Einzelhandel

Schmuck will man sehen und fühlen

Geschäftsinhaber Petra Lenneper hinter ihrer Verkaufstheke

Geschäftsinhaber Petra Lenneper hinter ihrer Verkaufstheke

Foto: Volker Eberts

Würdinghausen.   Stammkunden mögen das familiäre Ambiente bei Petra Lenneper Uhren und Schmuck. Das Geschäft in dritter Generation ist eine Institution.

„Ganz früher hat mein Opa hier auch noch Porzellan, Waffen und Munition verkauft.“ Wenn Petra Lenneper, Inhaberin des gleichnamigen Uhren- und Schmuckgeschäfts im 1060-Seelen-Ort Würdinghausen davon erzählt und erstaunte Blicke erntet, muss sie selber ein wenig schmunzeln.

Das ist lange her. Heute handelt die 54-Jährige ausschließlich mit Uhren und Schmuck. Im kommenden Jahr ist es 30 Jahre her, dass sie das Fachgeschäft nach dem plötzlichen Tod ihres Vater übernahm und seitdem in dritter Generation betreibt. Damals gehörte auch noch eine Augenoptik dazu. Aber obwohl sie ausgebildete Augenoptikerin ist, beschlossen sie und ihr Mann Helmut, sich auf Uhren und Schmuck zu konzentrieren.

Vor gut zehn Jahren tauchte die massive Konkurrenz aus dem Internet auf dem Markt auf und Uhren und Schmuck sind heute klassische Artikel des Online-Handels. Petra Lenneper weiß, dass manche Artikel, die zu ihrem Sortiment gehören, dort manchmal günstiger angeboten werden. Aber nervös macht sie das nicht, denn die Geschäftsfrau kann ihren Kunden mehr bieten als die bunten Plattformen auf dem Computerbildschirm.

Persönliche Beratung

„Die Kunden mögen die familiäre Atmosphäre bei uns“, sagt sie. Und diese ist so authentisch, wie man sie woanders selten findet. Wer an der Verkaufstheke steht, muss sich nicht wundern, wenn Haushund Luna, ein 14-jähriger Hovawarth/Border-Collie-Mischling zur Begrüßung schwanzwedelnd aus dem Hintergrund kommt. Für jeden Kunden nimmt sich die Inhaberin nicht nur Zeit für eine intensive Beratung, sondern auch gerne für ein Gespräch über Alltagsthemen. „Das gibt mir selber viel und ich würde das vermissen“, sagt die Mutter von zwei erwachsenen Töchtern.

Ihre Kunden wissen und mögen das, wie Kundin Ulrike Peez-Lingemann: „Ich schätze die individuelle und persönliche Beratung, so etwas gibt es doch in großen Läden kaum noch.“ Die meisten Kunden kommen aus der näheren Umgebung, einige aber auch darüber hinaus, darunter viele Stammkunden, die dem Haus Lenneper seit langer Zeit verbunden sind. „Ohne unsere treue Stammkundschaft würde es nicht funktionieren, unsere Stammkunden sind ein hohes Gut“, sagt die Inhaberin.

Die Kunden wissen, was sie erwartet, wenn sie durch die Ladentür treten, ein Sortiment von klassisch bis modern, mit dem Petra Lenneper das Defizit, das kleinere Läden naturgemäß haben, wettmachen kann. „Wenn man klein ist, ist es schwieriger, neue Trends mitzugehen, weil man nicht ganze Kollektionen präsentieren kann.“

Hinzu kommt das Handicap, dass es für einige Marken einen Gebietsschutz gibt, das bedeutet, sie darf manche Artikel nicht verkaufen. Einige Großhändler oder Hersteller verlangen zudem ein Mindestabnahme-Kontingent, das den Rahmen des Geschäfts sprengen würde.

Dennoch gehören auch ausgewählte Markenartikel zu Lennepers Portfolio, oft zum gleichen Preis wie woanders auch. Lenneper: „Bei Marken gelten die UVPs, an der gelieferten Ware hängt das Preisschild schon dran.“

Keine Online-Spione

Dass Kunden in den Laden kommen, um sich Artikel auszusuchen, um sie später im Internet zu ergattern, kann Petra Lenneper nicht bestätigen. „Die Kunden, die in unser Geschäft kommen, haben eine klare Kaufabsicht und 95 Prozent kaufen auch etwas.“ Rückläufer sind Ausnahmen und eigentlich keine richtigen Reklamationen. Manchmal werden Artikel, die als Geschenke gekauft wurden, umgetauscht.

Auf die Haptik kommt es an

Das sieht im Online-Geschäft ganz anders aus. Nach einem Bericht des Handelsblatts liegt die Retourenquote in der Mode-Branche jenseits von 40 Prozent. Dies ist auch ein Grund, warum Petra Lenneper es scheut, einen eigenen Online-Shop zu betreiben. Aufwand und Risiken wären zu groß und wären nicht wie in anderen Branchen durch den Großhandel oder einen Verband abgefedert.

Nicht nur für sie selbst, auch für die meisten Kunden ist der Schmuckkauf etwas Besonderes. Hier geht es nicht nur um Aussehen, sondern um Emotionalität und Haptik. „Schmuck will man nicht nur angucken, sondern auch anfassen, am Körper anlegen, sehen und fühlen“, sagt Petra Lenneper. Dies ist ein weiterer Trumpf gegenüber dem Online-Handel.

Und wenn Petra Lenneper oder ihre Mitarbeiterin eine neue Uhr hübsch verpackt übergibt, verabschiedet sie ihre Kunden gern mit dem Hinweis: „Alle Uhren, die wir verkaufen, zeigen nur schöne Stunden an.“ Die Kunden lächeln dann.

Auch das gibt es nicht im Online-Handel.

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