Olper Kultursommer

Ron Williams begeistert mit Soulstimme auf Olper Markplatz

Ron Williams (vorne) mit dem Jörg-Seidel-Trio, hinten v.l. Christoph Münch (Piano), Gerold Donker (Bass) und Jörg Seidel (Gitarre)

Foto: Volkher Pullmann

Ron Williams (vorne) mit dem Jörg-Seidel-Trio, hinten v.l. Christoph Münch (Piano), Gerold Donker (Bass) und Jörg Seidel (Gitarre) Foto: Volkher Pullmann

Olpe.   Er war ein wenig im Reisestress, dennoch hat es Ron Williams am Donnerstag pünktlich zum Olper Kultursommer geschafft.

„Gestern Abend war ich noch zu einer Premiere in Coburg, bin heute Morgen um fünf Uhr aufgestanden, musste sieben Mal umsteigen und war schließlich um 15 Uhr in Olpe“, gab Ron Williams in einer „Privataudienz“ in der Pause preis. „In dieser Zeit hätte ich auch nach San Francisco fliegen können.“ Aber der große Entertainer, Sänger und Schauspieler machte deutlich, dass er trotz der Diasporalage von Olpe gerne wieder gekommen sei.

Keine kreischenden Teenager vor der Bühne. Das in Ehren ergraute Semester war deutlich in der Überzahl. Der Besuch hielt sich allerdings in einem überschaubaren Rahmen. Mag sein, dass Ron Williams und das Jörg-Seidel-Trio in der breiten Öffentlichkeit nicht den Bekanntheitsgrad haben, den sie verdienen. Aber wer sich von dem schauerlichen Wetter nicht hat abhalten lassen, hat zweifellos eine glänzende und vor allem inspirierende, aber auch emotionale Vorstellung versäumt.

Denn ob Soul, Blues oder Jazz – die Symphonie mit dem Swing-Trio ergab einen ganz neuen Sound, den das Publikum mit Begeisterung aufgenommen hat. „Die große Soulstimme Deutschlands interpretiert die Soulklassiker der 60er- und 70er-Jahre – das ‚Jörg-Seidel-Trio‘ schafft den unerwarteten und überraschend frischen Sound abseits der Hörgewohnheiten“, so die Ankündigung auf der Homepage der Stadt Olpe. Und das gelang zu hundert Prozent.

„Der Kultursommer bleibt definitiv eintrittsfrei“, so Klarissa Hoffmann, Leiterin der Kulturabteilung der Stadt, schon im Vorfeld, „und das soll auch so bleiben. Schließlich wollen wir den Bürgern auch mal etwas zurückgeben.“ Sie betonte, dass an diesem zweiten Donnerstagabend des Kultursommers 2017 ein ganz spezielles Publikum angesprochen wird. Und für dieses Publikum wurde in Erwartung der feuchten Angelegenheit sogar kurzfristig ein Zeltdach errichtet.

Funke springt schnell über

Ron Williams verstand es immer wieder, mit Songs wie Mona Lisa, Diggin for Diamonds, I Got A Woman oder Stand By Me, um nur einige zu nennen, nicht nur Ray Charles und Nat King Cole zu interpretieren, sondern gleichzeitig die Fans zu inspirieren. Und so sprang der Funke mit den ersten Takten über. Das Publikum fühlte sich sofort animiert zum Mitwippen, Klatschen und Fingerschnippen, ja sogar zeitweilig zum Mitsingen – es war einfach „groovy“.

Der große Entertainer machte auch nicht vor der Politik Halt. „Alle Länder machen Fehler, auch Deutschland. Wir hatten die Bushs, jetzt aber haben wir den Schlimmsten.“ Und bereits zuvor: „Adenauer war mein Zeitzeuge, als ich eine Ausbildung bei der Militärpolizei machte. Nat King Cole hat da gerade angefangen zu singen. Und die weißen Brüder und Schwestern waren nicht gerade sehr nett zu ihm. Ich habe erfahren, was Rassismus heißt.“

Eine andere Geschichte endet dort, wo Ray Charles geboren ist, in dem US-Bundesstaat Georgia. „Dreißig Jahre hatte er dort Auftrittsverbot“, erzählte er den nachdenklichen Zuhörern, „dann sang Ray Charles eine Ballade mit dem Titel ‚Georgia on my Mind‘. Doch er meinte damit nicht den Bundesstaat, sondern eine Frau.“ Und dieser Sound wurde zur Hymne des südlichen Bundesstaates. Die Erfahrung ließ Ron Williams auch Projekte in Deutschland wie „Schule ohne Rassismus“ unterstützen.

Zu einer Zugabe ließ sich das Quartett nicht lange bitten. Die eröffnete der charismatische Sänger mit einem Augenzwinkern: „Ein Saloon. Sinatra in den 40er-Jahren. Für Menschen mit seelischen Problemen war der Gehirndoktor zu teuer. Dann ging’s in den Saloon, ein Akt der Befreiung. Zwei Uhr nachts. Ein Drink folgte dem andern. Jetzt sind Sie der Barmixer. Ich, Ron, bin der Typ mit den Drinks…“. Und dann gab der große, alte Mann des Soul seinen Ausstand auf der Olper Bühne. Standing Ovations gab es nicht – die Fans standen sowieso schon.

Restlose Zufriedenheit

„Das Publikum ist großartig“, so Ron Williams schon in der Pause im Separee. Nicht enden wollender Applaus verabschiedete ihn sowie den Jazz-Gitarristen Jörg-Seidel, den Pianisten Christoph Münch und Gerold Donker am Bass. Die Dame aus Wenden, der „zu Hause wegen des Regens die Decke auf den Kopf fiel“, war zufrieden.

Und die Fans? Wolfgang aus Olpe: „Zu den Beatles Revival komme ich wieder.“ Auch Horst aus Attendorn, Dauerläufer, früher selbst Drummer und Kenner der Szene: „Meine Erwartungen wurden erfüllt. Ron Williams kann doch alles.“ Restlose Zufriedenheit machte sich breit. Vom Wetter sprach niemand mehr.

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