Einzelhandel-Serie

Schuh-Geschäft in dritter Generation

Christoph Häner und seine Frau Sabine setzen in den für den Einzelhandel nicht einfachen Zeiten auf persönlichen Kontakt und spezielle Beratung im Wettbewerb gegen den Handel im Netz.

Christoph Häner und seine Frau Sabine setzen in den für den Einzelhandel nicht einfachen Zeiten auf persönlichen Kontakt und spezielle Beratung im Wettbewerb gegen den Handel im Netz.

Foto: Roland Vossel

Wenden.   Seit 91 Jahren gibt es das Schuhgeschäft Häner in Wenden. Inhaber Christoph Häner setzt auf individuelle Beratung und persönlichen Kontakt.

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Man kennt sich. Es herrscht schon fast eine familiäre Atmosphäre im Schuhgeschäft an der Wendener Hauptstraße. Inhaber Christoph Häner und seine Frau Sabine begrüßen die meisten Kunden persönlich und halten ein Pläuschchen. Auch Kunibert Kinkel, der frühere Wendener Bürgermeister, kommt schon seit Jahrzehnten. „Hier gibt es eine gute Qualität und man wird gut beraten. Mit dem Haus Häner bin ich schon seit Jahrzehnten befreundet“, sagt der 73-jährige Ottfinger im Gespräch mit unserer Zeitung.

Christoph Häner setzt in den für den Einzelhandel nicht einfachen Zeiten auf persönlichen Kontakt und spezielle Beratung im Wettbewerb gegen den anonymen Handel im Netz. „In unserem Hauptgeschäft geht es um bequeme Mode. Die Leute, die zu uns kommen, erwarten individuelle Beratung und möchten einen Schuh auch mal anprobieren“, betont der 55-Jährige. In der Filiale nebenan bietet Häner junge Schuhmode an: „Der Einfluss vom Internet ist dort vielleicht ein bisschen größer als bei uns im Fachgeschäft.“

Darüber, dass Leute bei ihm anprobieren und die Schuhe dann im Internet bestellen, kann Christoph Häner nicht klagen: „Das kommt vielleicht mal vor, ist jedoch meiner Meinung kaum der Rede wert.“

Sportabteilung wichtiges Standbein

Seit 91 Jahren gibt es das Schuhhaus in Wenden. Christoph Häner leitet das Familienunternehmen in dritter Generation mit seiner Frau Sabine. Der Betriebswirt, der bei Salamander in Kornwestheim das Schuhhandwerk von der Pike auf gelernt hat, übernahm 1992 das Geschäft in Wenden und eröffnete 1994 nebenan die Filiale „Der Schuhladen“, einen Laden mit modischen, preiswerten Schuhen für Jung und Alt. „Die Entwicklung ist recht kontinuierlich. Im Großen und Ganzen sind wir zufrieden“, so der 55-Jährige, der 15 Mitarbeiter beschäftigt. Ein wichtiges Standbein ist auch die Sportabteilung mit Schwerpunkt Fußball im Hauptgeschäft: „Die Vereinsgeschäft mit der Flockabteilung läuft gut.“

Bei der Geschäftsübernahme 1992 sei Internethandel noch kein Thema gewesen: „Das begann vor sieben, acht Jahren. Die Entwicklung geht immer schneller. Man kann die Hände nicht in den Schoß legen. Wir müssen uns umstellen und mitgehen, können nicht mehr so weitermachen wie vor zehn Jahren.“ Sein Geschäft sei in der glücklichen Lage, Mitglied in einer sehr guten Vereinigung von Einzelhändlern in ganz Deutschland zu sein, so Häner: „Seit eineinhalb Jahren betreiben auch wir Online-Handel. Unsere Einkaufsvereinigung stellt ihren Mitgliedern eine Internetplattform zur Verfügung, über die die Händler ihre Ware anbieten uns versenden können.“

Etwas über zehn Prozent macht aktuell der Online-Handel für das Schuhhaus aus. Gleichwohl glaubt Christoph Häner, dass es eine Wende gibt: „Momentan ist ein Stand erreicht, bei dem die Wachstumssprünge im Internet nicht mehr so stark steigen. Ich glaube, dass die Leute schon persönlichen Kontakt suchen und beraten werden wollen.“

Keine Nachfolger

Trotz der Hitze in den vergangenen Wochen hat Einzelhändler Häner jetzt schon die kalte Jahreszeit im Blick: „Jetzt denkt noch keiner an Winterschuhe. Auch wenn es draußen 30 Grad sind, kommt jetzt aber schon viel rein für den Winter. Das müssen wir solange zwischenlagern.“ Recht schnell abhaken musste Häner das angepeilte WM-Geschäft mit deutschen Fan-Utensilien. Diese sind für den halben Preis zum Ladenhüter geworden: „Da konnte keiner mit rechnen. Ich hatte schon Sachen fürs Endspiel eingekauft. Das ist nun mal Berufsrisiko.“

Wird das Schuh-Familienunternehmen demnächst in vierter Generation fortgeführt? Christoph Häners klare Antwort: „Nein. Beide Kinder machen etwas anderes.“ Bedauern tut er das aber nicht: „Man weiß ja nicht, wo die Reise hingeht. Es wird bestimmt nicht einfacher im Einzelhandel. Deshalb ist das so ok. Ich denke jedoch, dass wir auch weiterhin noch gut zurecht kommen.“

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