Bürgerversammlung

Saßmicker Bürger wollen nicht noch mehr Lärm

Großes Interesse in Saßmicke an der künftigen Anbindung des geplanten Gewerbegebietes Wenden/Olpe. Eine erzürnte Bürgerin bringt es auf den Punkt: „Auf jede Maus nimmt man Rücksicht, auf uns aber nicht.“

Großes Interesse in Saßmicke an der künftigen Anbindung des geplanten Gewerbegebietes Wenden/Olpe. Eine erzürnte Bürgerin bringt es auf den Punkt: „Auf jede Maus nimmt man Rücksicht, auf uns aber nicht.“

Foto: Engel

Sassmicke.   Es ist ein Reizthema für viele Anwohner des Wendener Dorfes Saßmicke: Eine mögliche Umgehungsstraße um das Gewerbegebiet Auf der Mark.

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Zur Bürgerversammlung in Saßmicke waren nicht nur Olpes Bürgermeister Peter Weber (CDU) und Baudezernentin Judith Feldner erschienen, sondern auch Wendens Bürgermeister Bernd Clemens (CDU). Denn was die Saßmicker momentan am meisten bewegt, ist das von der Gemeinde Wenden anvisierte neue rund 32 Hektar große Gewerbegebiet als Erweiterung des bestehenden Gewerbegebietes Auf der Mark jenseits der A4, oder besser gesagt, dessen Zuwegung. Und die soll und kann nur über Olper Gebiet und damit vielleicht ganz nah an Saßmicke vorbeiführen.

„Ich verstehe die Sorgen und Ängste. Es ist in der Öffentlichkeit aber ein falsches Bild entstanden, das ich gerne geraderücken möchte“, sagte Bernd Clemens und blickte zurück auf den 23. Oktober 2015. Zwei Tage nach seinem Amtsantritt habe er mit dem Leiter des Landesbetriebs Straßenbau, Ludger Siebert, erstmals darüber gesprochen, ob es eine Möglichkeit gebe, ein Industriegebiet für Wenden mit direktem Anschluss an die A4 zu entwickeln. „Es geht grundsätzlich darum, die gewerbliche Entwicklung der Gemeinde zu sichern und darum, ein altes und auch ein neues Gewerbegebiet zu erschließen“, so Clemens.

Furcht vor Lärm und Schatten

Da ein direkter Anschluss an die Autobahn aufgrund eines gebotenen Mindestabstandes von zwei Kilometern vom Autobahnkreuz A45/A4 nicht möglich ist, kommen letztlich nur zwei Möglichkeiten in Frage. Entweder mittels Tunnel unter der A 45 oder aber über eine Straße unter der vorhandenen Talbrücke hindurch entlang des Randes von Saßmicke, was rund drei Millionen Euro günstiger wäre. Was die 600-Einwohner-Ortschaft dabei fürchtet, ist weiterer Lärm und Schatten, kurzum eine erhebliche Verringerung der Wohnqualität und Entwertung des Eigentums.

„Auf jede Maus nimmt man Rücksicht, auf uns aber nicht“, erzürnte sich eine Saßmickerin über die Pläne. Ein anderer Bürger appellierte: „Erhalten sie die Attraktivität Saßmickes als Wohn- und Erholungsort. Ziehen Sie sich bitte nicht aus der Verantwortung!“

„Das ist keine Idee von Wenden, sondern ein Vorschlag von Straßen NRW in Zusammenhang mit dem sechsstreifigen Ausbau der A45“, sagte Clemens, der sich unter Beibehaltung des anvisierten Gewerbegebietes grundsätzlich für die Tunnellösung aussprach. „Wir können aber erst etwas sagen, wenn die Planungen weiter fortgeschritten sind.“ Was den Bürgermeister in dem Zusammenhang auch bewegt, ist die Verkehrsbelastung in Gerlingen mit rund 18 000 Fahrzeugen pro Tag. Ein Aufkommen also, mit dem die Verkehrsqualität als mangelhaft eingestuft wird.

„Wenn es eine Lösung für Gerlingen gibt, kann es uns nur recht sein“, so Clemens. Denn zum einen wäre Gerlingen sowieso nicht in der Lage, zusätzlichen Verkehr aufzunehmen. Zum anderen würde eine gleichzeitige (Mit-)Erschließung des alten Gewerbegebietes Auf der Mark rein rechnerisch eine Entlastung von 3.500 Fahrzeugen pro Tag bedeuten. „Ohne sinnvolle Erschließung können wir uns von allem verabschieden. Die aber liegt bei Straßen NRW und der Stadt Olpe. Das ist Fakt“, so Clemens.

Striche auf Landkarte

„Dass der Chef von Straßen NRW kostengünstig denkt, ist sein Recht. Unser Job ist es, eine vernünftige und für alle tragbare Lösung zu finden“, betonte Olpes Bürgermeister Peter Weber: „Die Zuwegung soll keine zusätzliche Belastung darstellen.“ Indes sei bis jetzt noch nichts Konkretes auf dem Tisch. „Es existieren bisher nur Striche auf einer Karte.“

CDU-Kreistags-Mitglied Heinrich-Peter Gummersbach hielt die Mitnutzung des schon einmal in die Diskussion gebrachten alten Eisenbahntunnels für die eleganteste Lösung einer Zuwegung und betonte darüber hinaus, dass Bürgermeister Peter Weber im Stadtrat wohl keine Kampfabstimmung gegen die Interessen der Saßmicker führen müsse.

Dank an die Bürgermeister

Der Saßmicker Herbert Becker lobte die Überlegungen der Gemeinde Wenden zu einem weiteren Gewerbegebiet und der damit einhergehenden Schaffung von Arbeitsplätzen, auch und gerade für junge Leute. Was ihm viel mehr Kopfschmerzen mache, sei der Ausbau der Autobahn. „Wenn die Verbreiterung zur Saßmicker Seite hin erfolgt, haben wir damit ein viel größeres Problem als mit der Zuwegung des Gewerbegebietes.“

Dass ihr die Sache am Herzen liege, daraus wollte Ortsvorsteherin Sandra Kurz-Schneider keinen Hehl machen: „Ich will, dass sich alle wohlfühlen und bin an einer guten Lösung interessiert.“

Umso mehr galt ihr Dank den Bürgermeistern von Olpe und Wenden: „Toll, dass Sie gekommen sind.“

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