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Schornsteinfeger Breidebach hat auch bei Horst Heldt gekehrt

Ein Schornsteinfeger steht auf einem Hausdach.

Foto: DPA

Ein Schornsteinfeger steht auf einem Hausdach. Foto: DPA

Olpe.   Schornsteinfeger Hermann-Josef Breidebach aus Thieringhausen spricht im Interview über Glück, Bürokratie und Prominenz.

Hermann-Josef Breidebach ist mit Leib und Seele Schornsteinfeger. Deswegen erscheint der 62-Jährige aus Thieringhausen auch in voller Montur zum Termin in der Redaktion: Schwarze Kleidung, weißes Halstuch, goldene Knöpfe, Zylinder, den schweren Messkoffer in der rechten Hand. Breidebach ist Bezirksschornsteinfegermeister in Olpe und wird wie seine Berufskollegen in der kalten Jahreszeit öfter zu sehen sein. Im Interview spricht Breidebach über verstopfte Schächte, nervige Bürokratie und einen Besuch beim früheren Fußballprofi Horst Heldt.

Herr Breidebach, wie sehr nerven Sie die Fragen nach Schornsteinfegern als Glücksbringer?

Hermann-Josef Breidebach: (schmunzelt) Die Fragen kommen noch oft, aber das nervt mich ganz und gar nicht.

Versuchen die Leute, Sie anzufassen?

Auch das gibt es, viele meinen, sie müssten die goldenen Knöpfe anpacken. Das ist kein Problem. Da hängt halt ein Aberglaube dran.

Tragen Sie noch den Zylinder?

Tagsüber nicht, ich bin ja viel mit Abnahmen beziehungsweise Messungen beschäftigt. Aber bei Kehrarbeiten habe ich den Zylinder auf.

Genießen Schornsteinfeger ein hohes Ansehen?

Ja. Vor allem, weil wir neutral und unabhängig sind. Wir wollen ja nichts verkaufen. Wir verkaufen nur unsere Dienstleistungen und unser Wissen.

Freuen sich die Leute, wenn Sie kommen oder sind diese genervt?

Das ist unterschiedlich, aber unterm Strich müssen die Leute halt bezahlen. (lacht) Viele sind aber froh, wenn wir kommen.

Ärgern sich die Leute über hohe Kosten, wenn Sie nur zehn Minuten da waren?

Die Fragen kommen, es ist nur schwer zu verstehen, aber unser Beruf ist sehr bürokratisch geworden. Wir haben mehr Arbeit im Büro zu verrichten als draußen.

Stört sie das?

Ja, sehr sogar. Die haben uns zu Bürokraten gemacht, obwohl wir alle Handwerker sein wollten. Aber die Bürokratie ist so enorm geworden. So ist das heutzutage. Die Bürokratie hat jetzt jeder , auch der Arbeiter, der an der Drehbank steht.

Was hat sich noch geändert?

Das Heizsystem hat sich sehr geändert, wir haben neue, moderne Techniken. Die Feststofffeuerstätten sind geblieben, aber auch die sind deutlich moderner geworden.

Hilft Ihnen das neue Schornsteinfeger-Handwerk-Gesetz, das dieses Jahr in Kraft getreten ist?

Das Gesetz ist jetzt nicht mehr Länder-, sondern Bundessache. Das sagt aus, dass man sich für bestimmte Schornsteinfeger-Arbeiten einen Schornsteinfeger frei wählen kann. Das ging vorher nicht. Mit Ausnahme von Abnahmen, das muss immer derjenige tun, der den Kehrbezirk auch verwaltet. Die Bezirke sind als solche geblieben und die müssen wir verwalten. Aber kehren und abmessen, das können auch andere.


Bekommen Sie viele Anfragen für diese freien Tätigkeiten?

Wenige, es gibt immer welche, die wechseln. Von mir gehen ein paar weg, ein paar kommen hinzu. Aber eine große Fluktuation gibt es nicht. Das liegt auch daran, dass wir die Leute kennen - und die Leute kennen uns. Da entstehen Beziehungen und die Leute vertrauen uns.

Wie heizen Sie zu Hause?

Ich heize mit einer Ölheizung und in den kalten Monaten mit einer Festbrennstoffheizung.

Ist das umweltfreundlicher als eine Gasheizung?

Das nimmt sich nicht viel. Bei der Festbrennstoffheizung ist es so: Die muss bestimmte Abgaswerte erfüllen, das prüfen wir ja, und die Feststoffbrennheizung ist CO2-neutral. Das ist der große Vorteil dabei.

Sind Sie schon mal in einem Schacht stecken geblieben?

Nein, noch nicht. Es gibt aber auch immer weniger von den Schornsteinen, die bestiegen werden. Auf dem Land gibt es aber noch welche.

Empfehlen Sie jungen Leuten den Schornsteinfeger-Beruf?

Unbedingt. Es ist ein hochinteressanter Beruf, er ist vielfältig, man wechselt die Arbeitsstätte ständig, wir kommen mit unglaublich viel Leuten in Kontakt und wir haben eine große Freiheit. Niemand steht hinter mir und beobachtet mich. Ich habe mal als Schüler ein Praktikum in einem Handwerksbetrieb gemacht und es abgebrochen. Ich will nicht ständig in einem Betrieb sein, sondern rausgehen können.

Sind Ihre Kinder auch Schornsteinfeger geworden?

Nein, aber mein Neffe. Der hat bei mir gelernt und hat seine Meisterprüfung gemacht. Jetzt hat er auch seinen eigenen Bezirk.

Welche Eigenschaften muss ein Bewerber mitbringen?

Er sollte nicht ganz so schlecht in Mathe sein, die deutsche Sprache beherrschen und motiviert sein. Alles andere kann man lernen.

Bei welchem Prominenten würden Sie gerne mal den Kamin ausfegen?

Prominenz hatte ich damals reichlich, als ich im Dortmunder Süden gearbeitet habe (grinst). Da war ich bei ein paar Fußballspielern zu Hause.

Wer bleibt Ihnen besonders in Erinnerung?

Horst Heldt, das war 1991 (damals Spieler beim 1. FC Köln; d. Red.). Aber der ist ein Mensch wie Du und Ich, mit dem konnte man sich ganz normal unterhalten.

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