Trockenheit

Rettungsaktion für Fische aus Drolshagener Mühlenteich

Die Eichener Dorfbewohner bei ihrem Einsatz im verschlammten Mühlenteich, um die Fische zu retten.  

Foto: Birgit Engel

Die Eichener Dorfbewohner bei ihrem Einsatz im verschlammten Mühlenteich, um die Fische zu retten.  

Drolshagener / Eichener Mühle.   Dorfbewohner siedeln Karpfen und Co. in einen Container um. Kreis kritisiert den „Wasserklau“ von Anliegern

Das gab es noch nie im Kreis Olpe. Ein ganzes Dorf beteiligt sich in Drolshagen-Eichen an einer Rettungsaktion für Fische, denen der Tod in einem ausgetrockneten Fischteich drohte.

Die anhaltende Hitzewelle und die immer weiter sinkenden Wasserstände machen auch der Eichener Mühle zu schaffen. Der Pegel des Mühlenteichs, der von den Bächen Rose und Brachtpe gespeist wird, sank in den letzten Tagen so stark, dass Mühlenbesitzer Manfred Maiworm um seine Fische bangte. „So etwas habe ich noch nicht erlebt. Die Zuläufe sind komplett trocken“, sagt Maiworm. Selbst in sehr warmen Sommern wie beispielsweise 1976 habe der Teich immer noch etwas Frischwasser bekommen.

Fische umgesiedelt

Mit einer Aktion der Dorfgemeinschaft wurden die Fische nun am Donnerstag umgesiedelt. Rund 30 Bürger jeden Alters packten mit an, um die Spiegelkarpfen, Wildkarpfen, Rotfedern, Aale, Döbel, Gründlinge und Stichlinge mit bloßen Händen und Keschern zu fangen.

Für eine Übergangsbleibe für die Fische hatte Manfred Maiworm gesorgt: ein Stahlcontainer mit einem Fassungsvermögen von sieben Kubikmeter. „Der Container ist dicht und ich habe eine Umwälzpumpe installiert, damit das Wasser mit Sauerstoff angereichert wird“, so Maiworm, der sich sodann Freitagmorgen auf die Socken machte, um sich weiter zu informieren, wie er die Fische zu füttern hat. „Das ist ja absolutes Neuland für mich.“

Das Wasser für den Container lieferte die Stadt Drolshagen, die den Hydranten anzapfte. Und er wurde mit einem Netz zum Schutz vor Fischreihern ausgestattet. Damit hoffen die Eichener nun, dass die Fische vom Mühlenteich die Trockenzeit überleben, bis sie in ihre Heimat, den Mühlenteich, zurückkehren können.

Aber es ist nicht nur die wochenlange Dürre, die die Bäche und Flussläufe versiegen lässt. Auch der Faktor Menschen spielt eine Rolle. nicht wenige Kleingärtner und Hauseigentümer in Gewässernähe zapfen die Bäche an: Pumpe im Baumarkt besorgt und fertig ist das kostensparende Bewässerungssystem.

Die Untere Wasserbehörde des Kreises Olpe hat in den letzten Tagen bei Kontrollgängen an Gewässern im Sauerland trotz der niedrigen Pegel etliche Schläuche in den Gewässern gesichtet.

Das Abzapfen in Trockenzeiten ist aber illegal, so der Kreis. „Das Entnehmen oder Ableiten von Wasser aus einem oberirdischen Gewässer ist für Anlieger nur zulässig, wenn die Abflussmenge erhalten bleibt, die für das Gewässer selber und andere hiermit verbundene Gewässer erforderlich ist. Sobald schädliche Gewässerveränderungen zu erwarten sind, sind Pumpen im Bachlauf für den privaten Gebrauch nicht mehr zulässig“, so der Kreis gestern in einer Pressemitteilung.

Durch die lang anhaltende Trockenzeit und stetig weiter fallende Pegel seien Schäden an den Ökosystemen derzeit nicht mehr auszuschließen.

Wasser heizt sich schnell auf

Denn durch das Abpumpen des Bachwassers sinke nicht nur der Wasserspiegel. Das verbleibende Wasser heizt sich viel schneller auf und der Sauerstoffgehalt, eine wesentliche Lebensgrundlage für die Wasserbewohner, sinkt. Zum Teil saugen die Pumpen die letzten Tropfen aus den Bächen. Dies führt in vielen Fällen nicht nur zu einer dauerhaften Schädigung der Natur, sondern kann auch zu wirtschaftlichen Schäden derjenigen Nutzer führen, die über ein Recht zur Wasserentnahme verfügen, wie zum Beispiel in den Teichanlagen der Fischereiökologie des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) in Albaum.

John Hellmann, Leiter des Fischgesundheitsdienstes des LANUV in Kirchhundem-Albaum, erklärt: „Hohe Temperaturen und geringe Wasserverfügbarkeit bringen die Fischbestände derzeit an die Grenzen ihrer Belastbarkeit. In vielen Fischzuchten ist die Lage angespannt, dazu gehören auch die Teiche hier in Albaum.“

In den Teichen werde gerade jetzt in der heißen Trockenzeit auch um das Überleben gekämpft und jeder Tropfen Wasser könne über Leben und Tod entscheiden.

Vielen Menschen sei nicht bewusst, dass sie durch Wasserentnahmen in dieser Trockenzeit einem ganzen Ökosystem den Lebensraum entziehen könnten und viele Wasserbewohner somit zum Tode verurteilen.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik