Abriss

Sanierungsstau: Kirche in Neu-Listernohl wird abgerissen

Die 1963 bis 1965 gebaute große Saalkirche aus Backstein und Stahlbeton wird abgerissen.

Die 1963 bis 1965 gebaute große Saalkirche aus Backstein und Stahlbeton wird abgerissen.

Foto: martin droste

Neu-Listernohl.   St. Augustinus-Kirche in Neu-Listernohl wird abgerissen und durch kleineren Neubau ersetzt. Ergebnisse des Architektenwettbewerbs bis Mitte 2019.

Die Entscheidung ist den Beteiligten nicht leicht gefallen, aus ihrer Sicht war sie aber alternativlos. Die 1963 bis 1965 gebaute katholische Pfarrkirche St. Augustinus in Neu-Listernohl wird abgerissen und durch einen kleineren Neubau ersetzt. Kirchenvorstand und Pastoralverbund haben das Planungsbüro „compar“ aus Dortmund mit einem entsprechenden Architektenwettbewerb beauftragt. Die Ergebnisse sollen Mitte 2019 vorgestellt werden.

„Das ist eine große Herausforderung“, weiß Pfarrer Andreas Neuser, dass bei vielen älteren Dorfbewohnern emotionale Erinnerungen wieder hochkommen. Denn die im alten Ort Listernohl aufgewachsenen Gläubigen haben schon einmal eine Kirche verloren. Die Reste der von Domkapitular Prof. Dr. Alexander Schnütgen gestifteten katholische Kirche in Listernohl versanken 1965 in den Fluten der neuen Biggetalsperre.

Am Schützenfestsonntag 1965 wurde das Allerheiligste feierlich von der alten Kirche in das neue Gotteshaus St. Augustinus in Neu-Listernohl gebracht. Auch Hochaltar, Orgelprospekt, Kanzel und einige Heiligenfiguren fanden in der modernen Saalkirche aus Backstein und Stahlbeton ihren Platz.

„Die Kirche war ein Geschenk von Domkapitular Prof. Schnütgen im alten Dorf“, berichtet Orland Pfeiffer, der schärfste Gegner der Kirchenpläne im ehemaligen Golddorf. Pfeiffer ist in Neu-Listernohl eine Institution, steht in seinem Kampf gegen den Abriss aber allein auf weiter Flur. „Ich habe keine Mitstreiter im Ort“, weiß der 81-Jährige. An seiner Kritik hält Pfeiffer aber fest und befürchtet, dass aus Platzgründen nicht mehr alle Figuren in den Neubau mitgenommen werden können und der Hochaltar verkleinert werden muss. „Dann bleibt nur ein Torso übrig“, schüttelt er den Kopf.

Erheblicher Sanierungsstau

Pfarrer Andreas Neuser kennt die Bedenken von Orland Pfeiffer. Aber für den Leiter des Pastoralverbundes Attendorn und den Kirchenvorstand Neu-Listernohl gibt es keine andere Wahl. Der Sanierungsstau der alten Bausubstanz aus den 1960er Jahren ist erheblich. Die Energiekosten sind viel zu hoch. Zudem ist das Gotteshaus für die immer kleiner werdende Kirchengemeinde einfach zu groß.

Nach intensiven Überlegungen, Treffen mit Sachverständigen, Vertretern des Erzbischöflichen Generalvikariats Paderborn (EGV), des Gemeindeverbandes Olpe und der Stadtverwaltung Attendorn hat der Kirchenvorstand Neu-Listernohl den Fahr- und Bauplan für das „Projekt Kirchenneubau“ festgelegt. Er sieht wie folgt aus: Der Kirchenraum soll für 120 Sitzplätze ausgelegt werden mit einer Fläche von rund 200 Quadratmetern. Für die auch von Musikdirektor Michael Rinscheid gespielte Orgel ist im Kirchenraum ein Platz einzuplanen. Bei Hochfesten kann die Kapazität durch einen Gruppenraum und das Foyer erweitert werden. Vorgesehen ist auf 15 Quadratmetern eine Sakristei. Das deutlich kleinere Pfarrheim ist auf 190 Quadratmeter geplant, dazu gehören: Gruppenräume, Büro, Küche, sanitäre Anlagen und Technik. Der allein stehende Glockenturm soll erhalten bleiben.

Kostenfrage ist geklärt

Die Kostenfrage ist geklärt. „Den Abriss der katholischen Pfarrkirche St. Augustinus trägt zu 100 Prozent Paderborn“, sagt Neuser. Auch die Finanzierung des Architektenwettbewerbs übernimmt das Erzbischöfliche Generalvikariat.

Die Rohbaukosten inklusive der Außenhülle der neuen Kirche und der Gemeinderäume werden mit 90 Prozent, der technische Ausbau mit 75 Prozent bezuschusst. Mit maximal 100.000 Euro wird die Umgestaltung der Außenanlagen gefördert. Alle Einrichtungskosten trägt die Kirchengemeinde Neu-Listernohl. Das Pfarrhaus neben der Kirche – hier sind im Obergeschoss Flüchtlinge untergebracht – soll verkauft werden. Der große Komplex mit dem ehemaligen Pfarr- und Jugendheim gleich nebenan am Augustinusplatz ist schon vor Jahren an einen privaten Investor veräußert worden. Der hatte vor, das Gebäude zu entkernen und Wohnungen zu errichten. Doch geschehen ist seitdem so gut nichts, ärgern sich viele Anwohner.

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