Kampfveranstaltung

Rechtsradikaler Kampf-Veranstalter überraschte Schützen

Die Polizei musste in Kirchhundem zu einer Kampfveranstaltung von Rechtsradikalen ausrücken.

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Die Polizei musste in Kirchhundem zu einer Kampfveranstaltung von Rechtsradikalen ausrücken. Foto: imago stock&people

Kirchhundem/Kreis Olpe.   Nach dem Großeinsatz der Polizei rund um die rechte Kampfveranstaltung "Kampf der Nibelungen" in Kirchhundem nimmt der Schützenverein Stellung.

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Wäre die Veranstaltung der rechtsradikalen Szene in der Schützenhalle Kirchhundem zu verhindern gewesen? Nach Recherchen dieser Zeitung vermutlich nicht.

Wie der Vorsitzende des Schützenvereins Kirchhundem in einer offiziellen Presseerklärung seines Vereins versicherte, sei bei Abschluss des Mietvertrages nicht zu erkennen gewesen, dass ein Großaufmarsch von Rechtsradikalen drohe.

Privatmann aus Dortmund trat seriös auf

Wörtlich heißt es im Schreiben der Schützen unter anderem: „Der Vorstand... hat im Mai 2017 mit einer Privatperson aus Dortmund einen Mietvertrag über die Anmietung der kompletten Schützenhalle ...geschlossen, nachdem dieser erklärte, dass er eine vereinsinterne Meisterschaft (Training und Kämpfe) von jungen Boxern organisiere. Es handele sich um eine private Veranstaltung, zu der im Regelfall nur Eltern oder Verwandte kommen würden.“

Auf die Frage, warum er keine Halle in Dortmund anmiete, habe der Mann geantwortet, die könne man nicht mehr bezahlen. Der Mann sei seriös aufgetreten, habe von 200 bis 250 Personen gesprochen und nach Abschluss des Mietvertrages umgehend die Kaution bezahlt.

Spät informiert

Erst am Veranstaltungstag sei man vom Hausmeister darüber informiert worden, dass es sich um einen großen „Auflauf an Fahrzeugen und Menschen“ handele. Und erst zu diesem Zeitpunkt habe die Kreispolizeibehörde informiert, dass die Veranstaltung möglicherweise einen politischen Hintergrund habe, später sei der rechtsextremistische Hintergrund erwähnt worden.

Der Verein versichert, dass er den Mietvertrag nie abgeschlossen hätte, wenn er den rechtsextremistischen Hintergrund geahnt hätte.

Auch Landrat Frank Beckehoff versicherte auf Anfrage, er sei erst am Veranstaltungs-Samstag spät informiert worden: „Wir haben als Ordnungsbehörde gegen 15.30 Uhr Kenntnis davon bekommen, ich selbst bin gegen 18.30 Uhr in Kenntnis gesetzt worden - auf dem Weg zum Hospizkonzert in Altenhundem und habe dann ständig stillen Kontakt zu Einsatzkräften gehalten.“

Festzuhalten sei aus seiner Sicht, dass das Ziel der Polizei, deeskalierend aufzutreten, in „sehr guter und hervorragender Weise gelungen ist.“ Wobei Beckehoff grundsätzlich hervorhob, dass sich „keiner im Kreis Olpe rechtsextremistische Veranstaltungen hier bei uns wünscht.“

Hinweise an Hallenbetreiber

Beckehoff versprach: „Wir werden das aufarbeiten - gemeinsam mit den örtlichen Ordnungsbehörden.“ Möglicherweise werde es auch Hinweise an alle Hallenbetreiber geben, sensibel gegenüber künftigen Mietern zu sein.

Kirchhundems Bürgermeister Andreas Reinery hob positiv hervor, dass die Gesellschaft durch solche Ereignisse stark sensibilisiert werde. Mit Blick auf die Kirchhundemer Schützen sagte Reinery: „Ich kann nicht erkennen, dass hier jemand etwas falsch gemacht hat.“ Der Vermieter sei ganz offensichtlich „hinters Licht geführt“ worden: „Die Schützen trifft keine Schuld.“

Staatsschutz-Leiter: „Polizeilicher Erfolg“

Beim „Kampf der Nibelungen“ am Samstag Abend gelang es dem Staatssschutz offenbar anders als in den Vorjahren, noch kurz vor der Veranstaltung „Wind“ von der Sache zu bekommen: „Für uns ist das ein großer polizeilicher Erfolg“, bewertete André Dobersch, der gerade erst ins Amt eingeführte neue Leiter des Staatsschutzes Hagen, den Vorfall in Kirchhundem.

Mit Kirchhundem nicht gerechnet

Die Veranstalter, die der rechtsextremen Szene angehörten, seien in den vergangenen Jahren sehr bemüht gewesen, den Ort des Geschehens geheim zu halten, um dann danach beispielsweise bei Facebook und auf anderen Internetplattformen selbst mit Text und Foto berichten zu können.

Das sei den Rechtsextremisten dieses Mal nicht gelungen. Dobersch räumte allerdings ein, dass man vom Veranstaltungsort überrascht worden sei.

Es handle sich immerhin um „eine der größten, wenn nicht sogar um die größte rechtsextremistische Kampfsportveranstaltungen für Deutschland und europäische Nachbarländer.“

Hessen im Blick, danach das Siegerland

Und damit, dass die Organisatoren dann ausgerechnet Kirchhundem ausgesucht hätten, habe man nicht gerechnet: „Wir waren zunächst von Hessen ausgegangen, dann vom Raum Siegen.“ Erst am Veranstaltungstag sei man auf die Spur ,Kirchhundem’ gekommen und habe dann entsprechend reagiert. Nicht überrascht habe die Teilnehmerzahl von rund 600 Besuchern.

Dobersch bezifferte auf Nachfrage die Anzahl der polizeilichen Einsatzkräfte auf „fast 300“. Neben den Polizisten der Kreispolizeibehörde Olpe seien Beamte aus mehreren Teilen Nordrhein-Westfalens hinzugezogen worden, auch seine Behörde, der Staatsschutz und er selbst seien vor Ort gewesen. Zur Identität der eigentlichen Organisatoren des „Kampfes der Nibelungen“ wollte Dobersch nichts Detailliertes preisgeben, nur: „Das sind bekannte Größen der rechtsextremistischen Szene.“

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