstart am Donnerstag, 17. August, mit der MoZART Group aus Polen. Das vierte Gastspiel dieser Gruppe, von der ein Ensemblemitglied aus Lennestadts Partnerstadt Otwock stammt, findet im Rahmen der Feierlichleiten zum 25. Jubiläum der Städtepartnerschaft Lennestadt-Otwock statt.

Der bekannte Vorstellungsrhythmus startet dann vier Wochen am Donnerstag, 21. September, später mit dem Psychothriller „Die Therapie“ als Uraufführung. Nur zwei Tage später kommt Dieter Nuhr mit der Vorpremiere seines neuen Programm ins Theater der Lennestadt, übrigens zum 8. Mal in 20 Jahren - immer ausverkauft.

Paul Wilhelm Thiel erinnert sich, dass er 1996 ein Interview mit dem damals noch unbekannten Künstler im Radio hörte, daraufhin zu dessen Vorstellung seines Soloprogramms „Nuhr am Nörgeln“ in Halver reiste und den heute wohl bekanntesten deutschen Comedian für die Spielzeit 1997/98 verpflichtete. „Unser Sonderprogramm ist unser Stolz“ sagt Thiel.

Nuhr zum achten Mal

Von Nuhr über Zingsheim, Malmsheimer, Florian Schroeder, Mathias Richling bis zur Springmaus gibt sich die Creme der la Creme der deutschen Kleinkunstszene im Meggener PZ die Klinke in die Hand. Aber auch das gehobene Boulevard-Theater mit einigen Komödien mit bekannten Namen, die Musik u.a. mit dem Neujahrskonzert und das Kinder- und Jugendtheater kommen auch in der neuen Spielzeit - wie gewohnt - nicht zu kurz.

Paul-Wilhelm Thiel selbst wünscht sich zu seinem Jubiläum eigentlich nur, dass die Theaterbegeisterung im Ostkreis auch in Zukunft anhalten wird.

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